Der Landwirt Friedemann Alber aus Aich (links) und der Aichtaler Bürgermeister Sebastian Kurz an einer Pistenraupe, die Boden bestens verteilt hat. Foto: Caroline Holowiecki

Im Aichtaler Gewerbegebiet wird für ein Bauprojekt Erde abgetragen. Der fruchtbare Filderboden soll nicht entsorgt, sondern nachhaltig genutzt werden. Landwirte profitieren davon.

Der Regen der vergangenen Tage hat kleine Seen gebildet. Das Wasser steht in Furchen und Senken, die Baufahrzeuge im matschigen Untergrund hinterlassen haben. Hier am Rand des Aichtaler Gewerbegebiets Südliche Riedwiesen war im September der Spatenstich der Firma GreenPlaces. Auf dem rund 5100 Quadratmeter großen Grundstück entstehen in zwei Neubauten 26 modulare Gewerbeeinheiten, die später von kleinen und mittleren Unternehmen bezogen werden sollen. Ende 2026 sollen die Gebäude bezugsfertig sein. Wo zum Zeitpunkt des Spatenstichs eine Grünfläche war, ist mittlerweile ein braunes Loch. Deutliche Bisskanten des Baggers sind zu sehen. An ihnen sind die Farben der verschiedenen Böden abzulesen. Die oberste Schicht: besonders fruchtbarer Lössboden. Für die außerordentlich guten Böden ist die Filderebene berühmt. Doch das, was hier abgetragen wurde, wird nicht einfach nur entsorgt. Es wird in Aichtal wiederverwendet.

Die Erde, die bis vor Kurzem noch auf dem GreenPlaces-Grundstück direkt zwischen der Margarete-Steiff- und der Bundesstraße lag, ist nicht weit gekommen. Jetzt liegt sie etwa vier Kilometer entfernt auf einem Acker von Friedemann Alber. Der Naturland-Landwirt vom Baiersbachhof in Aich bewirtschaftet zahlreiche Flächen, auf einer gleich beim Hof hat eine Pistenraupe die Erde ausgebracht und verteilt. Das sieht nach dem Regen zwar noch etwas wüst aus, hat aber einen messbar positiven Effekt. „Die Fläche hat jetzt 90 Bodenpunkte, ursprünglich waren es 60 oder weniger“, sagt Friedemann Alber.

Filderböden steigern Bodenqualität auf 90 Punkte

Mit Bodenpunkten wird in Deutschland die Qualität landwirtschaftlicher Flächen bewertet. Die Skala reicht von eins (sehr schlecht) bis 100 (sehr gut). Die Filderböden gelten als außerordentlich fruchtbar. Will heißen: Mit der Erde, die bei den Bauarbeiten nur im Weg war, hat Friedemann Alber nun seinen Acker immens aufgewertet.

Vor gut und gerne fünf Jahren haben im Gewerbegebiet Südliche Riedwiesen die Arbeiten begonnen. „Schon damals mit dem Spatenstich war klar, dass der Oberboden abgetragen werden soll“, erklärt der Bürgermeister Sebastian Kurz. Mittlerweile ist das rund 78.000 Quadratmeter große Areal vollständig erschlossen, von den 34 Grundstücken sind nur noch fünf frei. Da fällt viel Erde an, in Summe mehr als 20.000 Kubikmeter, sagt Sebastian Kurz.

Stadt und Landwirte kooperieren für nachhaltige Bodennutzung

Der Oberboden – ein halber Meter ist laut Friedemann Alber gesetzt – wird in enger Zusammenarbeit zwischen Stadt, Landwirten und Baufirmen Schicht für Schicht abgetragen und auf geeigneten Flächen im Stadtgebiet aufgebracht, wird auf der Homepage der Stadt erklärt. Und weiter: „So bleibt die wertvolle Ressource erhalten und kann weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden.“

Das Konzept hat laut Sebastian Kurz nur Gewinner. Für die Grundstückseigentümer sei es positiv, weil sie kurze Wege hätten, um den angefallenen Aushub gemäß der Vorgaben loszuwerden – das spare Geld –, die örtlichen Landwirte könnten ihre Flächen aufwerten. Finanzielle Ausfälle, die ihnen durch die zweijährige Umstellungszeit der Flächen, die mit neuer Erde belegt werden, entstünden, übernehme die Stadt. „Für mich ist es kostenneutral“, bestätigt Friedemann Alber. Sorge haben, dass irgendwas auf seinen Äckern lande, was er nicht wolle, müsse er auch nicht haben. Der Boden werde vor dem Ausbringen beprobt. „Es wird da schon ziemlich genau geguckt.“