Die Veränderungen am Bebauungsplan nördlich und südlich der Bunsenstraße in Leinfelden-Echterdingen gehen manchen Nachbarn nicht weit genug. Sie erheben schwere Vorwürfe.
Seit dem Bekanntwerden der Pläne für eine Neubebauung auf zwei großen Grundstücken in Musberg kochen die Emotionen hoch. Es gibt in der Nachbarschaft Sorgen – unter anderem wegen der geplanten Höhe der neuen Gebäude.
Am vergangenen Donnerstag machten mehrere Menschen während eines Informationsabends der Stadt in der Filderhalle ihrem Ärger Luft. Eine vorangegangene Reduzierung der Stockwerke in den Plänen geht vielen nicht weit genug. Die Einwände wurden schriftlich festgehalten. Sie sollen als formelle Stellungnahmen in den weiteren Prozess einfließen.
In der Filderhalle äußerten die Anwohner ihre Befürchtungen
Es ist vor allem der Schatten, welcher von den Häusern nördlich der Bunsenstraße auf die umliegenden Häuser geworfen wird, der bei den Nachbarn für Unmut sorgt. „Unsere Wohnungen werden skrupellos entwertet“, befürchtete eine Besucherin. Weitere Vorwürfe des Abends waren, dass die Stadt zu weit auf die Wünsche der Investoren – die Firma Strenger im nördlichen, das Unternehmen BPD im südlichen Baufeld – zugeht. Auch das Zulassen von technischen Anlagen auf den Dächern sorgte für Kritik. Lüftungen oder Wärmepumpen könnten Lärm verursachen. „Das haben wir direkt vor der Nase“, ärgerte sich ein Besucher. Mit der Technik seien es am Ende also acht Stockwerke, errechnete ein weiterer Gast. Die Wünsche der Anwohner fänden zu wenig Berücksichtigung.
Zum Thema Verschattung wurde ein Gutachten von der Stadt in Auftrag gegeben. Dieses kommt zum Ergebnis, dass manche Wohnungen im Umfeld durch den Neubau weniger Sonnenstunden abbekämen. Allerdings wären die Veränderungen aus Sicht des Gutachtens nicht so gravierend, als dass sie der geplanten Bebauung im Weg stünden. Die ermittelten Werte seien im gesetzlichen Rahmen, erklärte der Diplom-Geograf Torsten Nagel vom Büro Lohmeyer. Auch die Abstände der Neubauten zu den Nachbargebäuden, wie sie in der Landesbauordnung vorgeschrieben seien, würden eingehalten. Nichtsdestotrotz kündigten manche Besucher bereits am Abend an, sich anwaltlich beraten lassen zu wollen, wie sie vor Gericht gegen die Pläne vorgehen könnten.
Leinfelden-Echterdingen braucht neuen Wohnraum
Der Bürgermeister Benjamin Dihm und Planungsamtsleiter Philipp Schwarz erläuterten die Pläne und betonten, dass neuer Wohnraum in der Stadt benötigt werde. Im Baufeld Nord sollen rund 95 Wohnungen in Gebäuden mit drei bis sieben Stockwerken (sechs Vollstockwerke und ein Staffelgeschoss) gebaut werden. Im südlichen Baufeld sollen acht Häuser mit drei bis fünf Stockwerken und rund 129 Wohnungen gebaut werden. Mindestens 20 Prozent der neuen Wohnungen sollen geförderter Wohnraum sein. Zwischen 500 und 600 Menschen könnten einmal insgesamt in den neuen Wohnungen leben.
Aus Sicht der Verwaltung und der Mehrheit im Gemeinderat haben die Pläne mehrere Vorteile. Einerseits sind die Baufelder bereits heute bebaut. Es muss keine Freifläche neu versiegelt werden. Hinzu kommt, dass statt Gewerbe ein Wohngebiet ausgewiesen wird. „Es wäre nicht gut gewesen, wenn dort wieder Gewerbe hingekommen wäre“, ist sich der Planungsamtsleiter Schwarz sicher. Vorhandene Unternehmen hätten ihren Wegzug verkündet. Wären die Grundstücke weiter für Gewerbe genutzt worden, hätten höhere Lärmgrenzwerte gegolten als bei dem nun geplanten Wohngebiet.
Dass die Stadt auch die Wünsche der Investoren berücksichtigen müsse, bestätigte Planungsamtsleiter Schwarz. Der Verkauf von neuen Wohnungen sei zuletzt schwierig gewesen. Der Neubau müsse sich am Ende auch lohnen. Dafür müsse aber eine bestimmte Anzahl an Wohnungen auf der bestehenden Fläche gebaut werden. „Sonst passiert da gar nichts“, befürchtete Schwarz.
In diesem Zusammenhang wurde der Vorwurf laut, dass in dem Neubaugebiet vor allem Wohnungen für Reiche gebaut würden. Mehr geförderte Wohnungen hätten aber mehr Wohnungen insgesamt zur Folge. Die Wohnungen, die auf dem freien Markt angeboten werden, ermöglichen das Angebot der rund 44 günstigeren Wohnungen.
Was gerade passiert zur Bunsenstraße
Verfahren
Momentan läuft das Bebauungsplanverfahren. Die Unterlagen dazu sind öffentlich einsehbar – auch online über die Seiten der Stadt. Ende der Auslegungsfrist ist am Freitag, 5. Dezember.
Stellungnahmen
Noch bis zum 5. Dezember können von jedermann Stellungnahmen zu den Plänen abgegeben werden. Die Stellungnahmen werden anschließend vom Rathaus bewertet. Sie fließen schriftlich in den weiteren Entscheidungsprozess ein. Die Stellungnahmen können entweder per Brief an das Planungsamt der Stadt, Bernhäuser Straße 11, in 70771 Leinfelden-Echterdingen oder per E-Mail an: s.schkoelziger@le-mail.de geschickt werden. Am Ende des Verfahrens entscheidet der Gemeinderat, wie mit den Stellungnahmen umgegangen wird, ob der Plan vielleicht noch geändert werden soll. Stimmt der Gemeinderat den Plänen zu, fasst er den sogenannten Satzungsbeschluss. Danach kann ein Bauantrag gestellt werden.