Trendige Mode zu niedrigen Preisen: Die neue Filiale von New Yorker soll künftig eine Lücke schließen, die bisher im Angebot des Leo-Centers klaffte. Zum Start ist der Andrang groß.
Als die Uhr zehn schlägt, stehen in der neuen Filiale von New Yorker im Leo-Center schon die ersten Kunden an der Kasse. „Wir haben zehn Minuten früher aufgemacht“, berichtet Serge Micarelli, der Manager des Leonberger Einkaufszentrums, sichtlich zufrieden. Einen kleinen Ansturm habe es da schon gegeben. Tatsächlich: Nirgends sonst in der Mall ist es an diesem Vormittag, eine eher ungewöhnliche Shoppingzeit, so voll wie in dem Bekleidungsgeschäft, das künftig auch jüngere Kunden ins Leo-Center locken soll.
Für den ersten Tag im neuen Umfeld ist das Leonberger Verkaufsteam des Braunschweiger Fast-Fashion-Gigants in voller Mannschaftstärke vertreten – 40 Mitarbeiter in zwei Schichten sorgen an diesem Donnerstag für Ordnung auf den rund 1200 Quadratmetern. Sie bringen Artikel, die bei der Anprobe liegen geblieben sind, wieder an ihren angestammten Platz, scannen an vier Kassen Barcodes ein, beantworten die Fragen der Shopper.
Zur Feier des Tages gibt es selbstredend Prozente, außerdem können sich die Kunden Pullover oder T-Shirts individuell mit Buchstaben und Symbolen besticken lassen – zur Auswahl stehen etwa Herzchen, Spinnen, Fischgräten oder auch die Freiheitsstatue.
60 New-Yorker-Filialen in ECE-Einkaufszentren
Für die Eröffnung mitsamt Specials hat das Leo-Center in den vergangenen Tagen und Wochen auch kräftig Werbung gemacht, in Sozialen Medien, aber auch im Radio, New Yorker selbst hat außerdem mit Plakatwerbung gelockt. Das habe funktioniert, sagt Micarelli. „Für uns ist New Yorker ein strategisch wichtiger Partner“, berichtet der Center-Chef. „Weil wir damit auch eine jüngere Generation ansprechen wollen.“
14 bis 29 Jahre alt sind die Kunden, die er mit der neuen Filiale in sein Einkaufszentrum holen will. Junge Mode sei bisher im Leo-Center eher unterrepräsentiert, gibt Micarelli zu. Ihre Kaufkraft will man aber nicht verlieren, wenn sie zum Shoppen lieber Richtung Stuttgart oder Böblingen fahren. New Yorker soll nun ein erster Schritt sein.
Bewährt hat sich das anderswo auch: Rund 60 Filialen der Kette gibt es über alle Einkaufszentren der ECE-Gruppe, zu der auch das Leo-Center gehört, hinweg – und sie haben dort eine „starke Performance“, so Micarelli. Hinzu kommt, dass das Unternehmen New Yorker derzeit auf Wachstumskurs ist und erst Anfang diesen Jahres eine Rekordbilanz vorgelegt hat.
Mit New Yorker endlich ein Angebot für Teenager im Leo-Center?
Für das Leo-Center, in dem sich in den vergangenen Monaten der Schließung von Karstadt zum Trotz viel bewegt hat, könnte die Modekette tatsächlich ein Pull-Faktor werden – diesen Eindruck erweckt zumindest der Ansturm an Tag eins. Auf Nachfrage berichten einige Kundinnen und Kunden, dass sie jetzt vielleicht öfter im Leonberger Einkaufszentrum vorbeischauen wollen. „Ich bin eigentlich immer mal wieder hier“, berichtet die 34-jährige Merima aus Leonberg. „Jetzt vielleicht noch mehr.“ Sie möge New Yorker, erzählt sie, musste dafür aber immer nach Böblingen oder Stuttgart fahren. Onlineshopping gibt es in diesem Fall übrigens nicht als Alternative: Wer bei New Yorker einkaufen will, muss das im Einzelhandel tun.
Die 16-jährige Noelie und die 17-jährige Alena sind extra mit Freundinnen in einer Freistunde ins Leo-Center gekommen, im gleich am Vormittag bei New Yorker einzukaufen. Sie wollen sich unbedingt einen Pulli besticken lassen, mit den Initialen ihrer Freunde. Beide finden es „mega“, dass das Braunschweiger Unternehmen ins Leo-Center gezogen ist. „Es gibt im Leo-Center nicht so viel Mode für Jugendliche“, sagen sie. Auch ein 19-jähriger Leonberger, der nicht namentlich genannt werden will, findet das neu eröffnete Geschäft gut. Für ihn zählen auch die Preise: „Es ist hier nicht so teuer wie in anderen Läden.“
Für junge Kunden zählt auch der Preis
In der Tat kosten einzelne Artikel hier selten über 60 Euro, ein T-Shirt gibt es auch schon für sechs Euro. Die Mini-Handtasche in Kuhfelloptik geht für 12,99 über die Theke, eine Jeansjacke in Armee-Farben für 39,99. Wer noch ein Dirndl für den Wasen braucht, muss bei New Yorker dafür 50 Euro blechen. Nachhaltigkeit und Sozialbewusstsein gehen beim Fast-Fashion-Einzelhändler für schnelle Produktionszyklen drauf – dafür kann man aber auch kurzlebige Modetrends bedienen, die in den Sozialen Medien ihre Runde machen. Gerade zum Beispiel: Warme Brauntöne zum Herbstanfang oder Netzoberteile im Y2K-Stil.
Trotz aller junger Mode liegt dem Center-Manager Serge Micarelli viel daran, einen gesunden Mix ins Leo-Center zu holen. Eine andere Zielgruppe will er etwa mit einem Porsche-Pop-Up ansprechen, bei dem einige Porsche 911er aus Privatbesitz ausgestellt werden sollen. Im kommenden Jahr zieht Müller mit einem Markt auf eine Teilfläche der ehemaligen Karstadtfiliale. „Damit wird auch abgedeckt, was durch Karstadt weggebrochen ist“, sagt Micarelli.