Dieses Diadem der letzten badischen Großherzogin wurde 2017 aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gestohlen. Die Ermittlungen sind mittlerweile eingestellt worden, das Schmuckstück bleibt verschollen. Unsere Bilderstrecke zeigt Kunstwerke, die in den letzten Jahren geklaut wurden. Foto: dpa/Fotoatelier BLM

Seit dem spektakulären Diebstahl zweier wertvoller Kunstwerke aus dem Badischen Landesmuseum hat das Kunstministerium die Sicherheitsvorgaben für die Häuser verschärft. Das Landeskriminalamt hat mitgeholfen. Fast jedes Jahr kommt etwas abhanden.

Stuttgart - Diebstahl aus Museen – das klingt nach märchenhaften Schätzen, die aus schwer gesicherten Vitrinen verschwinden. Und tatsächlich gibt es solch spektakuläre Raubzüge, wie zuletzt die Staatliche Kunstsammlung Dresden erfahren musste: Ende November 2019 wurden dort aus dem Grünen Gewölbe, der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten, Schmuckstücke in Millionenwert gestohlen. Sie sind bis heute verschollen, die Täter unbekannt. Das gilt auch für das Diadem der badischen Großherzogin Hilda (1864-1952), dessen Verlust seit 2017 das Badische Landesmuseum in Karlsruhe beklagt. Sein geschätzter Wert: 1,2 Millionen Euro.

Meist sind es allerdings Exponate von geringerem Wert, die Langfinger sozusagen im Vorbeigehen mitgehen lassen. Das zeigt eine Aufstellung des Stuttgarter Wissenschaftsministeriums für Baden-Württemberg. Mal kam eine russische Ikone abhanden (Landesmuseum Württemberg), mal waren historische Wasserhähne verschwunden (Technoseum Mannheim), dann wieder kehrte eine verliehene Armbrust nicht in die Sammlung zurück. Als skurriler Fall geht auch der systematische Diebstahl von Vogelfedern in die Kriminalgeschichte ein: Ein Schweizer hat über Jahre hinweg präparierte Greifvögel in Naturkundemuseen gerupft, darunter auch jenes in Stuttgart, um sich eine eigene Sammlung aufzubauen. 2017 wurde er dafür verurteilt.

Alarm im Ministerium

Im Grunde verging im letzten Jahrzehnt kein Jahr, in dem nicht wenigstens ein Kunstgegenstand, eine Antiquität oder ein sakraler Gegenstand an der „Tatörtlichkeit Museum“ verschwand, wie es im Amtsdeutsch der Polizeilichen Kriminalstatistik heißt. Damit sind vor allem Baden-Württembergs elf staatliche Museen sowie das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) gemeint. 2010 zum Beispiel kamen fünf Exponate abhanden, 2014 vier, 2016 waren es sogar acht. „Die Ereignisse von Dresden haben wieder gezeigt, wie verletzlich die Museen sind“, sagt Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbunds und Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe.

Der Diebstahl des großherzoglichen Diadems vor drei Jahren hat die Fachleute im Wissenschaftsministerium besonders alarmiert, denn kurz zuvor war in Karlsruhe bereits eine Elfenbeinfigur des Haller Barockschnitzers Leonhard Kern gestohlen worden. Deren Wert wird auf eine halbe Million Euro taxiert. Daraufhin geriet das Sicherheitskonzept des Museums in die öffentliche Kritik. In der Folge ließ die Landesregierung sämtliche Museen vom Landeskriminalamt auf Schwachstellen untersuchen und sicherungstechnisch beraten. Baden-Württemberg ist laut Kunstministerium das erste Bundesland, das das Thema Museumssicherheit so systematisch und flächendeckend anging.

Neuer Sicherheitsleitfaden

Mittlerweile habe jedes Museum auch eine Fachkraft für Sicherheitsfragen bestellt, die der Museumsleitung unmittelbar unterstellt sei, sagte kürzlich Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski: „Das Thema Sicherheit ist somit Chefsache.“ Und vor kurzem wurde allen Häusern auch ein 27-seitiger Sicherheitsleitfaden zur Verfügung gestellt, der organisatorische, baulich-mechanische sowie technische Empfehlungen enthält und als Basis für individuelle Sicherheitskonzepte der Häuser dient. Im Idealfall sollen bereits die Außenmauern einen vollständigen Einbruchschutz gewährleisten, heißt es darin. Innerhalb eines Museums sollen aber auch einzelne Sicherheitsbereiche entstehen. Hinzu kommen elektronisch-optische Systeme wie Kameras und Bewegungsmelder, die den baulichen Schutz ergänzen, aber nicht ersetzen. Das alles wird die Museen viel Geld kosten. Laut Olschowski stehen im Landeshaushalt 2020/2021 dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Auch für die Rekrutierung des Aufsichtspersonals und dessen Schulung gibt es nun einheitliche Vorgaben. Weitere Regeln betreffen die Zutrittsrechte von Mitarbeitern. Hier gilt der Grundsatz: Nicht jeder darf überall freien Zugang haben. Im Einzelfall sei zum Schutz eines Exponats eine personelle Überwachung notwendig, heißt es. Sicherheit hat aber ihre Grenzen dort, wo die Kulturvermittlung beginnt. So ist denn auch im Leitfaden von einem „Spannungsverhältnis zwischen der maximal sicheren Erhaltung der Kulturgüter einerseits und der möglichst uneingeschränkten Zugänglichkeit“ andererseits die Rede. Erste Erfolge kann das Wissenschaftsministerium aber bereits vermelden: Die Ikone „Heilige Olga“ war vor zwei Jahren das bislang letzte Kunstwerk, das aus einem Landesmuseum gestohlen wurde.

Wo ist das Diadem?

Ob das Schmuckstück aus dem Besitz der Großherzogin Hilda von Baden überhaupt noch in seiner ursprünglichen Form existiert, ist fraglich. Die Karlsruher Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass es bereits zerlegt und umgearbeitet wurde.

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