Erst am Montag haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin gesetzgeberische Auflagen für die Fleischindustrie gefordert. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Die Corona-Infektionen in Schlachthöfen sind nur der äußere Anlass gewesen. Es hätte schon viel früher strengere Auflagen für die Fleischindustrie geben müssen – die SPD hat die Gunst der Stunde genutzt, meint unser Berliner Korrespondent Christopher Ziedler.

Berlin - Zu den Vorzeigebranchen gehört die Fleischindustrie trotz satter Umsätze nicht. Dass immer mehr in Deutschland geschlachtete Schweine in ihren Einzelteilen auf Tellern in China landen, mag vordergründig eine erstaunliche Erfolgsgeschichte der Globalisierung sein – erkauft jedoch wurde sie mit einer Abkehr vom Prinzip der sozialen Marktwirtschaft. Schon vor Jahren beschwerten sich die Nachbarstaaten über Dumpingpreise deutscher Schlachthöfe, ehe die Einführung des Mindestlohns den Ärger im Ausland abflauen ließ. Anständige Bedingungen herrschen in den Fleischfabriken aber noch lange nicht, wie der Öffentlichkeit im Zuge der Corona-Pandemie vor Augen geführt worden ist: Arbeiter von Subunternehmen aus Osteuropa leben eng zusammengepfercht, bis sie an den nächsten Betrieb verliehen werden. Zu diesem „Schweinesystem“ gehört auch, dass die Fleischbarone vor Ort kaum Kontrollen zu befürchten haben.

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