Bei der Fütterung und Reinigung im Raubtiergehege müssen die Tierpfleger in der Wilhelma strikte Regeln befolgen. Foto: imago stock&people

Am vergangenen Wochenende wurde eine Tierpflegerin im Züricher Zoo von einem Tiger angefallen und tödlich verletzt. Wie handhabt die Stuttgarter Wilhelma den Umgang mit den Raubtieren? Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Stuttgart - Tiger tötet Pflegerin: Diese traurige Nachricht aus dem Züricher Zoo hat am vergangenen Wochenende für Schlagzeilen gesorgt. Die 55-Jährige war aus bislang unbekannten Gründen zeitgleich mit der Raubkatze im Gehege. Das Tier fiel die Frau vor den Augen einiger Besucher an und verletzte sie tödlich. Solche Fälle gibt es nicht oft, aber wenn, ist der Schrecken groß. Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es, um diesen tödlichen Begegnungen vorzubeugen?

„Bei uns gibt es keinen Kontakt zwischen Raubkatzen und Menschen“, sagt Dr. Thomas Kölpin, Direktor der Stuttgarter Wilhelma. Bei den Arbeiten in der Anlage, sei es zur Fütterung oder zur Reinigung, müssen klare Regeln beachtet werden. „Wenn das Tier im Außengehege ist, kann der Pfleger ins Innengehege. Und umgekehrt. Aber niemals befinden sich beide im gleichen Bereich.“ Zudem gebe es bei der Klappe zwischen den Arealen immer eine Doppelsicherung. „So kann zum Beispiel ein Tiger die Klappe nicht mit seinem Eigengewicht öffnen“, erklärt Kölpin. Generell erlernen Tierpfleger den besonderen Umgang mit Raubtieren im Rahmen ihrer dreijährigen Ausbildung.

Tödlicher Schuss als letzte Option

In der Wilhelma kam es bislang noch nicht zu einem Zwischenfall mit einer Raubkatze. „Natürlich gibt es für alle Szenarien Notfallpläne“, sagt Kölpin. Bei einem Brand, wenn ein Tier aus seinem Gehege verschwindet oder es zu einem Kontakt zwischen Mensch und Raubkatze kommt. „Das ist immer situationsabhängig. In so einem Fall würden wir zunächst versuchen, die Raubkatze von der Person abzulenken und wegzulocken. Wenn es gar keine andere Chance gibt und um menschliches Leben zu schützen, müssten wir das Tier erschießen. Aber das ist die allerletzte Option“, erklärt der Direktor des zoologisch-botanischen Gartens.

So ein Unglück würde – von der letzten Option abgesehen - in der Regel nicht den Tod der Raubkatze bedeuten. „Sie verteidigt nur ihr Revier. Daher würde ihr im Nachhinein nichts passieren“, sagt Kölpin. Bleibt zu hoffen, dass es in der Wilhelma nie soweit kommt.

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