Da-Bach-na-Fahrt in Schramberg. Quelle: Unbekannt

Ausgerechnet am Fastnachtsmontag ist ein Sturm durchs Land gezogen. Die meisten Narren haben sich nicht vom Feiern abhalten lassen. Einige hatten zwar Glück mit dem Wetter, gingen aber dennoch baden.

Rottweil (dpa/lsw) Tausende Narren haben am Fastnachtsmontag bei den Umzügen im Südwesten dem Sturmtief «Bennet» getrotzt. Der traditionsreiche Rottweiler Narrensprung begann am Morgen noch trocken. Doch nachdem rund ein Drittel der knapp 4000 Maskenträger das Schwarze Tor der Stadt passiert hatte, setzten starker Wind und Regen ein.

«Die Stimmung ist trotzdem super», sagte Narrenmeister Christoph Bechtold. Seinen Angaben nach verfolgten bis zu 10 000 Zuschauer das mehrstündige Spektakel. Für den Fastnachtsdienstag rechnet die Narrenzunft mit noch einmal 10 000 Schaulustigen.

Wegen der Orkanwarnung des Deutschen Wetterdienstes wurde der Rosenmontagsumzug in Graben-Neudorf (Kreis Karlsruhe) abgesagt, in Böblingen fand er ohne Wagen statt. Beim Freiburger Umzug am Nachmittag wurde auf Fahnen und hohe Aufbauten aus Sicherheitsgründen verzichtet, wie ein Sprecher der Breisgauer Narrenzunft sagte. Auch der Narrenbaum sei sicherheitshalber abgebaut worden.

Die Narren in Schramberg (Kreis Rottweil) hatten Glück mit dem Wetter - und gingen dennoch baden. In geschmückten Holzzubern und anderen selbst gebauten Wasserfahrzeugen rauschten sie bei der «Da-Bach-na»-Fahrt das Flüsschen Schiltach hinab. Manche Kapitäne waren bei der traditionellen Gaudi allerdings nicht ganz so manövriersicher und mussten sich aus dem Wasser ziehen lassen - oder schwammen einfach weiter.

Das Besondere der Rottweiler Fastnacht ist ihr mitunter anarchischer Charakter: Die verschiedenen Narrenfiguren mit ihren Glocken- und Federkleidern laufen die Umzugsstrecke nicht getrennt in Gruppen, sondern wild durcheinander ab. Lediglich die «Rössletreiber» marschieren vorweg und lassen ihre Peitschen knallen. «Von Dreikönig an bekommen Sie in Rottweil nachmittags keine ruhige Minute mehr», sagte Stadtsprecher Tobias Hermann. Denn seitdem übten viele Kinder mit ihren Peitschen auf den Gassen, um auch einmal zu den «Rössletreibern» zu gehören.

Auch in anderen Landesteilen war die «fünfte Jahreszeit» in vollem Gange. In Villingen begann am Vormittag der Historische Umzug der Narrozunft. Die Hauptfigur der dortigen Fastnacht ist der gleichnamige «Narro» - sein Gewand ist oft aus grobem Leinen gefertigt und besteht aus Hose, Kittel und Kappe. Alle Teile sind mit Figuren, Tieren und Blumen bemalt, wie es bei der Zunft heißt.

Auch in Ravensburg trafen sich zahlreiche Narrenzünfte und Zuschauer zum Narrensprung - bei zeitweise heftigem Wind. In Stuttgart begrüßte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) um 11.11 Uhr die Narren im Rathaus.

In vielen Orten und Gemeinden stand zudem der Brauch des Aufsagens, Rügens oder Strählens auf dem Programm: Dabei spricht einer der Narren eine Person an und gibt öffentlich - auf lustige und durchaus auch liebevolle Art - meist unangenehme Geschehnisse zum Besten, wie es bei der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte heißt. Der Brauch sei ein Symbol der verkehrten Narrenwelt, das den Umsturz der sozialen Ordnung bezeichne: Niedrig kritisiert Hoch. «Dient der psychischen Gesundheit. Und hilft manchmal auch der Selbsterkenntnis auf die Beine.»

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