Unbekannte haben an der Gänsheide mehrere Mauern beschmiert. Die Sprayer haben sich offenbar gezielt Gebäude des evangelischen Oberkirchenrates ausgesucht. Die Polizei sucht Zeugen.
Egal ob an Fassaden, Briefkästen oder Parkscheinautomaten – quasi an jeder zweiten Ecke in Stuttgart-Ost haben Unbekannte in den vergangenen Wochen ein und dasselbe Motiv gesprüht: eine geöffnete Sicherheitsnadel, die allgemein als Symbol für Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Solidarität mit Minderheiten gilt. In der Gerokstraße im Stadtteil Gänsheide sind nun neue Graffiti aufgetaucht. „10 000 Ratten“ ist an vier Mauern zu lesen. Alle begrenzen Grundstücke des evangelischen Oberkirchenrates. Ein schwarzer Pfeil, der über einer der Schmierereien steht und auf ein Adressschild zeigt, suggeriert, dass sie ganz gezielt angebracht worden sind.
Kein biblischer Zusammenhang erkennbar
Ratlos lassen die Graffiti Kirchenrat Dan Peter zurück. „Wir sind nicht nur verärgert über diese Schmiererei, sondern auch verwundert.“ Man könne sich bisher auf den Ausdruck „10 000 Ratten“ keinen Reim machen. „Und auch keinen Zusammenhang oder gar einen symbolischen oder biblischen Bezug darin erkennen. Meines Wissens kommt das Wort Ratten in der Bibel nur ein Mal vor (Jesaja 2,20) und da in einem für diesen Schriftzug eher fernliegenden Zusammenhang“, so der Ratssprecher.
Dort heißt es: „An jenem Tage wird jedermann wegwerfen seine silbernen und goldenen Götzen, die er sich hatte machen lassen, um sich vor Mäusen und Fledermäusen niederzuwerfen.“ Je nach sinngemäßer Übersetzung, die stark variieren, ist hier auch von Ratten die Rede. Gleiches gilt auch für das Buch Levitikus (11,29), dort werden auch Nager erwähnt: „Unter dem Kleingetier, das auf dem Boden kriecht, sollt ihr für unrein halten den Maulwurf, die Maus und die verschiedenen Arten der Eidechsen. Wer sie berührt, nachdem sie verendet sind, ist bis zum Abend unrein.“
„Selbstverständlich bringen wir solche unschönen Graffiti immer zur Anzeige“, dagt Dan Peter. Über einen möglichen Ermittlungserfolg möchte er nicht spekulieren. Die wenigen aufgeklärten, vergleichbaren Fälle habe man auf Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Jugendliche oder Menschen mit psychischen Problemstellungen zurückführen können. „Diese Schmiererei lässt aber keine direkten Rückschlüsse zu.“
Die Schadenshöhe ist noch unklar. Sie hängt davon ab, wie sich die Farbe von den verschiedenen Mauern entfernen lässt. Die Polizei hat die Ermittlungen übernommen. Sie nehmen unter der Telefonnummer 07 11/ 89 90 – 35 00 Zeugenhinweise entgegen.