Wenn Kinder scheinbar überlegene Erwachsene mal locker um den Finger wickeln, bürgt das im Kino meist für viel Vergnügen. Peter Segal folgt dem vertrauten Muster in seiner neuen Actionkomödie „Der Spion von nebenan“, doch er gewinnt ihm auch überraschende neue Seiten ab.
Esslingen - Mit Filmen wie „Die nackte Kanone 33 1/3“, „Die Wutprobe“, „Manhattan Queen“ oder „Get Smart” hat sich der Regisseur Peter Segal als Meister der guten Kinounterhaltung erwiesen. Seine Komödien sorgen für viel Vergnügen, und sie lassen die Kassen klingeln: Mehr als eine Milliarde Dollar sollen Segals Filme bereits eingespielt haben. Und sein jüngster Streifen könnte die Erfolgsstory nahtlos fortsetzen. Verdient hätte er es jedenfalls, denn die Krimikomödie „Der Spion von nebenan“ vereint Action, Spannung und Humor auf sehr gelungene Weise. Dabei sind die Zutaten gar nicht mal so ungewöhnlich: Kinder, die den Erwachsenen mal so richtig zeigen, wo es langgeht, sieht man nicht zum ersten Mal auf der Leinwand. Doch Peter Segal versteht es, eine vertraute Konstellation mit originellen Einfällen, temporeichen Verfolgungsjagden, frechen Dialogen und witzigen Anspielungen auf bekannte Kinoerfolge so aufzupeppen, dass man sich rund 100 Minuten lang köstlich amüsieren kann.
Früher war JJ (Dave Bautista) als Elitesoldat an allen Brennpunkten dieser Welt im Einsatz – nun hat er bei der CIA angeheuert. Doch mit seinem Haudrauf-Stil tappt er in der Welt der Geheimdienste allzu häufig ins Fettnäpfchen. Sein Boss David Kim (Ken Jeong) würde ihn lieber heute als morgen loswerden, doch er gibt ihm in Erinnerung an frühere Verdienste eine letzte Chance, die nicht mal JJ vermasseln kann. Eigentlich ... Zusammen mit seiner nerdig-nervigen Kollegin Bobbi (Kristen Schaal) soll JJ in Chicago die Wohnung der jungen Witwe Kate (Parisa Fitz-Henley) überwachen, deren Schwager Viktor Marquez (Greg Bryk) ein ganz schlimmer Finger ist. Die CIA ist sicher, dass Viktor früher oder später mit Kate Kontakt aufnehmen wird, weil die noch etwas hat, das der Supergangster unbedingt haben möchte.
JJ und Bobbi beziehen eine Wohnung gleich nebenan, verwanzen Kates Appartement und überwachen den Alltag der jungen Witwe minutiös. Womit sie nicht gerechnet haben: Plötzlich steht Kates neunjährige Tochter Sophie (Chloe Coleman) auf der Matte und enttarnt JJ. Fortan wickelt sie das Muskelpaket mit Witz und Charme um den Finger – wenn er nicht spurt, reicht ein Hinweis auf die eine oder andere peinliche Aufnahme, die sie jederzeit ins Netz und JJ damit bloßstellen könnte. Und genau das will er zuallerletzt, schließlich mag er sich vor Kate keinesfalls blamieren. So muss der grobschlächtige Geheimagent die clevere Göre nicht nur auf die Eisbahn oder zum Elterntag in die Schule begleiten – Sophie zwingt ihn auch noch, sie zur Nachwuchs-Agentin auszubilden. Und was JJ anfangs ziemlich gegen den Strich geht, erweist sich später als Glücksfall. Denn da gibt es ja auch noch den finsteren Viktor ...
Auch wenn das Strickmuster von Peter Segals neuer Actionkomödie hinlänglich bekannt ist, macht „Der Spion von nebenan“ so richtig Laune. Das liegt vor allem an den beiden ungleichen Protagonisten, die auf ganz wunderbare Weise harmonieren: Hier die pfiffige Sophie, die mit ihren neun Jährchen schon ganz genau weiß, was sie will und wie sie es bekommt. Und da der grobschlächtige JJ, der normalerweise keinen Gegner scheut, doch bei einem Kind – zumal einem mit derart entwaffnendem Charme – mit seinem Latein am Ende ist.
Die kleine Chloe Coleman ist wie geschaffen für diese Rolle, und man nimmt ihr Sophies unerschütterliches Selbstbewusstsein nur zu gerne ab. Und da der massige Ex-Wrestler Dave Bautista, der nicht zum ersten Mal beweist, dass er nicht nur der derbe Haudrauf ist, den man auf den ersten Blick in ihm sehen könnte: Der gute Mann beherrscht durchaus auch feinere Nuancen. Genau wie Peter Segal, der die Balance zwischen Action, Komödie, Jux und zärtlichen Gefühlen geschickt austariert. Und der für versiertere Kino-Fans auch das eine oder andere Zitat bereithält, das einem ein wissendes Lächeln aufs Gesicht zu zaubern vermag.
Actionstreifen, Familienkomödie, Agentengeschichte, Krimi und ein bisschen was fürs Herz – Peter Segals neuer Film hat von allem etwas. Und er verspricht nicht zuletzt dank zweier denkbar gegensätzlicher und doch brillant harmonierender Hauptdarsteller einen höchst unterhaltsamen Kinoabend.