In Stuttgart gibt es bald wieder einen Ort, an dem Fahrräder unabhängig von Marke und Herkunft repariert werden. Foto: ALF Cycling

Die Schließung der Bike-Werkstatt hat eine Lücke hinterlassen. In Stuttgart-West eröffnet nun ein neuer Reparaturladen – mit vertrauten Gesichtern und bekanntem Konzept.

Als die Bike-Werkstatt im vergangenen Herbst ihre Schließung ankündigte, war die Reaktion in der Kundschaft eindeutig: Bedauern und Unverständnis. Sieben Jahre lang war der beliebte Reparatur-Laden in der Eberhardstraße eine feste Größe für Radfahrer in Stuttgart. Vor allem für jene, deren Fahrräder nicht beim klassischen Händler gekauft wurden. Wer ein Rennrad aus dem Internet, ein älteres Citybike oder ein Lastenrad fuhr, fand hier dennoch Hilfe.

Mit dem Aus für die Werkstatt verschwand ein Angebot, das in Stuttgart selten ist. In sozialen Netzwerken häuften sich die Kommentare: „Ein großer Verlust“, schrieben viele. Und stellten dieselbe Frage: Wohin jetzt mit dem Rad zur Reparatur? Jetzt gibt es eine Antwort – und sie dürfte vor allem Radfahrer im Stuttgarter Westen freuen.

Gespräche über eine Übernahme – und ein Neustart

In der Silberburgstraße 70a eröffnet am 7. März eine neue Fahrradwerkstatt: die ALF Cycling Werkstatt West. Das Kürzel steht für „Alle lieben Fahrrad“. Hinter dem Projekt stehen die drei Gründer von ALF Cycling – Fabian Armbruster, Simon Zirn und Michael Kehle. Die Fahrrad-Enthusiasten, die alle Mitte 30 sind und selbst viel Rad fahren, betreiben seit mehreren Jahren Werkstatt- und Serviceleistungen in Stuttgart-Ost.

Fabian Armbruster, Michael Kehle und Simon Zirn (von links) verstehen sich als Teil einer wachsenden Fahrradbewegung in Stuttgart. Foto: ALF Cycling

Besonders für ehemalige Kunden der Bike-Werkstatt dürfte eine Nachricht entscheidend sein: Das Kernteam rund um Werkstattleiter Alessandro Erichson – bekannt als Sandro – wird übernommen. „Die Geschichte der Bike-Werkstatt war einfach zu gut, um sie enden zu lassen“, sagt Simon Zirn, einer der drei Geschäftsführer. Man habe früh versucht, den alten Standort in der Eberhardstraße zu übernehmen, sei jedoch an der unsicheren Immobiliensituation und den unklaren Zukunftsplänen des Vermieters gescheitert.

Service statt Verkaufsdruck

Unabhängig davon habe man ohnehin geplant, einen weiteren Standort zu eröffnen. Also entschied man sich für einen Neuanfang – mit den Menschen, die den Laden geprägt haben. „Viele freuen sich, wenn sie hören, dass Sandro weiter in der Werkstatt steht“, sagt Zirn. Den alten Kundenstamm habe man aus Datenschutzgründen nicht aktiv informieren können. Mundpropaganda spiele deshalb eine große Rolle.

Eine Lücke, die viele spüren: Die Bike-Werkstatt machte im Herbst dicht. Foto: Jonas Schöll

Das Konzept bleibt bewusst offen. In der neuen Werkstatt können Fahrräder aller Marken gewartet und repariert werden – auch E-Bikes und Lastenräder. Genau darin sieht ALF Cycling eine Lücke im Stuttgarter Markt.

Während viele klassische Fahrradläden Service nur für ihre eigenen Modelle anbieten, denken die jungen Unternehmer das Geschäft konsequent von der Werkbank aus. Der Fokus liegt, wie schon bei der früheren Bike-Werkstatt, klar auf Service.

Mehr als nur eine Werkstatt

„Wir unterscheiden nicht danach, wo ein Fahrrad gekauft wurde“, sagt Zirn. Genau das sei für viele Kunden ein entscheidender Punkt. Einschränkungen gebe es lediglich bei sehr günstigen Rädern, bei denen eine fachgerechte Reparatur wirtschaftlich oder technisch kaum möglich sei. Ein Standard-Service kostet 129 Euro, beim E-Bike 139 Euro. Dafür wird das Rad technisch durchgecheckt, Bremsen und Schaltung eingestellt, die Verkehrssicherheit hergestellt. Ersatzteile oder größere Reparaturen kommen gegebenenfalls hinzu.

Modernes Ambiente: Die ALF Cycling Werkstatt im Stuttgarter Osten. Foto: ALF Cycling

Auf rund 240 Quadratmetern entstehen fünf Arbeitsplätze, ergänzt durch einen kleinen Showroom mit City- und Urban-Bikes. Der Fokus liegt auf Funktionalität und Atmosphäre: elektrische Hebebühnen, moderne Werkzeuge, klare Prozesse – und ein digitales Buchungssystem, das lange Warteschleifen ersparen soll.

Werkstatt als eigenes Geschäftsmodell

Die Nachfrage nach solchen Angeboten sei hoch, insbesondere im Frühjahr, berichtet Zirn. Schon jetzt gebe es Wartezeiten von rund einer Woche – ein Grund, weshalb man im Westen zusätzliche Kapazitäten schaffen wolle. Wer ALF Cycling kennt, weiß: Hier geht es nicht nur ums Schrauben. Auch die neue Werkstatt soll ein Ort werden, an dem man gerne vorbeikommt. Community, Austausch, kurze Gespräche – das gehört zum Selbstverständnis der Gründer.

ALF Cycling beschäftigt derzeit mehrere Dutzend Mitarbeiter in Werkstatt, Café und Organisation. Rund 15.000 Kunden hat der Laden in den vergangenen dreieinhalb Jahren bereits betreut. Die Betreiber verstehen sich als Teil einer wachsenden Fahrradbewegung in einer nach wie vor vom Auto geprägten Stadt.