Auf neuer Route zieht der Regenbogen am Samstag durch Stuttgart. Die Rettungsdienste hatten Bedenken gegen die alte, nun zu enge Strecke, da der CSD mit 131 Formationen so groß wird wie nie zuvor. Wer fährt zum ersten Mal mit?
Wer sich bisher am Marienplatz oder an der Tübinger Straße verabredet hat, um die Parade mit Freundinnen und Freunden gemeinsam zu erleben, sollte unbedingt wissen: Der CSD 2023 ist nicht „the same procedure as every year“, nicht die gleiche Prozedur wie jedes Jahr. Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei baten die Veranstalter darum, angesichts des großen Andrangs – in diesem Jahr werden laut der ehrenamtlichen Interessengemeinschaft CSD bis zu 500 000 Besuchende erwartet – auf einer neuen, breiteren Route zur Planie zu ziehen.
Start ist um 15 Uhr unterhalb des Feuersees
Die 131 Formationen – das ist Rekord in der Geschichte des Stuttgarter CSD (vor einem Jahr waren es 100) – stellen sich am kommenden Samstag, 29. Juli, erstmals auf der Schwab- und der Rotebühlstraße auf (von 12 Uhr an). Start ist um 15 Uhr unterhalb des Feuersees. Über den Rotebühlplatz, die Eberhardstraße, die Marktstraße, vorbei am CSD-Straßenfest auf dem Marktplatz, bis hin zur Münzstraße und zum Karlsplatz zieht die Demonstration. Vom Karlsplatz geht es dann auf die Planie zur Abschlusskundgebung, wo gegen 18.30 Uhr unter anderem die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken als CSD-Schirmfrau, CSD-Sprecher Detlef Raasch sowie die Clublegende und queere Aktivistin Laura Haldig-Hoppenheit sprechen werden.
In Berlin fuhr der Regierende CDU-Bürgermeister mit – Nopper will nicht
Die Strecke ist kürzer als sonst – aber es gibt noch mehr zu sehen als bisher. Die ganze City wird zur Party. Während am vergangenen Samstag beim CSD in Berlin der Regierende Bürgermeister Kai Wegner von der CDU auf einem Truck stand und eine Ergänzung des Grundgesetzes für queere Menschen gefordert hat, hat sein Partei- und Amtskollege Frank Nopper der Parade in Stuttgart erneut eine Absage erteilt.
Für den Rathauschef gibt es am Samstag gleich drei Wagen, auf die er gut passen würde: die CDU, seine Partei, startet mit Nummer 57, die Host City Stuttgart der Fußball-EM 2024 (mit auf dem Truck: Botschafter Niko Kappel) wirbt als 68. Formation für das große Fanfest in einem Jahr, das OB ein wichtiges Anliegen ist. Aus dem Plan, mit dem roten City-Bus zu fahren, wurde allerdings nichts – die Uefa-Verantwortlichen hatten andere Vorstellungen. Schließlich reiht sich die Stadtverwaltung mit einer Fußgruppe (Startnummer 90) und einem Lastwagen (91) in die große Demo gegen Homophobie und Hasskriminalität gegen queere Menschen und für gleiche Rechte ein. Motto der Parade: „Nicht mit uns!“
Die 131 Formationen repräsentieren einen großen Querschnitt der Stuttgarter Stadtgesellschaft. Mit Ausnahme der AfD sind die großen Parteien vertreten. Während CDU, FDP und Freie Wähler auf einem Truck unterwegs sind, die SPD mit einem PKW, haben sich Grüne und die Linke aus ökologischen Gründen für Fußgruppen entschieden. Auch die Tierschutzpartei sowie die Partei beteiligen sich an der Parade.
Neu auf Trucks im Demozug sind: Hitradio Antenne 1 (Startnummer 17), Breuninger (auf der 28), der VfB Stuttgart mit dem Fanclub Stuttgarter Junxx (als 36. Gruppe), der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (auf der 59), die Outletcity Metzingen (Nummer 65), in.Stuttgart mit der Fußball-EM (68), die Deutsche Bahn (88). Wieder mit dabei sind unter anderem Mercedes, Porsche, Bosch, die Staatstheater, die Stuttgarter Straßenbahn AG, die Allianz, die EnBW, Hewlett Packard, das Verkehrsministerium Baden-Württemberg und viele andere.
Am Samstag und Sonntag finden traditionell zum Christopher Street Day das Straßenfest und die Infomeile mit Bühnenprogramm auf dem Markt- und Karlsplatz statt. Die Sicherheitsmaßnahmen werden in diesem Jahr deutlich erhöht, auch beim Heimweg sollen alle sicher sein. Detlef Raasch, der Sprecher des CSD, bedankt sich ausdrücklich bei der Polizei für die gute Zusammenarbeit.