Der Kreis Esslingen wird im Frühjahr 2026 um eine touristische Attraktion reicher. Klein, aber fein ist der neue Aussichtsturm am Oberboihinger Rundwanderweg.
Der in die Jahre gekommene Wanderweg rund um Oberboihingen soll zu einem Erlebnisweg mit fünf Infostationen aufgewertet werden. Geplant ist auch eine neue Attraktion in der Nähe des Hofguts Tachenhausen: Dort wird ein knapp zehn Meter hoher Aussichtsturm errichtet, der „einen überwältigenden Blick auf eine wunderschöne Landschaft bieten wird“, schwärmt Bürgermeister Ulrich Spangenberg und kündigt an: „Ende März, Anfang April nächsten Jahres feiern wir die Eröffnung.“
11,5 Kilometer lang ist die im Jahr 2002 angelegte Runde, die beim Oberboihinger Sportplatz startet und durch eine abwechslungsreiche Landschaft führt. Am Neckar entlang, an Feldern vorbei durch Wald und Streuobstwiesen bietet sich so manch reizvoller Ausblick auf die Burgen Teck und Hohenneuffen, auf Jusi, Achalm, Filder, Neckartal, Schurwald und ganz besonders auf die Silhouette des Albtraufs, der Eduard Mörike in seinem Märchen vom Stuttgarter Hutzelmännlein ein literarisches Denkmal gesetzt hat.
Kritik an Mörike-Namensgebung für neuen Aussichtsturm
Aus jenem Grund hatte die mit der Neukonzeption des Rundweges beauftragte Werbeagentur den Vorschlag unterbreitet, den Turm nach dem bekannten Lyriker zu benennen. „Der Name passt gut“, findet der Bürgermeister – und erntet dafür Kritik. So mancher Bewohner der kleinen Gemeinde stößt sich am mangelnden Ortsbezug. Sein Amt als Vikar hatte Mörike 1826 zwar auch nach Oberboihingen geführt, sein Aufenthalt währte aber nur ein paar Tage.
„Der Turm ist ein außergewöhnliches Projekt, das der Gemeinde langfristig zugutekommt.
Ulrich Spangenberg, Bürgermeister
Den Bau des Aussichtsturms hatte der Gemeinderat im Mai dieses Jahres mehrheitlich beschlossen. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 258 000 Euro. Die Arbeiten sind inzwischen auch vergeben, den Zuschlag erhielt eine Oberboihinger Fachfirma. Einen genauen Termin für den Baustart gibt es nicht, informiert Ulrich Spangenberg. Der Turm aus Holz und Edelstahldrahtseilen sei aber schnell aufgebaut. „Er ist ja nicht sehr groß.“ Der Entwurf stammt von der ortsansässigen Architektin Sandra Janke. Besucher gelangen über Treppen auf drei kleine Plattformen in 1,50 Metern, vier Metern und 6,50 Metern Höhe.
Infotafeln und QR-Codes: Wissen am Wegesrand entdecken
Erstellt werden derzeit noch die wetterfesten Infotafeln für die fünf geplanten Stationen am Wegesrand. An der Hummelschen Mühle, am Sinnesgarten von Leben inklusiv, am Kaltluftstall der Landwirtsfamilie Beck, am Allmerbrünnele und am Mörike-Aussichtsturm beim Tachenhäuser Hof werden die Wanderer etwas über Natur, Kultur und Geschichte erfahren. Wer dann noch mehr wissen will, erhält über einen QR-Code detaillierte Informationen.
Der neue Rundwanderweg mit dem frei zugänglichen Mörike-Aussichtsturm als Highlight soll zum Anziehungspunkt für Familien, Schulklassen und Wandergruppen werden. Die rund 5600 Einwohner zählende Gemeinde sieht darin die Chance, nicht nur für Einheimische attraktiver zu werden, sondern auch den „sanften Tourismus“ anzukurbeln. Mit Gesamtkosten von rund 341 000 Euro ist das Projekt zwar teuer, räumt Oberboihingens Bürgermeister ein. Spangenberg betont aber: „Der Turm ist ein außergewöhnliches Projekt, das der Gemeinde langfristig zugutekommt.“
Und nicht zuletzt unterstützt die Region Stuttgart das Vorhaben mit einem Zuschuss in Höhe von 157 000 Euro. Oberboihingen ist eines von 17 Projekten, die im Jahr 2024 in die Förderung für die Weiterentwicklung des Landschaftsparks Neckar aufgenommen worden.