Das evangelische Gemeindehaus am Blarerplatz wird von vielen Vereinen geschätzt. Nun soll sich eine Initiativgruppe um ein Nutzungskonzept bemühen, das auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Foto: Archivfoto: Bulgrin - Archivfoto: Bulgrin

Noch im Juni vergangenen Jahres wollte die evangelische Kirche ihr Gemeindehaus am Esslinger Blarerplatz verkaufen. Aber nachdem sich Pläne, darin die Stadtbücherei unterzubringen, zerschlagen haben, wird nun an einem Nutzungskonzept gearbeitet.

EsslingenNoch im vergangenen Juni wollte eine deutliche Mehrheit des evangelischen Gesamtkirchengemeinderats das Gemeindehaus am Esslinger Blarerplatz und die Franziskanerkirche verkaufen. Jetzt geht der Kirchengemeinderat einen anderen Weg und hat eine Initiativgruppe damit beauftragt, ein Nutzungskonzept für das Blarer-Haus und die Kirche zu entwickeln. Der ursprüngliche Plan, in den kirchlichen Immobilien die Stadtbücherei unterzubringen, ist längst gescheitert.

Ein jährliches Defizit von ungefähr 100 000 Euro und die enge Finanzlage der Kirche hatten den Kirchengemeinderat letztlich dazu bewogen, sich für den Verkauf der beiden Gebäude zu entscheiden. Doch die Hoffnung, mit der Stadt Esslingen eine Käuferin zu finden, die mit ihrer Stadtbücherei ins Gemeindehaus einzieht, währte nur kurze Zeit. Nun also soll sich eine Gruppe darüber Gedanken machen, wie Gemeindehaus und Franziskanerkirche in Zukunft genutzt werden. Gedacht ist beispielsweise an Veranstaltungen der Erwachsenenbildung, der Jugend oder Diakonie, aber auch an Gruppen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und an Kulturveranstaltungen. „Die zahlreichen Chöre und Ensembles aus der reichen Esslinger Kulturszene sollen weiterhin Auftrittsmöglichkeiten haben“, versichert die Kirche.

Initiativgruppe Blarer

Der vom Gesamtkirchengemeinderat beauftragten „Initiativgruppe Blarer“ gehören unter anderem die Kulturwissenschaftlerin Christel Köhle-Hezinger und der Journalist Uwe Mönninghoff an. Sie haben sich ähnliche Häuser wie die kirchlichen Gebäude am Blarerplatz in anderen Städten angesehen und sollen konkrete Nutzungskonzepte entwickeln. „Es ist uns auch ein Anliegen, das Quartier-Umfeld des Blarer-Gemeindehauses stärker zu bedenken“, sagt Dekan Bernd Weißenborn. So liegt das evangelische Gemeindehaus beispielsweise direkt neben der städtischen Musikschule.

Dekan Weißenborn begrüßt die Initiative. Immerhin ließ er sich seinerzeit als ursprünglicher Befürworter eines Verkaufs von Bürgerprotesten umstimmen. So hatten sich etwa vor der Entscheidung des Gesamtkirchengemeinderats im Juni vergangenen Jahres 250 Menschen mit einer Menschenkette dafür eingesetzt, das Blarer-Haus und die Franziskanerkirche in ihrer gewohnten Nutzung zu bewahren. Während der entscheidenden Sitzung warb Bernd Weißenborn schließlich dafür, das Gemeindehaus sowie die Franziskanerkirche zu halten und Konzepte zu entwickeln, um die Gebäude auf eine solide und wirtschaftliche Basis zu stellen. Damals verweigerte der Kirchengemeinderat dem Dekan mit 21 gegen fünf Stimmen die Unterstützung.

Nun also der Umschwung, wobei Weißenborn darauf hinweist: „Durch eine Reihe von Maßnahmen ist es der Gesamtkirchengemeinde bereits gelungen, das Defizit im Betrieb des Gemeindehauses signifikant zu reduzieren und die Belegung zu verbessern.“

Demnächst wird der Esslinger Gemeinderat darüber entscheiden, wo künftig die Stadtbücherei untergebracht wird. Dabei spielt dann die Variante Gemeindehaus keine Rolle mehr. Im Rennen sind nur noch der bisherige Standort im Bebenhäuser Pfleghof sowie ein Neubau zwischen Küferstraße und Kupfergasse.

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