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Der Narrenbund Neuhausen hat die Fasnetskampagne 2019/20 eröffnet. Mit Felix I. und Damaris I. ist das neue Prinzenpaar gekürt.

NeuhausenSelbst an den Filmklassiker „Dinner for One“ wagen sich Lena Broll und Timo Samel. Bei der Auftaktsitzung des Narrenbunds Neuhausen (NBN) in der bis auf den letzten Platz besetzten Egelseehalle begeisterten die zwei Eigengewächse des 1700 Mitglieder starken Vereins mit ihrem komödiantischen Talent. Den britischen Humor übersetzten die zwei erstklassig ins Schwäbische. Ihr Auftritt war nur einer der vielen Höhepunkte bei der dreieinhalbstündigen Sitzung zum Start der Fasnetskampagne in der Hochburg Neuhausen.

Mit großer Spannung erwarteten die Besucher, wer denn wohl dieses Jahr zum Prinzenpaar gekürt wird (siehe Kasten). „Die Gerüchteküche brodelte, es hieß sogar, ein Paar aus Sielmingen sei ausgewählt“, plauderte Narrenpräsident Ronald Witt aus dem Nähkästchen. Da lachten die Neuhäuser herzlich. Denn dass man sich närrische Hilfe aus dem eher fasnetsmüden Nachbarort holen müsste, wollte keiner so recht glauben.

Schließlich präsentierte Witt seine Tollität Felix I. und ihre Lieblichkeit Damaris I. dem jubelnden Publikum. Felix Rosegger und Damaris Löw repräsentieren den Narrenbund bei der diesjährigen Kampagne. Als Kinderprinzenpaar sind Lenny I. und Leni I. dabei. Inmitten des Elferrats auf der Bühne machten die vier im prächtigen Ornat eine sehr souveräne Figur. Sie hatten einen langen Tag hinter sich, denn bereits um 11.11 Uhr wurden sie im Narrenheim in der Klosterstraße vorgestellt.

Brasilianische Rhythmen und Tänze

Sogar eine kurze Live-Schaltung in die Landeschau des Fernsehsenders SWR werde es geben, kündigte Witt an. Büttenredner, Tanzgarden, Sänger und Musiker machten zum Auftakt der Kampagne 2019/20 eine sehr gute Figur. Die Vielfalt der Programmpunkte begeisterte das junge wie auch das ältere Publikum. Mit zauberhaften brasilianischen Kostümen entführte die Percussiongruppe Samba Batu das Publikum in die fremde Welt Lateinamerikas. Seit 25 Jahren weiten die Musikerinnen um Ingrid Eisele und Irmgard Riester den musikalischen Horizont der schwäbischen Fasnet. Großen Applaus ernteten auch die Tanzgarden des Narrenbunds, die sich mit ihren Trainerinnen präsentierten. Die Kindergarde schlüpfte in die Kostüme der Schwarzwaldmädel. Das Team ist amtierender Württembergischer Meister im Showtanz und Vizemeister im Marschtanz. Tanzmariechen Eileen Wolf begeisterte das Publikum mit faszinierender Akrobatik.

Mit dem Showtanz „It’s Time For Afica“ (deutsch: Es ist Zeit für Afrika) zeigten auch die Mädchen zwischen elf und 14 Jahren, wie weltoffen die Fasnet ist. Die amtierenden Württembergischen Meister im Showtanz und Vizemeister im Marschtanz berührten das Publikum mit ihrem emotionsgeladenen Tanz. Auf Erfolgskurs mit Meister- und Vizemeistertiteln ist auch die Prinzengarde in Neuhausen.

Um nicht nur im eigenen Saft zu köcheln, hatte der Narrenbund diesmal auch Profis engagiert. Lisa Lukoschek, Peter Anders und Sascha Diener bringen mit „Soundwich“ Schlager, Musical, Pop und Rock auf die Bühne. Das tun sie mit dem ihnen eigenen Humor. Verwundert rieb sich manch einer in der Halle die Augen, als die drei leidenschaftlichen Performer aus Al Bano und Romina Powers Popsong „Felicita“ glatt „Kartoffelsalat“ machten. Die schwäbische Version passte bestens zu den vielen Köstlichkeiten, die das Küchenteam des Narrenbunds bei der Auftaktsitzung auftischte – auch die schwäbische Sättigungsbeilage stand auf der Karte. „Soundwich“ überzeugten das Publikum nicht nur stimmlich. Ihre witzige Show mit schrillen Kostümen sorgte für reichlich Lacher.

Das erklärte Ziel von Narrenpräsident Ronald Witt, die Fasnet zu verjüngen und mit neuen Akzenten aufzumischen, ging bestens auf. Für angehende Büttenredner gibt es Coachings. Und Witt ist auch offen für neue Formate. Dass beim NBN auch der närrische Nachwuchs gefördert wird, zeigte der allererste Auftritt. Tim Benz, der letztjährige Kinderprinz, und Marco Zimmermann wiesen die Gäste in Raumfahrerkostümen auf Sicherheitslücken in der Sitzung hin. Mit ihren zwölf und elf Jahren hatten die zwei keinerlei Bühnenscheu, brachten das Publikum mit frechen Sprüchen zum Lachen.

