Kampf um den Ball und um den Klassenverbleib: Silvan Kenner (rechts) und Markus Stuber. Foto: Rudel - Rudel

Der TSV verspielt in der letzten halben Minute eine Führung

DeizisauWenn man die eigenen Nerven und die Abstiegsangst als zusätzliche Gegner hat, dann wird es schwer, ein Spiel zu gewinnen. Und wenn man eine insgesamt so schwache Saison spielt wie die Handballer des TSV Deizisau in der Baden-Württemberg Oberliga, dann ist die Gefahr groß, dass man absteigt. Nach dem 29:29 (16:17)-Unentschieden im Abstiegsduell mit der SG Lauterstein stehen die Deizisauer auf dem vorletzten Platz und mit anderthalb Beinen in der Württembergliga. Mit einem Sieg wäre die Mannschaft auf Platz 13 geklettert, Platz zwölf bedeutet wahrscheinlich die Relegation.

„Ich weiß es nicht“, antwortete der am Saisonende scheidende Trainer Daniel Mayr auf die Frage, was der eine Punkt bedeuten könnte. „Wir hatten es in der Hand. Jetzt haben wir noch zwei Spiele und werden alles geben.“ Mayr war sichtlich gezeichnet, vor allem von der Schlussphase. Wie Kapitän Dennis Prinz. „Ich bin so enttäuscht, den Ball dürfen wir nie hergeben“, sagte er und versuchte, sich mit dem klatschnassen Trikot den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen.

Die ganze Schwere einer Saison schien sich in der letzten Minute, genau genommen in den letzten 26 Sekunden widerzuspiegeln. Die Deizisauer führten mit 29:28 und waren in Ballbesitz. Doch sie vertändelten das Spielgerät, ganz ohne Not und ohne, dass Zeitspiel angezeigt war. Die Lautersteiner hatten den Ball. Max Dangelmaier versenkte ihn im Deizisauer Tor – doch zu seinem Pech hatte sein eigener Trainer Lars-Henrik Walther direkt davor eine Auszeit beantragt. Der Treffer zählte nicht.

Neun Sekunden vor Schluss nahm Mayr dann seine letzte Auszeit. Er warnte die Spieler davor, die Lautersteiner würden es mit einem Kempa-Trick versuchen. Und was passierte? Genau. Mit einem Kempa, abgeschlossen von Markus Stuber, erzielten die Gäste den Treffer zum 29:29-Ausgleich. Vorbei.

Vorbei, auch, was den Klassenverbleib betrifft? Es wird eng. Und es ist alles eng im Tabellenkeller. Die Mannschaften auf den letzten sechs Plätzen liegen nur zwei Punkte auseinander. Doch in den vergangen Wochen punkteten die Kellerteams regelmäßig, teilweise gegen Mannschaften, für die es um nichts mehr geht. Wie am Tag zuvor der Letzte TSV Amicitia Viernheim, den der Vorletzte Deizisau am letzten Spieltag erwartet. Und wie die Lautersteiner zuvor gegen den TV Plochingen. Und wie die Deizisauer selbst. Ein Sieg gegen Lauterstein wäre der dritte in Folge gewesen. Wäre.

Marko Neusser wird in den verbliebenen beiden Spielen nicht mehr helfen können. Der Rückraumspieler zog sich ohne Gegnereinwirkung eine Verletzung im Fuß zu, möglicherweise einen Achillessehnenriss.

Zu wenig Verantwortung

Es war ein schwaches Spiel. Von beiden Teams. Vor allem von beiden Abwehrreihen. Leichte Vorteile schienen aufseiten der Deizisauer zu liegen. Doch sie machten regelmäßig zum falschen Zeitpunkt zu leichte Fehler. Zu wenig Spieler wagten sich aus der Deckung, übernahmen Verantwortung, kämpften. Marco Kugler etwa versuchte es, machte wichtige Tore, verteidigte verbissen gegen den verbissen angreifenden Dangelmaier, riss (mit zerrissenem Trikot) die Mitspieler mit – und war dann wieder zu ungestüm und hastig. Yannik Taxis verwandelte ganz cool alle seine sieben Siebenmeter, trat auf seiner Stammposition auf Linksaußen aber selten in Erscheinung. Torhüter Niklas Prauß, den Mayr früh für Alin Illi brachte, machte ein gutes Spiel. Am Ende aber war das alles zu wenig. Für einen Sieg im Kellerduell. Und wahrscheinlich auch für den Klassenverbleib.

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