Vertreter vom Land und von landesweiten Sportverbänden haben sich am Freitag die EsNos zeigen lassen. Foto: Rudel - Rudel

Es war ein zäher Prozess von der Idee bis zur Realisierung der EsNos. Doch jetzt gilt die Esslinger Mountainbikestrecke als Vorzeigeprojekt für einen optimalen Interessensausgleich.

Esslingen Die Mountainbikestrecke EsNos beim Esslinger Jägerhaus ist ein Vorzeigeprojekt: Der Trail ist legal, naturverträglich erstellt und komplett von Ehrenamtlichen gebaut worden. Doch der Weg zu der Strecke war lang und steinig. Vor allem, weil es galt, ganz unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden. Genau das aber ist meistens ein Problem, wenn es um Freizeitangebote im Wald geht. Bei der Esslinger Nordschleife (EsNos) ist es in einem zähen Prozess gelungen, alle wichtigen Aspekte zu berücksichtigen. Im Rahmen der Deutschen Waldtage ist der Trail deshalb am Freitag als Paradebeispiel für einen guten Interessensausgleich präsentiert worden.

Dafür waren eigens Vertreter vom Land sowie von landesweiten Sportverbänden nach Esslingen gekommen. Sie ließen sich von Oberbürgermeister Jürgen Zieger und von Joe Reiser, dem Leiter der Radsportabteilung des TV Hegensberg, berichten, welche Hürden es in den mehr als drei Jahren von der Idee bis zur Realisierung der legalen Downhillstrecke zu nehmen galt. „Es galt, die verschiedenen Nutzungsinteressen unter einen Hut zu bekommen“, sagte OB Zieger. So habe man nicht nur Rücksicht auf Flora und Fauna nehmen müssen, sondern auch auf verschiedene Eigentümer, die Forstwirtschaft oder die Erholungsfunktion des Waldes. Für Reiser waren vor allem die vielen bürokratischen Vorgaben eine Herausforderung – nicht zuletzt, weil die EsNos ein Pionierprojekt in der Stadt war und oftmals auch in den Behörden erst einmal geklärt werden musste, was es zu berücksichtigen gilt.

Doch letztlich sei die Einrichtung der Bikeabfahrt ein gelungenes Beispiel für das Zusammenwirken von politischem Willen und den Wünschen der Bürgerschaft, befand Zieger. So sah es auch Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. „Das ist eine Blaupause dafür, wie man sich verständigen kann“, betonte sie. Das sei zwar mit Sicherheit nicht einfach gewesen, aber sie finde es toll, dass eine Gruppe engagierter Menschen auf demokratischem Wege ihr Ziel erreicht habe, trotz aller bürokratischer Hürden. Schließlich seien Letztere notwendige Regeln, um möglichst allen Beteiligten gerecht zu werden.

Und genau darum gehe es auch bei den Deutschen Waldtagen, die vom 13. bis 16. September bundesweit stattfinden. Die Aktion, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Deutschen Forstwirtschaftsrat initiiert hat, steht dieses Jahr unter dem Motto „Wald bewegt“. Sie soll einen Dialog zwischen Forstwirtschaft, Sport und Öffentlichkeit anstoßen, bei dem es um gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme geht. Schließlich sind laut Gurr-Hirsch allein in Baden-Württemberg rund zwei Millionen Menschen pro Woche im Wald unterwegs: „Da ist ganz schön was los.“ Das bedeute auch, dass es zu Konflikten zwischen den verschiedenen Nutzern kommen könne.

Das wusste auch Klaus Maier, Präsident des Württembergischen Sportbunds zu berichten. „Wir haben mit dem Sport im Wald so unsere Probleme gehabt“, räumt er ein. Vor allem die im Landeswaldgesetz verankerte Zwei-Meter-Regel, wonach Radfahren im Wald nur auf Wegen mit einer Mindestbreite von zwei Metern gestattet ist, habe seinem Verband Kopfzerbrechen gemacht. Inzwischen habe man sich aber im „Forum Erholung im Wald“ mit anderen Interessengruppen ausgetauscht. Nun würde man gern Menschen, die nicht im Verein organisiert sind, legale Angebote im Wald machen – die EsNos sei ein gutes Vorbild dafür. Beim Landessportbund Baden-Württemberg setzt man dagegen eher auf den organisierten Sport, um für Ausgleich im Wald zu sorgen: Ausgebildete Kräfte könnten die Sportler für einen respektvollen Umgang mit anderen Nutzern des Waldes sensibilisieren.

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