Wie sieht der Fußabdruck eines Dachses aus? Und wie viele Sprünge braucht man, um so weit zu kommen wie ein Reh mit einem Satz? Auf dem neuen Walderlebnispfad von Steckenpferd Molly kann mal all das erfahren und Spaß haben – auch als Erwachsener.
Mila mag Pferde. „Pferde sind meine Lieblingstiere“, sagt die Neunjährige. Ein schwarzes Exemplar prangt auf ihrem rosafarbenen T-Shirt. Doch auch die anderen der vielen Kinder, die an diesem Samstagvormittag im Kirchberger Wald unterwegs sind, hat ein Pferd dorthin gelockt. Genauer gesagt, ein Steckenpferd namens Molly. Immer wieder lugt es auf dem knapp drei Kilometer langen, frisch eingeweihten Rundweg aus dem Geäst und scheint sich zu fragen, an welcher der 21 Stationen die Kinder am meisten Spaß haben, und wo auch die Erwachsenen noch etwas lernen können. Diese Fragen sind gar nicht leicht zu beantworten.
Die zwölfjährige Elif ist besonders stolz auf das Waldpuzzle, das ihre Idee war. Runde Baumscheiben sind in Stücke zersägt worden. Sie liegen gemischt auf einem Haufen. Doch schnell haben die Kinder sie richtig zusammengesetzt. Die verschiedenen Farben, mit denen die Scheiben bemalt sind, helfen ihnen dabei. Die sechsjährige Clara erzählt ihrem Vater aufgeregt, sie habe Klötze für die Waldkegel bemalt, außerdem Schnecken und einen der Pferdeköpfe.
Beim Walderlebnispfad haben ganz viele mitgeholfen
Das ist das Besondere an dem Walderlebnispfad, der bis zum Ende der Sommerferien in der Nähe des Sportplatzes aufgebaut ist: Die Kinder haben an der Gestaltung mitgewirkt und Ideen eingebracht. Bis der Pfad eröffnet werden konnte, haben aber auch ganz viele Erwachsene monatelang gearbeitet, allen voran sechs Ehrenamtliche des Vereins Steckenpferd. „Wir waren immer wieder am Sonntagmorgen um acht Uhr im Wald unterwegs, um uns die verschiedenen Routen anzuschauen und zu planen“, erzählt die Vorsitzende Derya Aydin. Schon im September letzten Jahres haben die Überlegungen begonnen, dann wurde nach und nach gemalt und gebastelt.
Auch die Männer wurden mit eingespannt. Sie haben die Holzklötze, die der Revierförster Paul Bek zur Verfügung gestellt und der Burgstaller Klaus Krauter zurecht gesägt hatte, an Ort und Stelle gebracht. Besonders beeindruckend ist ein bereits zuvor im Wald zu findender umgestürzter, der Länge nach zersplitterter Baumstumpf. Wenn man oben sitzt, kann man wunderbar eine der runden Holzscheiben nach unten rollen lassen, die dann in einem „Netz“ aus Ästen aufgefangen werden.
Balancieren, springen, werfen oder raten – alles ist möglich
Trittsicherheit ist an einer weiteren Station gefragt. Hier kann man auf Baumstämmen balancieren. Die fünfjährige Olivia setzt vorsichtig Fuß vor Fuß, ihr zwei Jahre älterer Bruder Marlon zeigt, dass das auch im Laufschritt geht. Vielleicht ist das der Grund, warum er, anders als seine Schwester, sich jetzt nicht bei der Mutter beschweren muss: „Da waren Ameisen“, sagt die Kleine in vorwurfsvollem Ton. „Ja, das ist im Wald eben so“, bekommt sie zu hören. Ein paar Stationen weiter ertönen laute Juchzer. Wer kann die in einer Kiste gesammelten Tannenzapfen so weit und so hoch wie möglich durch eine Holzwand mit kreisrunden Löchern werfen? Je nach erreichter Höhe gibt es unterschiedliche Punktzahlen. „Ich habe 350 Punkte“, freut sich ein Junge. Auf dem Walderlebnispfad kann sogar Kopfrechnen geübt und gezeigt werden, wie sportlich man ist. „Ich bin so weit gesprungen wie ein Hase“, erzählt Marlon stolz.
Der Barfußpfad kommt besonders gut an
Begeisterung auch beim Barfußpfad. „Der hat mir am besten gefallen“, sagt Mila, und ihre jüngere Schwester Ella nickt bekräftigend. „Mir hat alles am besten gefallen“, ruft Clara dazwischen. Der Barfußpfad ist an der großen Spielstation zu finden, wo man auch Memory spielen, Baumscheiben so weit wie möglich kullern lassen oder mit der Waldfee Wichtel basteln kann. Ein paar der lustigen kleinen Gesellen haben ihre vorbereiteten Häuser schon bezogen und ein breites Lächeln im Holzgesicht.
Das Lächeln würde ihnen wahrscheinlich vergehen, wenn sie auf einen der unbeliebten Waldbewohner träfen. Das so harmlos klingende Maultäschle etwa – „Maskus nixkuss“ –, das 450 Jahre lang den Wald verunstaltet, oder der Weiße Rotzling namens „Popel schnupfus alba“, der bis zu fünf Jahre lang überdauert. So lernen die Kinder auch gleich spielerisch, dass man im Wald nichts wegwerfen, sondern alles wieder mit nach Hause nehmen soll. Und auch Erwachsene staunen, dass selbst eine Bananenschale – „Rutschus bananicum“ – viele Jahre zum Verwittern braucht und im Wald nichts zu suchen hat. Gemeinsames Raten an anderen Stellen: Welches Tier ist wohl das schwerste? Der Fuchs, der Dachs oder doch der Uhu? Und wem gehört der hundeartige Pfotenabdruck mit den langen Krallen? Gar einem Wolf? Nein, einem Dachs.
An den größeren Stationen laden hübsch bemalte Baumstümpfe zum Sitzen ein. Am Anfang des Molly-Pfads hängt an einem Baum bei den Sitzklötzen sogar ein Kasten, in dem laminierte Märchentexte zum Vorlesen zu finden sind. Denn die Schwäbische Waldfee war nur zur Eröffnung mit dabei. Aber wozu gibt es Eltern und Großeltern?
Es kann gut sein, dass der Walderlebnispfad im nächsten Jahr ein wenig anders aussieht. Die Kinder, die den Pfad besuchen, dürfen nämlich auch Vorschläge für weitere Stationen machen.
Der Molly-Walderlebnispfad im Kirchberger Wald
Wo ist er zu finden?
Der Pfad startet unterhalb des Fußballplatzes bei der Vereinsgaststätte Waldheim in der Backnanger Straße 99.
Wie lang ist er in Betrieb?
Die 21 verschiedenen Stationen sind bis zum Ende der Sommerferien aufgebaut. Nächstes Jahr wird er – so die Planung – in den Pfingstferien und ebenfalls wieder in den Sommerferien zu besuchen sein. Ehrenamtliche des Vereins Steckenpferd kümmern sich darum, dass alles in Ordnung ist und alle Stationen genutzt werden können.
Für wen ist er geeignet?
Für Kinder jeden Alters, doch auch Erwachsene haben ihren Spaß und können einiges lernen. Der größte Teil des Wegs ist geschottert und auch mit Kinderwagen zu befahren; eine entsprechende Beschilderung weist darauf hin.