22.4.2018 Tausende Besucher waren zu Gast bei der EZ, um 150-jährigen Geburtstag zu feiern.

 Foto: Bulgrin

Beim Neckarwiesenfest öffnete das Gewerbegebiet Oberesslingen/Zell seine Tore und bot ein buntes Programm: Für Jung und Alt gab es große Maschinen, Erbeereis und “nüchterne“ Alkoholtests.

Esslingen 29 Firmen und Einrichtungen haben während des 14. Neckarwiesenfests im Gewerbegebiet Oberesslingen/Zell am Sonntag von 11 bis 17 Uhr ihre Türen geöffnet – breiter Branchenmix, vielseitiges Unterhaltungsangebot und kulinarische Verköstigung inklusive. Ein Bus-Shuttle brachte die Besucher auf zwei unterschiedlichen Routen zu den verschiedenen Events.

Viele nutzten das schöne Wetter jedoch für einen ausgedehnten Spaziergang oder eine kleine Radtour durchs Naturschutzgebiet bis ins Entennest zur Firma Scherrieble. Dort zogen 95 alte Trucks von 1934 bis in die 1980er-Jahre die bewundernden Blicke der Flaneure an. Stolze Besitzer präsentierten ihre blitzeblank polierten Feuerwehrautos, Müllfahrzeuge, Absetzkipper, Sattelzugmaschinen, Kipper mit Kran, Saugwagen und Plane-Pritschen. Eine Ausfahrt im Konvoi über Zell, Plochingen, Weißer Stein, Esslingen und zurück zu Scherrieble konnte in 45 Minuten geschafft werden, so die Maschine im Laster durchhielt.

Der Recycling-Flohmarkt in der Lagerhalle von Scherrieble hatte eine passende Kulisse aus PET-Flaschen, Big Bag’s, TV-Rückwänden, Monitorgehäusen, bunten Kanistern und brauner Wellpappe, die zu dicken Blocks gepresst waren. Davor wurde an 25 Ständen von Kleider über Geschirr bis zu Kleinmöbeln alles angeboten, was in irgendeiner Form einen Vintage-Charakter aufwies und zu schade für den Müllcontainer ist.

Große Nachfrage herrschte beim Up-Cycling-Markt vor der Halle. „Kommt super gut an“, sagt Marktorganisator Till Maehr. So wechselten die kuriosesten Kreationen den Besitzer. Der Fantasie waren bei der Aufwertung von Gebrauchtem keine Grenzen gesetzt. Schmuck aus Kaffeekapseln, Vesperbrettchen aus Altholz, Sitzsäcke aus getragenen Jeans und alte Zementsäcke, die in einem sozialen Projekt in Kenia zu Taschen verarbeitet werden und nur beim Up-Cycling-Markt zu kaufen waren – oder im Internet unter www.nyuzi-blackwhite.de.

Bei Gebrüder Weiss durften sogar Kinder mit dem Segway kostenlos zwei Runden auf einem Parcours drehen. Wer in die spannende Welt der Logistik reinschnuppern wollte, konnte auf einer aufgebauten Hindernisstrecke mit einem Minigabelstapler durchs Gefahrstofflager bis zum Laster fahren und danach einen Minigolfball in einen Container einlochen. Interessenten wurden von Ausbildungsleiterin Mona Matuschek über die Möglichkeit beraten, eine Ausbildung beim Speditions- und Logistikdienstleister zu machen.

In zahlreichen Betrieben gab es Stände und Experten, die über Ausbildungsberufe und Stellen informierten. Das Ingenieurbüro Hemminger bildet Geomatiker und Vermessungstechniker aus. Eine Kletterwand in der prallen Sonne schien bedeutend weniger gefragt als der Eisstand. Erdbeere war der Hit, verriet die Verkäuferin. Der CVJM bot Kinderschminken unterm Pavillondach an. Verwendet wurde Theaterschminke, die gut deckt und mit Wasser, Seife und Waschlappen garantiert wieder abgeht, versprach das Schmink-Duo.

