Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen. Über dem Rohbau der Amalien-Residenz hängt die Richtkrone. Foto: Katja Eisenhardt - Katja Eisenhardt

Die Evangelische Heimstiftung baut in Hochdorf Pflegewohnungen, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft und eine Tagespflege für 13 Millionen Euro. Der Rohbau ist nun fertig.

HochdorfAuf dem Breitwiesenareal geht es zügig voran: Nach der Grundsteinlegung im April ist nun an der „Amalien-Residenz“ der Evangelischen Heimstiftung (EHS) Richtfest gefeiert worden. Zahlreiche Hochdorfer waren gekommen und verschafften sich einen Eindruck vom fertig gestellten Rohbau. Direkt neben Festplatz, Breitwiesenhalle und Grundschule baut die EHS im geografischen Zentrum Hochdorfs nach ihrem WohnenPlus-Konzept.

Mehr als 13 Millionen Euro investiert die EHS in die Amalien-Residenz. Zuschüsse gibt es von der Deutschen Fernsehlotterie für den Bau der ambulanten Wohngemeinschaft in Höhe von 300. 000 Euro. Weitere 251. 000 Euro fließen aus Mitteln des Landes für den Bau der Tagespflege. Der Name der Residenz wurde in einem Bürgerwettbewerb entschieden. Er geht auf Amalie Hauser zurück, die zwischen 1960 und 1985 Gemeindeschwester in Hochdorf war.

40 barrierefreie Pflegewohnungen mit Balkon oder Terrasse – zehn davon für zwei Personen, 30 für die Einzelbelegung –, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für zwölf Bewohner, eine Tagespflege mit 15 Plätzen, die von den Mobilen Diensten der EHS betrieben wird, sowie eine Schulmensa für die gegenüberliegende Grundschule sind hier künftig in einem Gebäudekomplex untergebracht. Die Wohnungen sind 37 bis 55 Quadratmeter groß, teilmöbliert und barrierefrei. Zusätzlich sind sie mit dem Assistenzsystem Aladien ausgestattet. Das steht für „Alltagsunterstützende Assistenzsysteme mit Dienstleistungen“ und wurde von der EHS speziell für Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf entwickelt. Gesteuert wird es über ein seniorengerechtes Tablet, enthalten ist etwa ein Hausnotruf mit Lebenszeichenkontrolle. Je nach Pflege- und Betreuungsbedarf können im WohnenPlus-Konzept Leistungen individuell kombiniert werden mit dem Ziel, so lange wie möglich selbstbestimmt in der gewohnten Umgebung leben zu können.

Erste Interessenten gebe es bereits, berichtete Karin Stiebler, Regionaldirektorin der EHS. Ab sofort können Vorverträge, im Herbst kommenden Jahres dann die Mietverträge abgeschlossen werden. Mitte Januar 2021 sollen die ersten Bewohner in die Amalien-Residenz einziehen, erläuterte Stiebler den Zeitplan. Der Bau schreite sehr gut voran, das Richtfest erfolgte gut sechs Wochen vor dem ursprünglichen Zeitplan. Im Laufe des kommenden Jahres werde es immer wieder die Möglichkeit zur Baustellenbesichtigung geben.

Rund 30 regionale Unternehmen seien an der Entstehung der Amalien-Residenz beteiligt, berichtete Uli Kälberer, Geschäftsführer der Gottlob Rommel Bauunternehmung Stuttgart, die der Generalunternehmer ist. „18 .000 Arbeitsstunden stecken im letzten halben Jahr seit der Grundsteinlegung. Dabei wurden 7.500 Tonnen Beton und 320 Tonnen Stahl verbaut“, nannte er ein paar Zahlen zum Rohbau. Sehr zufrieden mit dem Baufortschritt zeigte sich Architekt Michael Kerker. Für die Projektsteuerung sind Peter Bonfert und Judith Heiligenmann-Sewald von der Stuttgarter Planungsgesellschaft HWP zuständig.

„Die Amalien-Residenz ist mit ihrem Konzept ein besonderes Haus und kein klassisches Pflegeheim“, erklärte Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der EHS. Im ambulanten Bereich biete die Einrichtung pflegebedürftigen Menschen eine hohe Versorgungssicherheit, gesellschaftliche Teilhabe und damit mehr Lebensqualität. „Ein ganz zentraler Aspekt ist, dass die Bewohner mit diesem Konzept die Verantwortung für ihr Leben nicht komplett abgeben“, sagte Schneider. Bürgermeister Gerhard Kuttler erinnerte an den misslungenen ersten Anlauf vor über zehn Jahren, als für diesen Standort eine Kombination aus Supermarkt und Pflegeheim vorgesehen war. „Die Frage damals lautete zusammengefasst: falsch oder richtig. Aus heutiger Sicht lautet die Antwort: weder noch. Wir können aber mit einem gewissen gemeinsamen Stolz sagen, seit damals haben wir sehr viel richtig gemacht“, meinte Kuttler.

Neben dem Gebäude der Pflegeeinrichtung inklusive Schulmensa ist südlich Richtung Roßwälder Straße ein Wohn- und Geschäftshaus samt Dorfplatz geplant. „Der Breitwiesenparkplatz wird zudem neu strukturiert und als Festplatz besser nutzbar, der Talbach soll erlebbar gestaltet werden“, fasste Kuttler die weiteren Schritte auf dem Areal zusammen.

Für den musikalischen Rahmen beim Richtfest sorgte der gemischte Chor des Gesangvereins Frohsinn Hochdorf. Das geistliche Wort sprach der katholische Pfarrer Thomas Vogel, den Richtspruch Zimmermeister Frieder Rapp.

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