So hat der Titel der ursprünglichen Filder-Zeitung ausgesehen. Das Blatt, das der Herr in Händen hält, ist aber freilich nachbearbeitet. Foto: Stadtarchiv Filderstadt/Nikolaus Back

Im Filderstadtmuseum sind unter anderem besondere Seiten und einige Originalausgaben aus 150 Jahren Zeitungsgeschichte zu sehen.

Nikolaus Back ist ein treuer Zeitungsleser. Besonders interessiert er sich für alte Artikel. „Sie haben einen hohen Quellenwert und geben den zeitgenössischen Blick auf Ereignisse wieder“, sagt der Filderstädter Stadtarchivar. Schon in frühen Jahren sei es nicht nur um amtliche Dinge gegangen, sondern auch um Politik und eher Privates. „Viele Wahlergebnisse kennen wir nur aus der Zeitung. Und viele Vereine wissen nur, wann sie gegründet wurden, weil es in einem Artikel stand“, sagt der Historiker. Für Back Grund genug, sich die Blätter ganz genau anzuschauen. Seine Arbeit mündet nun in die Ausstellung „Die Filder-Zeitung – 150 Jahre und mehr“.

Zeitungen entstanden um 1600. Zu den frühesten Blättern im heutigen Württemberger Gebiet zählt die 1714 gegründete „Riedlinger Zeitung“. Der „Stuttgarter Allgemeine Anzeiger“ folgte 1736. In den 1920ern war das 1843 gegründete „Stuttgarter Neue Tagblatt“ die größte Zeitung in Württemberg. Auf den Fildern gründete der Buchdrucker Friedrich Find in Plieningen 1872 die „Neue Filder-Zeitung“. Diese war „neu“, weil es zuvor bereits Versuche gegeben hatte, dort eine Zeitung zu etablieren, die aber scheiterten. Find hatte Erfolg: Am 1. Januar 1879 wurde seine Zeitung umbenannt in „Filder-Bote“ und zum Amtsblatt für das Amts-Oberamt Stuttgart. „Dieses umfasste neben den nördlichen Filderorten, die später zu Stuttgart gehören sollten, auch die südlichen Filderorte im heutigen Landkreis Esslingen sowie Waldenbuch und Steinenbronn im heutigen Kreis Böblingen“, so Back. Das Verbreitungsgebiet der Zeitung blieb über die Jahre größtenteils konstant.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Filder-Bote eingestellt

Ein Umbruch kam, als Karl Scharr 1898 in Vaihingen mit der „Allgemeinen Filderzeitung“ ein Konkurrenzblatt gründete und am Ende den Sieg davon trug. Die Zeitungen fusionierten zum „Filder-Boten“ mit Sitz in Vaihingen. In der NS-Zeit wurden alle Druckerzeugnisse gleichgeschaltet. Die Nazis zwangen Scharr, 55 Prozent des Filder-Boten kostenlos der NS Presse GmbH zu überlassen. Diese stellte NS-nahe Redakteure ein. „Scharr wurde aus der Redaktion gedrängt und verstarb verbittert im Dezember 1933 im Alter von 61 Jahren“, sagt Back. 1941 wurde der Filder-Bote eingestellt, angeblich wegen Papiermangels.

Als die Zeitung 1949 neu gegründet wurde, hatte sie den Mantel der Südwestpresse. Die 1950er und 1960er Jahre seien geprägt gewesen durch Berichte über Vereins- und Dorffeste, sagt Back. Aber auch Reportagen hatten ihren Platz. In den späten 1960ern und 1970ern wurde Kommunalpolitik wichtiger. „Ein Grund dafür war der Ausbau des Flughafens, der ab 1967 zum beherrschenden Thema auf den Fildern wurde“, so der Stadtarchivar. Aus wirtschaftlichen Gründen verkaufte der Scharr-Verlag 1998 die Filder-Zeitung, ab Januar 1999 erschien sie als Beilage der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten – „und das sehr erfolgreich“, sagt Back. Im Juni 2022 – genau 150 Jahre nach ihrer Gründung – wurde die Filder-Zeitung in den Lokalteil von Stuttgarter Zeitung und Nachrichten integriert.

Die Ausstellung gibt mit Texten und vielen Bildern Einblicke in die 150-jährige Geschichte der Filder-Zeitung. Es sind besondere Zeitungsseiten und Sonderausgaben aus verschiedenen Epochen zu sehen. Ein Höhepunkt ist der große Setzkasten mit den Blei-Lettern des alten Scharr-Verlags.

Daten zur Ausstellung

Öffnungszeiten
Die Ausstellung im Filderstadtmuseum, Klingenstraße 19, dauert vom 24. September bis 19. November. Geöffnet ist sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Eröffnung
Die offizielle Eröffnung am Montag, 18. September, beginnt um 18.30 Uhr in der Städtischen Galerie, Bonländer Hauptstraße 32. Es spricht unter anderem Norbert Leven, der von 1977 bis 2016 Redakteur der Filder-Zeitung war.