Weil während der Corona-Krise die Filmtheater geschlossen bleiben, bleibt nur der Weg ins Heimkino. Keith Behrmans Teenager-Drama „Giant little Ones“ und Roland Emmerichs Helden-Epos „Midway“ machen Lust auf Filmgenuss zuhause.
Esslingen - Das waren noch Zeiten, als man Abend für Abend ins Kino gehen konnte – einfach so und ohne an Corona zu denken. Die Lichtspielhäuser sind inzwischen alle geschlossen, doch auf gute Filme braucht trotzdem keiner zu verzichten. Solange Corona wütet, gibt es Filmvergnügen eben im Heimkino. Die passenden Streifen sind auf DVD und Blu-ray erschienen.
Jungen Leuten fällt es oft schwer, das richtige Verhältnis zu ihrer Sexualität zu finden: Die Gefühle fahren Achterbahn – und längst nicht jedem gelingt es, sich zu ihnen zu bekennen. Vor allem dann, wenn man sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Eigentlich sollte das heute eine ganz selbstverständliche Option sein, doch manchmal ist der gesellschaftliche Druck stärker. In Kanada gibt es die „It gets better“-Kampagne, die jungen Leuten Mut macht, sich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Dass solche Aktionen nötig sind, zeigte vor einigen Jahren eine Reihe von Selbstmorden unter kanadischen Teenagern, die dem Druck nicht standzuhalten vermochten. Ihr Schicksal hat Keith Behrman zu dem berührenden Kino-Drama „Giant little Ones“ inspiriert, das hierzulande nur auf DVD erschienen ist (Eurovideo). Franky (Josh Wiggins) und Ballas (Darren Mann) sind tolle Schwimmer und die besten Freunde. Kein Wunder, dass die beiden bei den Mädels einen ziemlichen Stein im Brett haben – mit Priscilla (Hailie Kittle) hat sich Franky das heißeste Mädchen der Schule geangelt. Doch ausgerechnet an Frankys Geburtstag kommen sich die beiden Jungs auch sexuell näher. Hinterher kommt Ballas damit nicht klar und macht Franky für alles verantwortlich. Der streitet es konsequent ab, schwul zu sein, und er weiß nicht, wie ihm geschieht, als er hinterher erst zum Gespött und dann zum Mobbing-Opfer der ganzen Schule wird. Doch er vermag sich keinem richtig anzuvertrauen – und keiner steht ihm in dieser bedrängenden Situation zur Seite. Und plötzlich kommen in Franky schmerzliche Erinnerungen an seine Kindheit wieder hoch: Vor vielen Jahren hatte sein Vater Ray (Kyle MacLachlan) die Familie verlassen, weil er nicht länger mit Frankys Mutter Carly (Maria Bello) und dem gemeinsamen Sohn, sondern lieber mit einem Mann zusammen sein wollte. Keith Behrman erzählt diese Coming-of-Age-Geschichte einfühlsam und mit großem Verständnis für die Nöte junger Menschen, die mit ihren Gefühlen klarkommen und sich gegen allerlei Konventionen behaupten müssen. „Giant little Ones“ erzählt die Geschichte mit leichter Hand und bemerkenswerter Ernsthaftigkeit. Ein ganz starker Film, der einen Kinostart verdient gehabt hätte.
Roland Emmerichs „Midway – Für die Freiheit“ hat es locker auf die Leinwand geschafft – kein Wunder, schließlich lässt der schwäbische Blockbuster-Spezialist in Hollywood die Kassen klingeln. Diesmal hat er sich ein Stück amerikanischer Geschichte vorgenommen: die Schlacht um Midway. Mit ihrem Überraschungsangriff auf den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbour hatten die Piloten der Kaiserlich Japanischen Marine im Dezember 1941 den Amerikanern eine schwere Niederlage zugefügt – ein Trauma, das bis heute nachwirkt. In solchen Momenten wurden seit jeher Helden geboren oder gemacht – Männer wie der US-Pilot Dick Best (Ed Skrein), der alles zu tun bereit war, um die Schmach von Pearl Harbour zu tilgen. Gelegenheit dazu sollte sich schon bald bieten, denn beim militärischen US-Geheimdienst zeichnete sich nur wenige Monate später der nächste japanische Überraschungsangriff ab: Dem Geheimdienst-Offizier Edwin Layton (Patrick Wilson) gelang es, seine Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass ein Angriff auf den US-Stützpunkt auf den Midway-Inseln bevorstand – sollte den Japanern dieser Coup gelingen, wäre eine wichtige Bastion auf dem Weg an die Westküste der USA gefallen. So erhielt Admiral Nimitz (Woody Harrelson) die Order, den Japanern eine Falle zu stellen und dem Pazifik-Krieg eine entscheidende Wendung zu geben. Roland Emmerich setzt mit diesem Film Männern wie Dick Best und Edwin Layton ein filmisches Denkmal: „Ich bin begeistert davon, dass wir diese Geschichte tatsächlich erzählen können, denn junge Menschen wissen heute manchmal nicht mehr, wer für ihre Freiheit gekämpft hat. Ich glaube, dass unsere Welt ohne diese Generation, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, ganz anders aussehen würde.“ Deshalb durfte Emmerich diesem actionreich und effektvoll in Szene gesetzten Film, der nun bei Leonine auf DVD und Blu-ray erschienen ist, auch eine Extra-Portion Pathos spendieren.