Auch ein W Foto: Museum - Museum

In der neuen Sonderausstellung im Ellwanger Alamannen-Museum dreht sich alles um die Textilerzeugung bei den Alamannen.

EllwangenIch habe nichts anzuziehen!“ Gemeint ist damit aber nicht, dass man nackt herumlaufen muss. Heute ist das genaue Gegenteil der Fall: die Fülle an Kleidung, die im Schrank hängt, ist so umfangreich, dass einem die Auswahl schwerfällt. Ganz anders sah es zu Zeiten der Alamannen aus. Die Alamannen waren eine antike und frühmittelalterliche Bevölkerungsgruppe, die dem westgermanischen Kulturkreis zugeordnet wird. Das Alamannenmuseum in Ellwangen hat sich mit der Sonderausstellung „Gut betucht – Textilerzeugung bei den Alamannen“ der Thematik angenommen.

Seit der Mensch begonnen hat, Kleidung zu tragen, spielt nicht nur die Schutzfunktion eine Rolle, sehr schnell kam auch ästhetische Aspekte hinzu. Aber erst mit der Herstellung von Garn aus einzelnen Fasern und deren Weiterverarbeitung zu Textilien bestand die Möglichkeit, das Aussehen selbst zu bestimmen. Seit dieser Zeit haben sich die Arbeitsschritte nicht wesentlich verändert. Nur übernehmen heute Maschinen, was Jahrtausende lang mühevolle Handarbeit war. Erst durch die Industrialisierung der Textilproduktion ist die für uns heute selbstverständliche große Auswahl an Kleidungsstücken möglich geworden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen neue Erkenntnisse der Textilarchäologie. Wolle und Leinen waren die damals hauptsächlich zur Verfügung stehenden Materialien. Anhand von archäologischen Funden werden in der Ausstellung die einzelnen Schritte vom Schaf zum fertigen Mantel nachvollziehbar. Doch die Herstellung von Leinenstoffen war noch viel aufwendiger.

Im Gebiet der Alamannen haben sich Textilien nur schlecht erhalten. Deshalb zeigt die Ausstellung Repliken ausgewählter Beispiele. Etwas Besonderes stellt die Installation der Grablege einer vornehmen Dame aus Lauchheim dar: Sie zeigt, in welcher Kleidung und mit welchen Textilbeigaben die Tote bestattet wurde. Die Ausstellung zeigt auch den Arbeitsaufwand, der mit der Herstellung eines einzigen Kleidungsstückes verbunden ist. Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind also keine Erfindung unserer Zeit.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 7. Oktober Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 3,50/2,50 Euro, eine Familienkarte 8 Euro. red

www.alamannenmuseum-ellwangen.de

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