Essen und Trinken hält auch bei hochsommerlichen Temperaturen Leib und Seele zusammen. Entsprechend groß war der Andrang im Getränke-Center Bayha. Die Besucher machten es sich mit einem Snack sowie einem kühlen Getränk unter den großen Schirmen gemütlich und warteten gespannt auf die Tanz-Darbietungen auf der Showbühne. „Viele kommen nur deswegen“, verriet ein Mitarbeiter. Die Schautanzabteilung des TSV Oberlenningen sowie der Rock’n’Roll und Boogie-Woogie Club Ostfildern heizten mit ihren mitreißenden Darbietungen noch mehr ein.

20 Minuten Schlange-Stehen für fünf Minuten Glückseligkeit auf dem Bungee-Trampolin – welches Kind ficht das an? Die Kleinen jauchzten vor Vergnügen, während den Eltern der Schweiß von der Stirn lief.

Wohl dem, der schon größeren Nachwuchs hat, der konnte sich von Jochen Opitz und Klaudia Rieger, zuständig für die sieben Ausbildungsberufe, die im Autohaus Jesinger angeboten werden, in der angenehm kühlen Werkstatt informieren. Ein junger Mann zeigte seinen Eltern den Betrieb, in dem er sich ab Herbst zum Kfz-Mechatroniker ausbilden lässt.

Der Dekra-Rennsimulator hatte leider zeitweise technische Probleme, weswegen erst einmal gar nichts lief – zumindest kein 3D-Rennen. Dafür durfte Groß und Klein etwas, was sonst strengstens verboten ist: ein Auto bemalen. Mit bunten Farben konnte jeder seinen Gruß auf einem Smart hinterlassen.

Mit einem Glas Bier und einem Schnaps hat man 0,8 Promille Alkohol im Blut. Nüchtern betrachtet glaubt mancher, damit noch Auto fahren zu können. Wer seine Fahrtüchtigkeit testen wollte, musste dafür kein Bier trinken. Die Deutsche Verkehrswacht Esslingen hatte ihre Promille-Brille dabei und einen Parcours zum Begehen ausgelegt. Ein Mann mit der Brille, die eine Blutalkoholkonzentration von 0,8 Promille vortäuschte, meinte am Ende: „Echt schwierig. Es kam mir vor wie vier Bier.“ Beim Selbstversuch mit der 1,3 Promille-Brille konnte nicht mal der Startpunkt erreicht werden. Eine weitere Gefahrenquelle im Straßenverkehr ist das Handy. Beim Testlauf ohne Gedaddel sind die Probanden auf der Hindernisstrecke in der Regel doppelt so schnell, wie wenn sie eben mal eine Kurznachricht absetzen.

Gleich um die Ecke auf dem Truck-Hof der Firma Jesinger konnte beim Steigerfahren die Welt von oben betrachtet werden. Ein Riesen-Truck in der Halle ließ eine Familie beeindruckt feststellen: „Länger als unser Wohnzimmer.“ Begeistert klemmte sich ein Junge hinters Steuer des Pickup der neuen X-Klasse von Mercedes. „Passt leider nicht in unsere Garage“, wehrte der Vater jeglichen Überredungsversuch des Nachwuchses ab. Mehr Glück hatten die Kinder am Stand der Rettungshundestaffel mit süßen Plüsch-Wuffies. „Pflegeleichter als ein echter“, rechtfertigte das Ehepaar die Kaufentscheidung.

Für Bombenstimmung sorgten Heinz und die Bembel vor den Werkstätten Esslingen/Kirchheim – mit Kunsthaar-Perücke und Polyesterklamotten. Sie covern Rocktitel bis zur Unkenntlichkeit. Und wenn die Töne mal schief rüberkommen, ist’s eben Jazz. Schöner falsch singt niemand.

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