Der Schock steht diesen beiden Betroffenen nach dem Massensturz beim Riderman in Bad Dürrheim ins Gesicht geschrieben. Es gibt Mutmaßungen, wie es zu dem Unglück kam. Foto: Roland Sprich

Ein Massensturz mit rund 70 Verletzten beim Riderman in Bad Dürrheim – lässt sich so etwas verhindern? Der Veranstalter Kai Sauser steht nach dem Rad-Drama Rede und Antwort.

„Wir sind noch geschockt.“ Am Tag nach den zwei Massenstürzen während der dritten Etappe des Ridermans rund um Bad Dürrheim sind auch bei Kai Sauser, der das Event mit seinem Bruder Rik organisiert, die Nachwirkungen des Unglücks noch zu spüren. Kein Wunder: Stürze, so sagt der erfahrene Radsport-Veranstalter, gebe es bei Rennen immer wieder – jedoch keinesfalls in diesen Dimensionen.

Es passierte am Sonntag gegen 11.30 Uhr. In einer Linkskurve auf der gesperrten Kreisstraße zwischen Bad Dürrheim und Biesingen wurde am linken Fahrbahnrand das „unkontrollierte Sturzgeschehen“ – so erklärt die Polizei – ausgelöst. Der erste Massensturz löste eine Aufstauung aus, der wiederum einen zweiten Massensturz auslöste. 70 Verletzte, von denen rund 38 mit schwereren Verletzungen in Kliniken eingeliefert werden mussten, gab es am Ende zu beklagen.

Dankbar gegenüber den Einsatzkräften

„Zum Glück“, so hält Sauser am nächsten Tag das Wichtigste fest, „gab es keine Schwerstverletzten“. Ein Teilnehmer, der den Sauser-Brüdern persönlich bekannt ist, lag über Nacht auf der Intensivstation, „er kann heute aber wieder auf die Normalstation verlegt werden“. Zu allen Verletzten habe man freilich keinen Kontakt, aber insgesamt zeichne es sich ab, dass „etliche schon wieder aus den Kliniken entlassen wurden oder heute entlassen werden“, so Sauser im Gespräch mit unserer Redaktion am Montagvormittag.

Bei den Organisatoren steht in diesem Zusammenhang auch die Dankbarkeit gegenüber den Einsatzkräften im Mittelpunkt. Die Rettungskette habe bestens funktioniert, innerhalb kürzester Zeit seien erste Helfer da gewesen – über die Integrierte Leitstelle wurde Großalarm ausgelöst. Nicht nur das: Auch aus dem Pulk gab es spontane Helfer. „Zwei Fahrerinnen waren Ärztinnen und haben das Rennen freiwillig beendet, um Erste Hilfe zu leisten“, so Sauser.

Geplatzter Reifen oder normaler Sturz?

Für die Organisatoren blieb bislang noch keine Zeit, die Geschehnisse umfangreich aufzuarbeiten. Auch hinsichtlich des Auslösers für den folgenreichen Massensturz gibt es nach Angaben der Organisatoren noch keine gesicherten Informationen. Aus dem Fahrerfeld sind den Sausers zwei mögliche Ursachen genannt worden.

„Es ist ein Knall gehört worden, der auf einen geplatzten Reifen zurückzuführen sein dürfte“, so Sauser. Ein anderer Fahrer sprach hingegen davon, dass „ein allein beteiligter Sturz ohne Einhaken“ den Massensturz ausgelöst hat. „Zu 100 Prozent können wir das Unglück aber noch nicht nachvollziehen.“

Massenstart bei Planung berücksichtigt

Klar ist aber schon jetzt für die Veranstalter: „Verhindern lässt sich so etwas nicht.“ Der Radsport birgt grundsätzlich ein Gefahrenpotenzial, die Möglichkeiten sich zu schützen, sind begrenzt. Bei der Planung hätten die Riderman-Macher die Auswirkungen eines solchen Massenstarts ohnehin in der Auswahl der Route berücksichtigt. „Deshalb fahren wir zunächst auch zur Hirschhalde hoch – da ist es breit und langgezogen“, so Sauser. Zudem sei der Massensturz im Führungsfeld passiert, „da sind in der Regel ja eher die versierten Fahrer unterwegs“. Kurzum: Mechanismen, um solche Ereignisse zu verhindern, gebe es nicht.

Ob das Unglück Auswirkungen auf die zukünftigen Veranstaltungen haben wird, kann Sauser nicht abschätzen. Das sei definitiv noch zu früh, erklärt er. Für ihn stehe zunächst im Vordergrund, dass sich alle Verletzten schnell erholen.