Auch in Plochingen gibt es nun ein Repair-Café. Ehrenamtliche helfen, defekte Alltagsgegenstände wieder zum Leben zu erwecken. Warum es solche Initiativen bald einfacher haben.
„Reparieren? Das lohnt sich nicht.“ Diese Aussage kennen die meisten Verbraucher, die schon mal ein Haushaltsgerät oder Ähnliches instand setzen lassen wollten. Wegwerfen und neu kaufen ist da viel einfacher, wie Edda Eichhorn weiß. „Wo bringe ich denn eine Kaffeemaschine hin?“, fragt sie. „Das ist total umständlich, wenn ich überhaupt jemanden finde.“ Die Plochingerin hat an ihrem Wohnort den Anstoß dafür gegeben, dass künftig immer am letzten Freitag im Monat repariert statt weggeworfen wird.
Neu ist das Konzept nicht: Im Repair-Café beziehungsweise im Reparaturcafé kann man sich von Fachleuten oder versierten Bastlern dabei helfen lassen, defekte Alltagsgegenstände wieder instand zu setzen. Solche Cafés gibt es unter anderem schon in Wendlingen, Nürtingen, Kirchheim oder Ebersbach.
In Plochingen wird der Treff vom Stadtseniorenrat getragen; an ihn hatte sich Eichhorn gewandt, weil dort ihrer Erfahrung nach Menschen zu finden sind, „die was bewegen wollen“. Junge Leute sind aber natürlich ebenso willkommen, schließlich ist Nachhaltigkeit auch unter ihnen ein großes Thema, und unter den ehrenamtlichen Helfern des Reparaturcafés sind auch mehrere Jüngere vertreten.
Wolfgang Humburg, ist einer dieser Helfer und organisiert das Reparaturcafé mit. Der ehemalige TÜV-Mitarbeiter hat einfach Freude daran, Fehler zu finden und zu beheben, Dinge wieder zum Laufen zu bringen. Das gilt für alle Ehrenamtliche, die derzeit auf der Liste stehen und ganz unterschiedliche Kenntnisse und Schwerpunkte haben, vom Elektromeister bis zur passionierten Näherin. Bei einem internen Probelauf fürs Reparaturcafé wurden eine Nähmaschine, eine Kaffeemühle und eine Stehlampe wieder zum Leben erweckt.
„Hilfe zur Selbsthilfe“: Das Repaircafé unterstützt Eigeninitiative
Wobei die Freiwilligen auf keinen Fall in Konkurrenz zu lokalen Geschäften oder Dienstleistern treten wollen. „Wir unterstützen nur die Leute bei ihrer eigenen Reparatur“, betont Wolfgang Humburg, „Hilfe zur Selbsthilfe, das ist uns wichtig“. Wer das in Anspruch nimmt, muss zur Absicherung der Freiwilligen einen Haftungsausschluss unterschreiben.
Die Stadt Plochingen stellt den Raum fürs Reparaturcafé zur Verfügung und hat dort mehrere Steckdosen mit erhöhtem Schutz installiert. Auch eine bestehende, ehrenamtlich geführte Fahrradwerkstatt soll integriert werden.
Dank der Spende von Edda Eichhorns ehemaligem Arbeitgeber Single in Hochdorf sowie einem günstigen Einkauf bei einer insolventen Firma ist auch die Ausstattung mit Werkzeug und Messgeräten unerwartet umfangreich.
Recht auf Reparatur erleichtert Zugang zu Ersatzteilen
Die Hilfe zur Selbsthilfe ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen und werden für die laufenden Kosten auch benötigt. Erforderliche Ersatzteile müssen die Nutzer selbst besorgen, was in Zukunft hoffentlich einfacher wird. Denn das Recht zur Reparatur wird die Hersteller von Geräten verpflichten, Einzelteile und Werkzeuge für die Reparatur zu einem vernünftigen Preis bereitzustellen – und die Produkte so aufzubauen, dass eine Reparatur möglich ist: also beispielsweise zu verschrauben statt zu verschweißen oder zu kleben.
Zweites Leben für Kaputtes
Plochinger Reparaturcafé
Der erste Termin ist am Freitag, 27. Februar, 16 bis 19 Uhr, in der Begegnungsstätte „Im.Markt8“. Wer einen defekten Gegenstand mitbringen möchte, sollte sich anmelden unter reparaturcafe-plochingen@gmx.de oder Telefon 071 53 / 346 73 34. Man kann aber auch einfach auf einen Kaffee oder ein Stück Kuchen vorbeikommen.