Ein eingespieltes Team sind Jörg und Ingeburg Dobmeier nicht nur beim Musizieren. Foto: Andreas Kaier - Andreas Kaier

Jörg und Ingeburg Dobmeier haben an der Musikschule Köngen-Wendlingen viele junge Talente gefördert - nun gehen der Schulleiter und die Gesangslehrerin in den Ruhestand.

Köngen/WendlingenMusicals hat Jörg Dobmeier für seine Schülerinnen und Schüler komponiert. „Diese Großprojekte waren für mich eine Herausforderung“, schwärmt der Leiter der Musikschule Köngen-Wendlingen, der heute im Rahmen einer Feier verabschiedet wird. 38 Jahre lang hat der Pädagoge, der Schulmusik und Germanistik studierte, die interkommunale Einrichtung geleitet. Zunächst führte er zwei getrennte Einrichtungen. In seiner Amtszeit baute er die gemeinsame Musikschule auf. Mit seiner Frau Ingeburg, die als Gesangslehrerin tätig war, geht er nun in den Ruhestand. Dem Esslinger Oratorien-Verein bleibt Jörg Dobmeier aber als künstlerischer Leiter erhalten.

Mit der Märchenoper „Die Schneekönigin“, seiner siebten eigenen Musiktheaterkomposition, verabschiedete sich der Musikschulchef im November 2019 – zumindest vorerst. Er wolle aber nicht ausschließen, mal wieder an einem Opern- oder Musicalprojekt mitzuwirken. In welcher Rolle das sein könnte, werde sich finden. „Jetzt soll aber erst mal mein Nachfolger Ole Abraham sein Team formieren.“ Er wolle sich deshalb erst mal zurückziehen. Ganz mag der frischgebackene Rentner die Arbeit aber nicht loslassen. Im Förderverein wird er sich weiter engagieren. In Zeiten, da man immer intensiver um Zuschüsse kämpfen müsse, sei die Arbeit der Förderer wichtiger denn je.

Junge Talente gefördert

Nach 38 Jahren hinterlässt Dobmeier seinem Nachfolger eine erfolgreiche Einrichtung, in der zurzeit mehr als 800 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Viele Bundespreisträger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ sind aus der Musikschule Köngen-Wendlingen hervorgegangen. Glücklich sind Ingeburg und Jörg Dobmeier darüber, dass etliche ihrer Schülerinnen und Schüler inzwischen erfolgreiche Profimusiker sind. Martina Welschenbach gehört zum Ensemble der Deutschen Oper Berlin. Sarah Hudarew, seit Kindertagen eine Freundin von Dobmeiers Töchtern Ulrike und Christine, singt an großen Häusern wie der Semperoper in Dresden oder den Opern in Leipzig und Zürich. Noch heute denkt die Mezzosopranistin dankbar an den Gesangsunterricht von Ingeburg Dobmeier, an Hilfe und guten Rat in den ersten Jahren ihrer Karriere zurück.

Dass sich besonders begabte Kinder und Jugendliche gut entwickeln können, macht die Begabtenförderung der Musikschule möglich. Mit Unterstützung der Ehmann-Stiftung, in deren Stiftungsrat Köngens Alt-Bürgermeister Hans Weil vertreten ist, bekommen die jungen Talente Sonderunterricht. Da Jörg Dobmeier viele Jahre lang an der Staatlichen Musikhochschule in Stuttgart angehende Dirigenten unterrichtet hat, ist er bestens in der Musikszene vernetzt, hat seinen Schülern immer wieder Türen geöffnet. Die Aufgabe einer Musikschule sieht er aber vor allem darin, möglichst vielen jungen Menschen die Chance auf fundierte musikalische Bildung zu bieten.

„Der fünfte Glücksfisch“

„Neben der Förderung großer Talente war es mein Anliegen, bei Kindern und Jugendlichen Lust auf die musikalische Ausbildung zu wecken“, bringt Jörg Dobmeier sein Konzept auf den Punkt. Er selbst ist als Musiklehrer anspruchsvoll und fordernd, lässt sich aber auch liebevoll auf jene Kinder und Jugendlichen ein, die einfach Freude am Musizieren haben. „Durch die Musical-und Opernprojekte haben wir alle Schülerinnen und Schüler einbinden können“, sagt Jörg Dobmeier. Den Musikpädagogen macht es glücklich, wenn Erwachsene auf ihn zukommen und ganz stolz erzählen, „dass sie in einem der ersten Musicals der fünfte Glücksfisch waren.“ Das seien schöne Erinnerungen, auch wenn die jungen Leute dann beruflich andere Wege gingen. Wichtig waren den Dobmeiers die Musikfreizeiten. „Das ist so wichtig für die Gemeinschaft“, findet Ingeburg Dobmeier. In die Organisation hat sie viel Energie investiert.

Sein Büro hatte Dobmeier in Köngen im Altbau der Mörikeschule. Dort gibt es auch Unterrichtsräume für die Musikschule. Im Treffpunkt Stadtmitte hat die Musikschule ihr Wendlinger Domizil. Im großen Saal sind auch die ambitionierten Musiktheaterprojekte möglich. Den Neubau, der 2009 eröffnet wurde, sehen die Dobmeiers als großen Gewinn für die Einrichtung: „Früher mussten wir in der Lauterturnhalle spielen.“

Glücklich sind Jörg und Ingeburg Dobmeier, dass ihre Töchter Ulrike und Christine beruflich in ihre Fußstapfen getreten sind. Christine ist eine erfolgreiche Trompeterin und hat an der Hochschule für Musik in Karlsruhe ihr Diplom gemacht. Ulrike Sundy ist als Violinistin und Musikpädagogin erfolgreich. „Wir haben das nicht forciert“, sagt Ingeburg Dobmeier lächelnd. Dass die Töchter ihre Liebe zur Musik zum Beruf gemacht haben, freut die stolze Mutter. Als Christine Dobmeier vier Jahre alt war, stand eine Musicalproduktion an. „Wir nahmen sie zu den Proben mit, da war es am einfachsten, eine Rolle für sie zu finden“, erinnert sich Vater Jörg Dobmeier. Ganz einfach war das nicht, aber der Papa hatte die zündende Idee: Die Kleine sollte einen Vulkan spielen. Den durfte Schwester Ulrike dann über die Bühne führen.

Wie verbringt das Ehepaar Dobmeier nun die neu gewonnene Freizeit? „Wir fahren mit dem Campingbus durch Deutschland“, erzählt Ingeburg Dobmeier. Dafür sei bisher zu wenig Zeit gewesen. Und Jörg Dobmeier freut sich darauf, mit seinem Kajak die Flüsse zu erkunden.

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