Immer, wenn es regnet: Anna (Kristen Bell) glaubt, einen Mord beobachtet zu haben. Foto: Netflix/Colleen E. Hayes

Was taugt die neue Krimiserie mit dem Bandwurmtitel: „The Woman in the House across the Street from the Girl in the Window“, die am Freitag bei Netflix startet?

Stuttgart - Wir haben für Sie die Serie „The Woman in the House across the Street from the Girl in the Window“ getestet, die von diesem Freitag an bei Netflix zu sehen ist.

Die Story in drei Sätzen

Seit einer Familientragödie verbringt Anna (Kristen Bell) jeden Tag allein zu Hause damit, Rotwein zu trinken, Tabletten zu schlucken und Krimis wie „The Woman in the Window“ zu lesen. Als im Haus gegenüber der attraktive Witwer Neil mit seiner kleinen Tochter Emma einzieht, sieht es so aus, als ob Anna ihr Leben wieder in den Griff bekommen könnte – bis sie sich sicher ist, durchs Fenster im Nachbarhaus einen Mord beobachtet zu haben. Weil ihr die Polizei nicht glaubt, versucht Anna selbst, den Mörder zu überführen.

Wer ist der Star?

„The Woman in the House . . .“ ist eigentlich eine große Kristen-Bell-Show, die schon als Highschool-Detektivin in „Veronica Mars“ (2004–2007) grandios war. In der Comedyserie „The Good Place“ (2016–2020) spielte sie Eleanor, die nach ihrem Tod glaubt, im Himmel gelandet zu sein, tatsächlich aber in der Hölle schmort. Außerdem leiht sie in der Originalfassung von „Gossip Girl“ der Erzählerin, die man nie zu sehen bekommt, ihre Stimme.

Was soll das mit dem Titel?

Die Serie wagt einen Balanceakt zwischen Hommage und Parodie auf Mystery-Thriller wie A. J. Finns Roman „The Woman in the Window“, der einen Hype ausgelöst hat. In den Buchhandlungsregalen drängeln sich seither Krimis, die letztlich das „Fenster zum Hof“-Muster variieren, von nicht mehr ganz jungen Frauen erzählen, die Zeuginnen eines Mordes und selbst zu Ermittlerinnen werden, weil die Polizei ihnen nicht glaubt. „The Woman in the House . . .“ spielt mit den Versatzstücken des Genres und übertreibt dabei gerne maßlos.

Ist das komisch oder spannend?

Beides. Vorausgesetzt, man lässt sich auf den morbiden Humor der Serie ein – und stört sich nicht an grotesken Einfällen. Annas Trauma wurde zum Beispiel dadurch ausgelöst, dass ihr damaliger Mann, ein FBI-Psychologe, beim Bring-dein-Kind-mit-zur-Arbeit-Tag die Tochter dabei hatte, als er in einem Gefängnis einen kannibalischen Serienkiller befragen sollte.

Der Trailer zur Serie

Die Phobie des Tages

An dem schicksalhaften Tag vor drei Jahren regnete es in Strömen. Seither hat Anna panische Angst vor Regen. Immer wieder wird sie auf der Straße zusammenbrechen, nachdem sie von einem Schauer überrascht wurde. Pluvio­phobie nennt sich das.

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Requisit des Tages 1

Eine Kasserolle. Anne muss davon sehr viele im Schrank haben, gefühlt ein Dutzend geht im Verlauf der Serie zu Bruch. Und – Achtung, Spoiler – im Finale wird eine ihrer Kasserollen eine entscheidende Rolle spielen.

Requisit des Tages 2

Annas Weinkorkensammlung. Andere Trinker versuchen ihre Sucht zu verheimlichen – Anna stellt sie aus. Die große Glasschale voller Korken bildet das dekorative Zentrum ihrer Küche.

Bingewatch-Faktor

Anna trinkt nicht nur Unmengen an Rotwein, sondern nimmt auch Psychopharmaka. Das macht sie zu einer unzuverlässigen Erzählerin, der man nie so ganz traut. Ständig glaubt man neue Verdächtige zu entdecken – vorausgesetzt, Anna hat sich den Mord nicht nur eingebildet. Und weil die Serie mit ihren acht zwanzigminütigen Episoden kaum länger ist als die meisten Spielfilme, schafft man „The Woman in the House across the Street from the Girl in the Window“ locker an einem Abend.

Gesamtnote 2

► The Woman in the House across the Street from the Girl in the Window. Alle acht Folgen sind von diesem Freitag an bei Netflix verfügbar.