Großbritannien ist der sechstwichtigste Handelspartner Baden-Württembergs, im Maschinenbau liegen die Briten sogar an fünfter Stelle. Foto: AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS

Der Brexit ist vollzogen, doch ein Handelsabkommen zwischen der EU und den Briten gibt es noch nicht. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium setzt deshalb auf bilaterale Kontakte.

Stuttgart - Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin will angesichts des Brexits künftig noch enger mit britischen Wirtschaftspartnern kooperieren. Am Montag kündigte Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gemeinsam mit dem britischen Generalkonsul Simon Kendall in Stuttgart einen entsprechenden Plan an - die „Economic Partnership Initiative“ zwischen Baden-Württemberg und dem Vereinigten Königreich, einer strategischen Wirtschaftszusammenarbeit, die in Abstimmung mit dem britischen Außenhandelsministeriums entwickelt wurde.

Die Sorge um die Zukunft nach dem 31. Dezember sei in der Wirtschaft groß, sagte Hoffmeister-Kraut. Das habe auch das fünfte Brexit-Spitzengespräch gezeigt, das am Montag mit Wirtschaftsverbänden und -kammern in Stuttgart stattfand und an dem Generalkonsul Kendall teilnahm. Bis zum 31. Dezember bleibt Großbritannien noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion, um einen „harten Brexit“ zu vermeiden. Ob sich das Land und die EU in diesem Zeitraum auf ein Handelsabkommen verständigen können, ist jedoch offen. Der Zeitrahmen sei denkbar knapp, sagte Hoffmeister-Kraut dazu und warnte: „Wir müssen stets das Worst-Case-Szenario eines ungeregelten Brexit im Blick behalten.“

Großbritannien ist der sechstwichtigste Handelspartner Baden-Württembergs

Die Ministerin und der Generalkonsul setzen deshalb mit der „Initiative für wirtschaftliche Partnerschaft“ auf bilaterale Kooperation jenseits der Entwicklung auf EU-Ebene. „Wir haben schon jetzt sehr gute Verbindungen“, sagte Kendall. Im Südwesten lebten und arbeiteten 10 800 britische Bürger, es gebe zahlreiche und enge Handelsbeziehungen. Man stehe vor ähnlichen Herausforderungen, etwa der Elektromobilität und KI (Künstlicher Intelligenz). In diesen innovativen Bereichen wolle man zusammenarbeiten. „Baden-Württemberg ist kein kleiner Player, sondern eines der innovativsten Länder in Deutschland. Die künftige Zusammenarbeit liegt in unser beider Interesse“, sagte Kendall.

Auch kleine und mittelständische Unternehmen soll Unterstützung erhalten, fügte Hoffmeister-Kraut hinzu, etwa bei den vielen Fragen rund um den Brexit, aber auch generell bei der Zusammenarbeit mit britischen Unternehmen. Dafür würden die entsprechenden Netzwerke aufgebaut.

Großbritannien ist der sechstwichtigste Handelspartner Baden-Württembergs, im Maschinenbau liegen die Briten sogar an fünfter Stelle.

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