Der Partygrieche Cavos, bekannt für Serviettenwurf und Kerzen, feiert nach der Schweizer Katastrophe anders. Zieht auch die Stadt Stuttgart Konsequenzen?
Die Brandkatastrophe im Schweizer Ferienort Crans-Montana beschäftigt noch immer die Stuttgarter Clubszene. Gastronomen und Gäste hinterfragen Showeffekte und diskutieren über mögliche Konsequenzen.
Jetzt reagiert auch der Partygrieche Cavos, der bisher bekannt war für heftiges Feiern nach dem Essen mit Serviettenwurf, Kerzen und Feuerfontänen zum Champagner. Wie Betreiber Thom Dobler unserer Redaktion mitteilt, verwendet das Lokal ab sofort ausschließlich LED-Lichter.
Cavos in Stuttgart: LED-Stroboblitze statt offenem Feuer
Kerzen auf den Tischen und Feuerwerk an Flaschen seien fortan Geschichte. „Offenes Feuer hat bei uns keinen Platz mehr“, erklärt der Cavos-Chef. Eine Ausnahme gelte lediglich für den baulich getrennten Raucherraum. Ansonsten habe man pyrotechnische Effekte, aber auch normale Kerzen vollständig durch LED-Stroboblitze ersetzt.
Der Schritt ist nicht zufällig. Im Cavos gehört es zum Ritual, dass Gäste zur späten Stunde Servietten werfen – ein beliebter, aber auch brandgefährlicher Brauch. Nicht immer waren alle Kerzen erloschen, wenn die Show nach dem Essen begann. Oder es kam auch noch Pyrotechnik hinzu.
Wie oft die Stadt den Brandschutz in Clubs kontrolliert
Zieht auch die Stadt Stuttgart Konsequenzen? Wie ein Rathaussprecher auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, müssen insgesamt 523 Versammlungsstätten und Diskotheken überprüft werden – so hoch ist der aktuelle Stand in Stuttgart bei den Konzessionen.
Hinzu kämen 158 weitere Besucherbereiche in Untergeschossen von Gast- und Vergnügungsstätten, die noch streng kontrolliert werden müssten. Jeder Betrieb müsse damit rechnen, etwa alle fünf Jahren kontrolliert zu werden.
Stuttgart setzt auf strenge Brandschutzvorgaben in Clubs
Während einzelne Clubs in Stuttgart freiwillig nachbessern, verweist ein Rathaussprecher auf bereits bestehende Vorgaben. Eigene Erkenntnisse darüber, welche Art von Pyrotechnik bei der Katastrophe von Crans-Montana zum Einsatz kam, liegen der Stadtverwaltung nach eigenen Angaben nicht vor. Eine fachliche Bewertung sei daher nicht möglich. Unabhängig davon habe der Brandschutz in Stuttgart jedoch einen hohen Stellenwert. Von einem geplanten Verbot ist keine Rede.
„Brandrisiken in Clubs und anderen Versammlungsstätten sind umfassend geregelt“, teilt der Stadtsprecher mit. Zuständig seien mehrere Rechtsbereiche: Bauliche Anforderungen fallen unter das Baurecht, der Einsatz von Pyrotechnik unter das Sprengstoff- und Versammlungsstättenrecht. Federführend ist das Amt für öffentliche Ordnung, das eng mit der Branddirektion zusammenarbeitet.
Ein zentrales Instrument sind die sogenannten Brandverhütungsschauen. Werden bei den Kontrollen Mängel festgestellt, ordnet die Stadt deren Beseitigung an und überprüft später die Umsetzung.
Die baurechtlichen Vorgaben sind detailliert: Rettungswege müssen klar gekennzeichnet und ausreichend breit sein, Wand- und Deckenverkleidungen aus schwer entflammbaren oder nicht brennbaren Materialien bestehen. Je nach Größe und Lage der Räume sind zudem sicherheitstechnische Anlagen wie Entrauchungssysteme vorgeschrieben – insbesondere in Kellergeschossen.
Sicherheit in Stuttgarts Clubs: Strenge Regeln für Pyrotechnik
Auch der Einsatz von Pyrotechnik ist streng reglementiert. Sie wird je nach Gefährdungspotenzial in verschiedene Kategorien eingeteilt. Während Kleinstfeuerwerke der Kategorie F1 bei sachgemäßer Nutzung als vergleichsweise ungefährlich gelten, sind für nahezu alle anderen Kategorien Genehmigungen oder Befähigungsscheine erforderlich.
Zwischenfälle mit Feuerfontänen seien der Stadt Stuttgart in den vergangenen Jahren nicht bekannt geworden. Dennoch gibt es Clubbesucher in Stuttgart, die von einzelnen Vorfällen berichten, etwa von angesengten Haaren und verbrannten Kleidungsstücken oder Tischdecken. Man habe aber das Feuer immer rasch löschen können, ist zu hören.
Die Reaktion des Cavos, aber auch von der Boa, des Perkins Park, des Classic Rock Cafés und des Schwabengarten (dort werden keine Feuerfontänen mehr verwendet), zeigen dennoch: Die Katastrophe von Crans-Montana hat das Sicherheitsbewusstsein in der Clubszene geschärft. Wo früher Flammen und Funken für Stimmung sorgten, übernehmen nun immer öfter LED-Lichter die Regie – leiser, kühler, deutlich sicherer. Die Verkäufer der feuerlosen Alternativen berichten von einem steigenden Umsatz.