Ab sofort sind die Langschnauzen-Kaninchenkängurus in der Wilhelma zu dritt – hier Nachwuchs Joey. Foto: Wilhelma

Überraschung: Im Stuttgarter Zoo gibt es erstmals seit zwei Jahren Nachwuchs bei den Langschnauzen-Kaninchenkängurus.

In der vor zwei Jahren eingeweihten neuen Australienwelt der Wilhelma ist die Freude über den Nachwuchs bei den Langschnauzen-Kaninchenkängurus groß. Der Kurator der Australienwelt Terra Australis, Volker Grün sagt, dass es der Wilhelma zum ersten Mal die Nachzucht dieser Art gelungen sei, die deutschlandweit nur in zwei anderen Zoos zu sehen ist, nämlich in den Zoos Duisburg und Osnabrück.

Die Kaninchenkängurus heißen mit wissenschaftlichem Namen Potoroos . Ein junges Beuteltier, Joey genannt, hat nach Angaben von Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann nun Ende Oktober den Beutel seiner Mutter im Stuttgarter Zoo verlassen.

Der kleine Joey, der den Beutel der Mutter verlassen hat. Foto: Wilhelma

Potoroos in der Wilhelma: Kaninchengroße Kängurus in Australien unter Druck

Die ursprüngliche Heimat des gerade einmal kaninchengroßen Kängurus ist das Küstenhinterland im Osten und Süden von Australien. Dort eingeschleppte Raubtiere wie Katzen, Füchse und verwilderte Hunde sowie Busch- und Waldbrände setzen jedoch auf dem fünften Kontinent die Potoroos immer mehr unter Druck.

Marcel Schneider, stellvertretender Revierleiter der Terra Australis erklärt, was es mit der langen Nase der Tiere auf sich hat: „Potoroos sind die Trüffelschweine unter den Kängurus. In der Natur ernähren sie sich zum großen Teil von Pilzen, aber auch von Wurzeln und im Erdboden verborgenen Insekten. Ihre lange und sicherlich sehr geruchsempfindliche Nase hilft ihnen bei der Nahrungssuche.“ Da sie auf diese Weise auch die Sporen von Pilzen verbreiten, die für das Wachstum vieler Baumarten unersetzlich sind, spielen die Potoroos eine wichtige Rolle für die Funktion der Ökosysteme in ihrer australischen Heimat.

Dieses Paar lebt im Schaubereich der Terra Australis beim Baumkänguru. Foto: Wilhelma

Potoroos in der Wilhelma sind nachtaktiv – eigentlich

Potoroos sind in der Natur eher nachtaktiv. Da sie in Zoos keinem Druck von Fressfeinden unterliegen, passen sie sich dort meist aber auch einem anderen Tagesrhythmus an. In der Wilhelma sind zwei Paare der kleinen Känguruart zu Hause: Eines teilt sich eine Anlage mit dem Goodfellow-Baumkänguru. „Das Paar, bei dem es nun zu Nachwuchs gekommen ist, lebt momentan hinter den Kulissen“, erklärt Meierjohann. Das Jungtier wurde nach 38 Tagen Tragzeit bereits im August geboren und hat den Beutel nun im Alter von rund 250 Tagen verlassen. Grundsätzlich können Potoroo-Weibchen mit Jungtieren sehr schnell neu trächtig werden. In dem Fall tritt zunächst eine Keimruhe ein. Der Embryo entwickelt sich erst dann weiter, sobald sein Geschwisterchen den Beutel verlassen hat.