Ein Zeitungsausriss aus den 1970er Jahren: Werner Brock (links) erhält den Wächterpreis. Foto: StZ/oh

Werner Brock war 15 Jahre lang die Stimme des Ludwigsburger Landrats. Jungjournalisten hatten es bei ihm allerdings nicht unbedingt immer leicht.

Jungjournalisten hat Werner Brock grundsätzlich erst einmal auflaufen lassen. Bei dem früheren Pressesprecher des Ludwigsburger Landratsamtes musste man sich seine Informationen schon verdienen. „Sie sagen, Sie sind Lokalredakteur. Aber ich bin schon lange hier, und ich kenne Sie nicht. Da könnte ja jeder X-beliebige anrufen“, erklärte er dem neuen Redaktionsmitarbeiter dann. Wer sich davon verunsichern ließ, hatte es fortan schwer. Doch wer hartnäckig blieb, erhielt Brocks Respekt – und neben der erfragten Information manchmal sogar einen unerwarteten Tipp.

Brock war gefürchtet, aber er besaß Expertise. Vor seiner Zeit im Ludwigsburger Kreishaus war er von 1976 bis 1989 als Redakteur bei der Stadtredaktion der Stuttgarter Zeitung tätig gewesen. Für eine Recherche über die missbräuchliche Weitergabe amtlich gespeicherter Personaldaten erhielt er 1977 den angesehenen Wächterpreis der Tagespresse.

Ärger über den eigenen Geheimtipp

Auch deshalb war der 1943 in Stettin geborene, spätere Kornwestheimer jahrelang bei der baden-württembergischen Journalistenausbildung für den Bereich investigative Recherche zuständig. Man solle bei Behörden und Unternehmen lieber den direkten Weg zu den Sachbearbeitern gehen und nicht erst bei der Pressestelle anfragen, lautete einer seiner Tipps an den journalistischen Nachwuchs aus dem ganzen Land. Umging man ihn dann selbst, registrierte er dies mit einer Mischung aus Ärger und Zufriedenheit. Offenbar hatte man etwas gelernt.

Werner Brock war eine Persönlichkeit, und mancher behauptet, es sei ihm egal gewesen, wer unter ihm Landrat war. 1991, nach einem kurzen Gastspiel bei der „Südwestpresse“ in Ulm, wurde er ins Ludwigsburger Landratsamt geholt. Er setzte sich gegen 52 Mitbewerber durch.

Die Sache mit der Festplatte auf dem Flohmarkt

Beim damaligen Landrat Ulrich Hartmann hatte der Bürostuhl im Presseamt bis dahin als Schleudersitz gegolten. Mit Brock änderte sich das. Er blieb 15 Jahre, schrieb Pressemeldungen zum Spätlingsmarkt, informierte über gesperrte Kreisstraßen, organisierte vor allem aber routiniert die Krisenkommunikation für seine Behörde. Mal stand sie wegen eines Wahlchaos in der Kritik, mal wegen einer verlorenen Festplatte mit vertraulichen Daten, die sich auf einem Flohmarkt wieder fand.

„Bis wann brauchen Sie die Antwort“, lautete regelmäßig seine Gegenfrage auf kritische Journalistenanfragen. Nannte der Anrufer einen Zeitpunkt, erklärte Brock, dass das illusorisch sei und der Termin auf keinen Fall eingehalten werden könne – um dann doch rechtzeitig die Information zu liefern.

Wie Brock seine Behörde auf Trab brachte, ist sein Geheimnis. 2006 wechselte er in den Ruhestand. Der Mann, der kraft Amtes fast täglich in der Öffentlichkeit stand, zog sich gänzlich zurück. Jetzt ist er im Alter von 81 Jahren in Leonberg gestorben.