Dieses Mal ist der Austausch nicht so eng: Julian Nagelsmann (li.) mit Angelo Stiller Foto: IMAGO/kolbert-press

Die Nichtnominierung und die Umstände lösten Irritationen in Stuttgart aus: Jetzt spricht Bundestrainer Julian Nagelsmann über VfB-Profi Angelo Stiller.

Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sich am Montagmittag in Wolfsburg erstmals über die Nicht-Nominierung von Angelo Stiller geäußert. Der Taktgeber des VfB Stuttgart wurde am vergangenen Donnerstag überraschend nicht berücksichtigt für die letzten beiden Länderspiele des Jahres der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 14. November in Luxemburg und drei Tage später gegen die Slowakei in Leipzig

„Ich hatte einen sehr guten Austausch mit Angelo und seinem Trainer Sebastian Hoeneß. Was den Spieler betrifft, muss ich die Entscheidung erklären, bei seinem Trainer nicht zwingend – ich mache das aber gerne, weil ich einen guten Draht zu Sebastian habe“, sagte Nagelsmann nun.

Nagelsmanns Erklärung zu Stiller

Der Coach erklärte auf dem Pressepodium in Wolfsburg, dass er in keinster Weise böse sei über die Äußerungen des VfB. Hoeneß und auch der Offensivmann Deniz Undav hatten ihre Überraschung und das Unverständnis über Stillers Nicht-Berücksichtigung betont: „Was sollen sie auch sagen – ich hoffe ja, dass sie sich so äußern, dass sie es nicht verstehen“, sagte Nagelsmann: „Wenn sie gesagt hätten, es ist verdient, dass Angelo nicht dabei ist, die Pfeife, dann hätte ich mir Gedanken gemacht. Es ist genau richtig, wie sie reagiert haben.“ Die VfB-Verantwortlichen, so Nagelsmann weiter, „sollen ihren Spieler schützen, weil er ein guter und wichtiger Spieler für sie ist“.

Die Entwicklung von Angelo Stiller

Der Bundestrainer ging dann ins Detail mit dem Blick auf seine Entscheidung gegen Stiller. „Vor vier Wochen, bei den letzten Länderspielen, war es deutlich unverdienter, als er dabei war als wenn das jetzt der Fall gewesen wäre – denn jetzt geht Angelos Entwicklung wieder deutlich in die richtige Richtung. Die Botschaft habe ich ihm auch mitgegeben, dass er deutlich stabiler auftritt als in den vier Wochen vor unserem letzten Lehrgang.“

Trotzdem, so Nagelsmann weiter, gehe es um das Thema Gleichgewicht auf der Position im zentralen defensiven Mittelfeld: Felix Nmecha spiele bei Borussia Dortmund eine sehr gute Saison und Aleksandar Pavlovic (FC Bayern) spiele bei der Mannschaft, die gerade die stabilste in ganz Europa sei: „Ich sehe die beiden gegenüber Angelo gerade einen Tick vorne.“ Mit Nadiem Amiri (FSV Mainz) und Leon Goretzka (FC Bayern), ergänzte Nagelsmann, habe man zudem zwei Profis, „die wir ein bisschen offensiver im Mittelfeld sehen“. Amiri allerdings musste seine Teilnahme an den nächsten Länderspielen am Montag wegen Adduktorenproblemen absagen – für ihn wurde der Leipziger Assan Ouedraogo (19) nachnominiert.

Der Bundestrainer betonte am Montag jedenfalls noch, dass er bei den Länderspielen im Oktober noch fünf Sechser im Mittelfeld dabei gehabt habe und Stiller keine Sekunde lang gespielt hat: „Das waren zu viele Sechser, da passt das Gleichgewicht nicht. Jetzt ist die Struktur ein bisschen anders, jede Position ist doppelt besetzt. Angelo hat jetzt nach anstrengenden Wochen beim VfB ein paar Tage, um durchzuschnaufen und dann seine aufsteigende Form wieder auf den Platz zu bringen. Im März ist wieder eine neue Nominierung – dann schauen wir weiter. Die Tür für Angelo ist nicht zu.“

Nach Informationen unserer Redaktion hatte Stiller erst am Donnerstagvormittag, also am Tag des Europa-League-Spiels gegen Feyenoord Rotterdam (2:0), von der Entscheidung Nagelsmann erfahren. Die Verantwortlichen des VfB bekamen es wie die breite Öffentlichkeit erst mit, als der DFB an besagtem Donnerstag um 13 Uhr auf das Knöpfchen drückte und über seine Kanäle das Aufgebot bekanntgab – das Gespräch Nagelsmanns mit VfB-Coach Hoeneß über Stiller also hat zumindest demzufolge erst nach dem besagten Donnerstag stattgefunden.

Enger Austausch: Angelo Stiller (li.) und sein Trainer Sebastian Hoeneß Foto: Baumann

Der erste Ablauf jedenfalls sorgte bei den Stuttgarter Verantwortlichen für Verärgerung. Denn einem Profi, der zuletzt immer fester Bestandteil des DFB-Teams war, an einem Pflichtspieltag mitzuteilen, dass er plötzlich nicht mehr dabei ist bei den nächsten Länderspielen, hat zumindest ein G’schmäckle. Pikanterie am Rande: Nagelsmann und Stiller werden von derselben Berateragentur vertreten.

VfB-Coach Sebastian Hoeneß positionierte sich klar mit Blick auf Stiller und dessen Nicht-Berücksichtigung durch den Bundestrainer. „Ich war überrascht und habe nicht damit gerechnet“, sagte Hoeneß: „Angelos Bedeutung für uns könnte größer nicht sein, er ist unser zentraler Spieler – und mit Platz vier in der Bundesliga stehen wir jetzt gar nicht mal so schlecht da.“ Stiller, so Hoeneß weiter, sei dabei einer derjenigen, die daran einen immensen Anteil hätten: „Das ist der Grund, warum wir mit der Entscheidung nicht gerechnet haben. Aber trotzdem ist es so, dass wir keine Dinge infrage stellen – was wir machen können, ist, sportliche Antworten zu geben.“