Während die Baumärkte derzeit nicht vorhaben, in das Geschäft mit Cannabis-Anbau einzusteigen, profitieren Spezialgeschäfte von der Teillegalisierung. Vor allem die Nachfrage nach Produkten für den Indoor-Anbau ist sprunghaft angestiegen.
Die seit 1. April gültige Cannabis-Teillegalisierung, der zufolge jeder Erwachsene drei Hanfpflanzen züchten darf, beschert Spezialgeschäften für inhäusigen Pflanzenanbau offenbar einen Kundenansturm: Die Firma Rauchbombe, ein sogenannter Growshop in der Tübinger Straße in Stuttgart, vermeldet auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir sind am Tanzen.“ Insbesondere der Markt für Beleuchtungssysteme, die hilfreich seien, um Cannabis-Pflanzen zu Hause anzubauen, habe sich innerhalb von drei Tagen „vollends geleert“. Auch bei seinen Großhändlern sei die Ware ausverkauft, sagt Heiko Wirth, einer der Inhaber: Manche würden nicht einmal mehr Bestellungen gegen Vorkasse annehmen, andere Großhändler für entsprechende Lampen nicht mehr ans Telefon gehen. Zwar habe er mit starker Nachfrage nach dem 1. April gerechnet, so Wirth, der Ansturm der Kunden übersteige aber seine Vorstellung bei weitem. Er werde nun versuchen, über Lieferanten im europäischen Ausland Nachschub an Lampen zu erhalten. Wer im Internet nach Großhändlern für Growshops sucht, stößt etwa auf der derzeit in Wartung befindlichen Website der Firma Bloomtech in Northeim auf den Hinweise: „Wir sind gezwungen, bis auf weiteres keine Bestellungen mehr entgegenzunehmen.“
„Wir sind ziemlich ausverkauft“, sagt auf Anfrage auch Paul Treschl, der drei sogenannte Head- und Growshops mit dem Namen High Society betreibt, einen davon in Ludwigsburg. Treschl spricht von einer „Umsatzsteigerung von 300 bis 400 Prozent“ seit dem 1. April. Gefragt seien neben Lampen vor allem „geruchsdichte Anbauboxen“. In der Branche würden mittlerweile „sehr lange Wartelisten“ geführt.
Die klassischen Baumärkte machen nicht mit
Den großen Baumärkten in und um Stuttgart hingegen bringt die Teillegalisierung offenbar kein Umsatzplus: „Wir führen keine für den Anbau beziehungsweise die Zucht von Cannabis-Pflanzen spezifischen Produkte und werden unser Sortiment aufgrund der zum 1. April beschlossenen Teil-Legalisierung auch nicht anpassen“, teilt die Handelskette Obi auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung mit. Der Obi-Sprecher weiter: „Eine gestiegene Nachfrage nach handelsüblichen Produkten wie beispielsweise Blumenerden oder -düngern über das saisonal bedingt höher zu erwartende Niveau beobachten wir nicht.“
Auch die Pressestelle des Mitbewerbers Bauhaus verzeichnet keinen Run auf Produkte, die sich zum Anbau von Hanfpflanzen eignen würden: „Bauhaus stellt gegenwärtig keine gesteigerte oder atypische Nachfrage nach entsprechenden Produkten fest, die unmittelbar mit der Teillegalisierung im Zusammenhang stehen“, teilt ein Unternehmenssprecher mit. „Überdies hat die Teillegalisierung von Cannabis keinen Einfluss auf die aktuelle Sortimentsgestaltung“, heißt es aus der Bauhaus-Pressestelle weiter.
Auch das Unternehmen Hornbach, das unter anderem in Remseck, Ludwigsburg und Esslingen Bau- und Gartenmärkte betreibt, profitiert derzeit nicht von der Cannabis-Teillegalisierung, etwa durch den Verkauf von Anbau-Zubehör: „Es gibt keine Nachfrage danach, und wir stellen unser Sortiment nicht um“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Auch in absehbarer Zeit beabsichtige Hornbach nicht, ein spezielles Cannabis-Sortiment anzubieten.