Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb auf Lenninger Gemarkung wurde vor 25 Jahren in seiner jetzigen Form gegründet. Der Leiter Marco Drehmann will es stetig weiterentwickeln.
Lenningen - Von 1929 bis zum Jahr 1974 wurde in dem Steinbruch Lauster auf der Schopflocher Alb Gestein abgebaut. Der dort gewonnene Travertin, auch bekannt als Schwäbischer Marmor, findet sich unter anderem an den Gesimsen und Pilastern am Berliner Flughafen Tempelhof wieder. Richtig durchgestartet ist das Gelände rund um den aufgelassenen Steinbruch aber erst im Jahr 1989. Im ehemaligen Betriebsgebäude des Steinbruchs hat der Landkreis Esslingen in Eigenregie das damals erste kreiseigene Naturschutzzentrum in Baden-Württemberg eröffnet.
Damit war der Grundstein gelegt für das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, das im Jahr 1996, vor jetzt 25 Jahren, im Schulterschluss mit dem Land Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben wurde. Als Stiftung des bürgerlichen Rechts ist es seither eines von sieben staatlich getragenen Naturschutzzentren im Land. Der ökologische Leuchtturm am Nordtor des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ist nicht nur erste Anlaufstelle für Naturfreunde und Wanderer, sondern auch eine wichtige regionale Einrichtung der Umweltbildung geworden.
Marco Drehmann will Begeisterung wecken
Das soll, wenn der Jubiläumssekt ausgetrunken und die lobenden Worte verklungen sind, auch so bleiben. Dafür steht seit dem 1. Januar ein neuer Geschäftsführer. Marco Drehmann hat die Leitung des Naturschutzzentrums von Franziska Harich übernommen, die nach einem kurzen Intermezzo auf der Schopflocher Alb ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlegt hat. Der Biologe, der im Ebersbacher Teilort Roßwälden (Kreis Göppingen) mit Blick auf die Schwäbische Alb aufgewachsen ist und seine an der Universität Hohenheim abgeschlossene Promotion so gut wie in der Tasche hat, geht mit Schwung an die neue Aufgabe. „Man sagt: Wer kennt, schützt. Ich will noch weiter gehen und nicht nur Wissen rund um Natur und Umwelt vermitteln, sondern Begeisterung wecken – und zwar bei Besuchern jeglichen Alters und aller Bevölkerungsschichten. Bei uns soll sich sowohl das Kindergartenkind, als auch der ökologische Berater willkommen fühlen“, sagt er. Drehmann ist zuversichtlich, dass ihm der Spagat zwischen Jung und Alt, zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung und familiengerechter Präsentation, zwischen Kinderferienprogramm und fachlichen Weiterbildungen gelingt. Um die Attraktivität des Zentrums unabhängig von der Ausstellungstätigkeit zu steigern, will er verstärkt den Außenbereich bespielen. Vor allem der Bau eines neuen Kinderspielplatzes liegt ihm am Herzen. Die geplante Aussichtsplattform mit dem Rundumblick in den Steinbruch könnten auch Fotografen nutzen, um die als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesene Abbaugrube ins Visier zu nehmen.
Aufwertung des Außenbereichs
„Mir schwebt auch die Einrichtung eines digitalen Lehrpfads rund ums Haus vor“, sagt Drehmann. Außerdem eigne sich das Gelände hervorragend für Land-Art-Ausstellungen und Holzkunst-Präsentationen. Das weckt Erinnerungen an den „Großen Alb-Gang“, einen Kunstpfad rund um das Naturschutzzentrum, der in den Jahren 1999/2000 nicht nur bundesweite Aufmerksamkeit geweckt, sondern dem Zentrum selbst auch einen Besucherrekord beschert hatte.
Über die Jahre hinweg hat sich die Besucherzahl bei rund 20 000 eingependelt. An dieser Zahl will sich auch Marco Drehmann messen lassen. Wenn alle Stricke reißen, hat er schließlich noch ein Ass im Ärmel. Der Biologe hat sich, als Mitglied der Zeckenforschungsgruppe an der Universität Hohenheim, in seiner Doktorarbeit der Erforschung der einheimischen Zeckenfauna gewidmet. „Das ist ein Thema, das jeden betrifft, der sich in der Natur bewegt“, sagt er. Und so liegt der Verdacht nahe, dass eine der nächsten Veranstaltungsreihen oder gar Ausstellungen spanende Einblicke in das verborgene Leben der kleinen Blutsauger verspricht.