Rotenhans Kritteleien

Neben diesen neuen und frischen Akzenten kommt beim NBN aber auch die traditionelle Bütt zum Zug. Wolfgang Luth ließ den steinernen Herrn von Rotenhan, der das Rathaus ziert, für eine vergnügliche Viertelstunde zum Leben erwachen. Der Urvater der der Gemeinde spottete nicht nur über die örtliche Gastronomie, sondern auch über die Kommunalpolitik. Mit seinen rund 1700 Stimmen bei der Bürgermeisterwahl sei Ingo Hacker wohl hauptsächlich von den Narren gewählt worden, die ebenso viele Mitglieder hätten. „Da sind wir heute unter uns“, spöttelte Luth. Die Krittelei nahm der Verwaltungschef gelassen. Hacker, der mit seiner Frau Petra in der ersten Reihe saß, ist auch beim närrischen Treiben seiner Gemeinde immer ganz vorne dabei, unterstützt die Narren bei ihren Aktivitäten.

Ehre für die Gänsbettlerchen

Zum Schluss gab es bei der Auftaktsitzung eine besondere Überraschung. Denn die Gänsbettlerchen, seit 50 Jahren eine beliebte Gesangsgruppe des Männergesangvereins Neuhausen, hatten bei der närrischen Konkurrenz vom Narrenbund ihren allerletzten Auftritt. „Wir sind keine Konkurrenz, wir arbeiten zusammen“, sagte der Sänger Klaus Saile, der gemeinsam mit dem ehemaligen NBN-Präsidenten Wolfgang Hummel die Kooperation seit den 70er-Jahren in Gang gebracht hat.

Im Hawaiihemd betrat Saile, der sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte, die Bühne. Mit Peter Klapper, Jürgen Durst, Stephan Walker, Markus Herzog, Max Stoll und Marc Witt ließen die Sänger ihr großartiges musikalisches Spektrum hören. Erst nach mehreren Zugaben durften die Sänger von der Bühne. Und für Klaus Saile gab es eine hohe Auszeichnung.

Dass die Neuhäuser der Fasnet entgegenfiebern, war bei der Auftaktsitzung deutlich zu spüren. Junge und ältere Gäste waren mit so viel Begeisterung dabei, dass der Funke zu den Akteuren so richtig übersprang. „Bei uns steht die Freude im Mittelpunkt“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Eckard Römer. Als Vorstandsmitglied des Narrenbunds findet er die Kreativität der vielen Gruppen wunderbar, und merkte lachend an: „Bei uns hat das Prinzenpaar noch Geld, wenn die Kampagne vorbei ist.“ Kritisch sieht Römer nämlich die Fasnetsvereine, bei denen die Akteure erst mal kräftig investieren müssten, bevor sie zum Zug kämen. In Neuhausen sei einfach jeder mit Begeisterung dabei. Das galt an dem Abend bei den Akteuren auf der Bühne ebenso wie bei den vielen Helfern in der Küche, an der Garderobe und am Empfang, die den Auftakt der neuen Kampagne zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Das Patchwork-Prinzenpaar

Das Prinzenpaar: Nicht wegzudenken aus der Fasnet sind die Prinzenpaare. Sie werden zu Beginn einer Kampagne gekürt. Bislang übernahmen in der Regel Paare die Aufgabe, den Narrenbund in der gesamten Fasnetszeit zu repräsentieren. Damaris Löw und Felix Rosegger, die die Kampagne 2019/20 begleiten, sind gut befreundet, aber nicht liiert. Rosegger ist der Partner von Narrenpräsident Ronald Witt. Der war früher mit Carina verheiratet, der Schwester von Damaris Löw. „Wir sind ein Patchwork-Prinzenpaar“, brachte ihre Lieblichkeit Damaris I die Familienverhältnisse auf den Punkt. In seiner Rede begründete der frisch gekürte Prinz, weshalb er nicht mit seinem Liebsten das Zepter in die Hand nahm übernahm: „Ins Kleid der Prinzessin hätte keiner von uns gepasst“, spöttelte seine Tollität. Als Intensivpfleger am Esslinger Klinikum hat Rosegger „einen schönen Beruf, weil ich schwer kranken Menschen helfen kann.“ Damaris Löw betreut Unternehmenskunden bei der Kreissparkasse.

Das Kinderprinzenpaar: „Es soll Spaß machen“, brachte Lenny seine Begeisterung für den Job als Kinderprinz auf den Punkt. An seiner Seite steht Leni I. Die zwei freuen sich sehr auf die Kampagne.

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