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Schon am Mittwoch sollen auf der Filstalstrecke mehr Go-Ahead-Züge eingesetzt werden. Seit Mitte Dezember kritisieren Pendler, dass Züge überfüllt und verspätet fahren.

ReichenbachSchon diesen Mittwoch soll es auf der Filstalstrecke besser werden. In einem Krisengespräch im Stuttgarter Verkehrsministerium am Dienstag versprach der Betreiber Go-Ahead, schon diesen Mittwoch in den Hauptverkehrszeiten mehr Fahrzeuge auf der Strecke einzusetzen. Seit dem Fahrplan- und Betreiberwechsel Mitte Dezember haben die Beschwerden über verspätete und überfüllte Züge kein Ende genommen. Er habe deshalb, so teilte Minister Winfried Hermann mit, von der Geschäftsführung von Go-Ahead Baden-Württemberg „rasche Lösungen“ bei den Kapazitäts- und Qualitätsproblemen auf den neu betriebenen Strecken verlangt.

„Go-Ahead erfüllt unsere vorgegebenen Kapazitätsanforderungen vielfach nicht. Das gilt insbesondere im Berufsverkehr,“ erklärte der Minister. Hinzu kämen zuletzt zu viele personalbedingte Ausfälle ganzer Zugfahrten. Hermann: „Wir erwarten eine unverzügliche Besserung.“ Es nicht helfe, wenn Go-Ahead bei vielen Zügen mehr als die vom Land bestellte Kapazität fahre, wenn die entscheidenden Pendlerzüge in den Stoßzeiten zu kurz seien. Der Minister forderte auch den Fahrzeughersteller Stadler Pankow auf, die noch ausstehenden drei Züge zeitnah an Go-Ahead zu liefern.

Ein neuer Zug noch im Januar

Auf einen EZ-Artikel in der Dienstag-Ausgabe hat Stadler Pankow reagiert. Bei den drei fehlenden Fahrzeugen, so teilt das Berliner Unternehmen mit, handle es sich um „Options-Fahrzeuge“, die erst ab Mitte Februar ausgeliefert würden. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember seien alle 28 für diesen Zeitpunkt bestellten Fahrzeuge für Baden-Württemberg startklar gewesen. Der technische Geschäftsleiter von Go-Ahead BW, Gordon Lemke, Stadler erklärte allerdings im Ministerium, Stadler habe zugesagt, Ende Januar einen und im Februar zwei Züge zu liefern. Diese drei Züge seien notwendig, um einen stabilen Betrieb sicherzustellen. Lemke erklärte weiterhin, die Probleme seien erkannt, man arbeite intensiv an kurzfristigen Lösungen. So werde von diesem Mittwoch an dafür gesorgt, dass im Filstal in den Hauptverkehrszeiten mehr Fahrzeuge eingesetzt werden – entsprechend der Bestellung des Landes.

Auf dem Reichenbacher Rathaus hat Heike Eberlein, Leiterin des Ordnungsamtes, die Beschwerden gesammelt. Als Pendlerin macht sie selbst täglich Erfahrungen und hat eine Taktik entwickelt: Sie nutzt den Schaukeltakt aus und nimmt möglichst einen der Züge, die schon 17 Minuten auf den anderen folgen und nicht den nach der 40-Minuten-Pause. Eine Garantie, dass es noch genügend Platz im Zug gibt, ist das nicht. „Mal hat man Glück, mal Pech.“ Letzte Woche hat sie zwei Stunden für die Fahrt ins Büro benötigt, weil in Uhingen die Türen klemmten und der nächste Zug schon voll war. Ein Fahrgast, so erzählt Eberlein, habe sich angesichts der überfüllten Züge an die Sendung „Wetten dass“ erinnert, in der versucht wurde, 20 Personen in einem VW Käfer unterzubringen.

Ähnliche Gefühle hat auch Pamela Gutzeit, die auf dem Facebook-Account der EZ notiert hat: „Es erinnert eher an einen Viehtransport“. Marion Göttfert schreibt dort: „Seit 7. Januar sind die Züge zu den Hauptverkehrszeiten entweder überfüllt oder ausgefallen. Ich weiß nicht, wann das Land die benötigten Kapazitäten gezählt hat. . . . auch die Ausfälle sind deutlich höher als früher.“ Boris Rehn meint: „Toll dass das Land Entschädigungszahlungen für Verspätung, Ausfälle bzw. Nichteinhaltungen der Sitzplatzkapazitäten bekommt und die Pendler weiter ihr volles Monats-/ Jahresabo bezahlen und immer noch keinen Platz haben.“

App ist unzuverlässig

Gekrönt werden die Zugprobleme durch Informationsdefizite hinzu. Die Hinweise auf der Bahn-App stimmen häufig nicht. Heike Eberlein: „Laut App kommt der Zug pünktlich und dann kommt er doch verspätet – oder auch gar nicht.“

Auch der Göppinger Landtagsabgeordnete Alex Maier (Grüne) hatte sich am Montag an die Chefs von Go-Ahead gewandt. Um die „unhaltbaren Zustände auf der Filstalbahn schnellstmöglich zu beenden“ sollten auch unkonventionelle Lösungen geprüft werden, zum Beispiel Busse, um die Züge in den Stoßzeiten vorübergehend zu entlasten. Im Laufe des Mittwochs wird man sehen, ob das noch nötig ist oder die angekündigte Verbesserung greift.

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