Die Postfiliale sowie der dortige Unverpackt-Laden und das Stoffgeschäft Reeby sind besonders in Mitleidenschaft gezogen worden. Alles ist mit Ruß überzogen. Foto: Kathrin Klette

Die Postfiliale hat es nach dem Tiefgaragenbrand in Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) besonders schlimm erwischt. Andere kamen glimpflicher davon. Wie geht’s weiter für die Betroffenen?

In der Luft hängt der Geruch von Qualm und Ruß. Manche Kunden stehen vor verschlossenen Ladentüren, wundern sich, kehren unverrichteter Dinge wieder um. Zwei Einfahrten, die sonst zur großen Tiefgarage in der Vaihinger Innenstadt führen, sind mit Baken und Bändern abgesperrt.

Der Brand in der Innenstadt von Vaihingen an der Enz hat deutliche Spuren hinterlassen. Und die werden wohl noch eine ganze Weile zu spüren sein – nicht nur für die Anwohner.

Knapp 50 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen

Angefangen hat alles in der Nacht auf Donnerstag. Gegen 2 Uhr wird die Feuerwehr zur Tiefgarage unter dem Wohnkomplex an der Ecke Keltergasse/Heilbronner Straße gerufen. Neun Autos brennen lichterloh. Wegen der starken Rauchentwicklung müssen die angrenzenden Häuser evakuiert werden.

Zwar können die knapp 50 Bewohner bereits in den Morgenstunden wieder zurück in ihre Wohnungen, allerdings ist die Wasser- und Stromversorgung unterbrochen. Das führt dazu, dass auch die anliegenden Geschäfte am Donnerstag sämtlich geschlossen bleiben.

Tags darauf hat sich die Lage zumindest etwas beruhigt. Wasser und Strom funktionieren wieder, nur in einzelnen Wohnungen konnte die Wasserversorgung noch nicht wiederhergestellt werden. Die Stadtverwaltung Vaihingen sorgte für Abhilfe und organisierte eine mobile WC-Anlage, zudem dürfen die Betroffenen kostenlos die Sanitäranlagen des Hallenbades nutzen. Das Angebot der Stadt, Betroffene in Notunterkünften unterzubringen, musste derweil niemand in Anspruch nehmen, berichtet Stadtsprecherin Astrid Kniep.

Von Alltag kann vor Ort trotzdem keine Rede sein. Da ist zum Beispiel die Zahnarztpraxis in der Radbrunnengasse. „Wir haben zwar wieder Strom und Wasser und ganz normal geöffnet, aber Telefon und Internet funktionieren nicht“, berichtet eine Mitarbeiterin am Freitagvormittag. Die Mitarbeitenden müssen sich mit Rufumleitung auf die eigenen Handys behelfen, um mit den Patienten in Kontakt bleiben zu können.

Ähnlich wie ihnen geht es noch weiteren Geschäften. „Heute keine EC-Kartenzahlung möglich“ steht groß auf der Tür des Reformhauses an der Marktgasse. „Ja, auch wir sind vom Internet abgeschnitten, bei dem Brand sind alle Leitungen weggeschmolzen“, sagt die Inhaberin Diana Hach. „Trotzdem bin ich sehr froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und wir weiter offen haben können. Da haben wir noch richtig Glück gehabt.“

Alles ist mit einer dicken Rußschicht bedeckt

Ganz anders die Postfiliale, die sich nur wenige Meter entfernt befindet. „Ich bin immer noch etwas geschockt“, sagt Rebekka Sakarli, Inhaberin des Stoff- und Kleidungsgeschäfts Reeby, das sich die Räume mit der Post und dem Unverpackt-Laden Ohne drumherum teilt. „Mit so etwas rechnet man ja nicht.“ Mit Schutzanzug und Atemmaske geht sie am Freitag durch den Laden, um sich ein Bild zu machen. Der Schaden ist unübersehbar.

Das Innere der Tiefgarage ist nach dem Brand pechschwarz. Foto: Kathrin Klette

Die Fußböden, Ablagen, sämtliches Inventar – alles ist mit einer dicken Rußschicht bedeckt. Die sonst so helle Post-Theke ist in ein dunkles Grau gehüllt, und die Luft kratzt unangenehm im Hals. „800 Ballen Stoff einfach so hinüber“, stellt sie betrübt fest. „Auch die ganzen Kleidungsstücke.“

Sobald der Schaden aufgenommen ist, muss alles raus und weggeworfen werden. Die Reinigung wird sich hinziehen, befürchtet Rebekka Sakarli. „Das hängt alles in der Decke drin, die muss also auch komplett raus. Das wird bestimmt noch Wochen dauern.“ Wie es bis dahin für sie weitergeht, kann sie jetzt noch gar nicht sagen.

Eine Betroffene, deren Auto noch immer in der Tiefgarage steht, zeigt sich ebenfalls ratlos. Denn wegen der laufenden Untersuchung – die Brandursache ist noch nicht geklärt – darf niemand in die Garage. Ohne ein Bild des Schadens komme man über die Versicherung aber nicht an einen Ersatzwagen. „Und wir müssen ja irgendwie zur Arbeit kommen“, beklagt sie.

Gibt es auch ein paar gute Nachrichten? Zumindest für die weggefallenen öffentlichen Parkplätze konnte die Stadtverwaltung eine schnelle und unkomplizierte Lösung organisieren. „In Absprache mit der Eigentümerin, der Wohnbau Oberriexingen, ist es gelungen, das Areal Graben-/Friedrichstraße für 40 Stellplätze nutzbar zu machen“, sagt Astrid Kniep. Dort befindet sich aktuell eine noch leere Baustelle. Einzelne Parkflächen sind bereits freigegeben, spätestens ab Dienstag sollen alle 40 nutzbar sein.

„Die Feuerwehr war top“

Kunden der geschlossenen Postfiliale können sich an eine der Partnerfilialen in der Pforzheimer Straße 2-4, Vaihingerstraße 12, Hauptstraße 17 oder in der Bahnhofsstraße 83 wenden – zur Paketabgabe wie auch zur Abholung. Postfachsendungen werden der DHL zufolge vorübergehend zugestellt.

„Und ich bin auch froh, dass niemand verletzt worden ist, das darf man nicht vergessen“, findet Diana Hach. „Auch die Feuerwehr war top, und die Zusammenarbeit mit der Stadt hat super funktioniert.“