Veronika Kienzle ging als Kandidatin der Grünen nach der ersten Wahl als Zweitplatzierte aus dem Rennen. Zuvor versuchte sie, ein Bündnis zu schmieden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Grünen in Stuttgart wollen die für sie völlig verkorkste OB-Wahl in Stuttgart möglichst rasch hinter sich lassen. Man Blicke nach vorn, sagt der Kreisvorsitzende, in Richtung Landtagswahl.

Stuttgart - Den Start als Kreisvorsitzender bei den Stuttgarter Grünen hatte sich Florian Pitschel (28) sicher anders vorgestellt. Am Samstag moderierte er das digitale interne Mitgliedergespräch zur OB-Wahl, deren Befund für die Grünen nach dem Rückzug von Veronika Kienzle nach dem ersten Wahlgang (17,2 Prozent) nicht anders als desaströs lauten kann. „Wir verfallen nicht in Unruhe, schauen nach vorn, wir wollen wieder vier Landtagsmandate gewinnen“, sagte Pitschel am Montag. 150 Mitglieder hatten sich am Samstag zu der vierstündigen Sitzung eingewählt, der Gesprächsbedarf war groß, es habe eine „große Meinungs- und Beratungsvielfalt“ gegeben. „Ein Verriss ist aber ausgeblieben“ umschreibt Pitschel die Debatte, aus der er den Kritikpunkt „Kampagne“ herausgreift. Für die Landtags- (14. März) und Bundestagswahl (26. September) schaffen die Grünen eine zusätzliche Halbtagsstelle für einen oder eine Campaigner/-in, der Unterstützer und Wähler mobilisieren soll. Das sei eine der Lehren aus der Corona-Krise und „definitiv eine Schwäche bei der OB-Wahl“ gewesen.

Es habe auch schon vor der Aussprache kontroverse Diskussionen über OB Kuhns überraschende Absage der Wiederkandidatur und die Frage gegeben, ob es nach Kienzles schlechtem Abschneiden einen neuen Kandidaten gebraucht hätte. „Das war nie eine Option, Veronika Kienzle war die richtige Kandidatin“, sagt Pitschel – es gab ansonsten kein Interesse, die Partei kassierte mehrere Absagen. Grünen-Urgestein Rezzo Schlauch (73) hatte seine gegenteilige Meinung nach der ersten Wahl öffentlich gemacht, er vermisste „Professionalität der Parteigremien“, die Grünen seien „selbstzufrieden und satt“ geworden. Dazu lässt Pitschel ein leises Aufstöhnen hören. „Schlauch war OB-Kandidat, als ich in die Grundschule ging“, sagt der Kreisvorsitzende. Wenn sich 150 Mitglieder vier Stunden lang beteiligten und in Arbeitsgruppen auch Ideen sammelten, zeige das, „dass wir den Kopf nicht in den Stand stecken, sondern weiter Politik machen wollen“.

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