Retrofieber: Modelle wie die Continental GT650 von Royal Enfield wenden sich an Liebhaber des klassischen Motorradbaus. Foto: KSR Group GmbH/Andrew Jones

Dank Wiedereinsteigern und Anfängern boomt die Motorrad-Branche allgemein und die Führerschein-Klasse A2 insbesondere. Günstige Maschinen versprechen bis etwa 6500 Euro ein bisschen Freiheit.

Berlin - Während die Motorradwirtschaft 2020 europaweit ein Zuwachs von vier Prozent verzeichnen konnte, wuchs der deutsche Markt für Motorräder über 125 ccm gar um staatliche 17 Prozent, so der Industrieverband Motorrad (IVM). Da mag sich manch einer ein kleines Stückchen der Freiheit mit einem neuen Motorrad zurückgeholt haben, quasi ein Ersatz für den ausgefallenen Urlaub. Auch in der Einsteigerklasse mit 48 PS für den A2-Führerschein gibt es attraktive Maschinen. Je nach Anbieter und Modell kosten die zwischen 5000 und 6000 Euro, überfordern Anfänger nicht, sind aber doch allemal Motorrad genug, um auch einem „alten Hasen“, der die alte Liebe wiederentdeckt hat, viel Freude zu bereiten.

„In diesem breitgestreuten Segment kann jeder fündig werden“, sagt Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). Ob vollverkleideter Sportler oder reisetauglicher Tourer, ob charmantes Retro-Bike oder geländetaugliche Enduro. Hier sei wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

Was auch daran liegt, dass immer mehr chinesische Anbieter auf den Markt drängen. So wie zum Beispiel Voge mit den Modellen 500 R und 500 DS. „Hinter Voge steht der chinesische Loncin-Konzern, einer der größten Motorenhersteller, der auch für BMW produziert“, erläutert Lenzen. Während die R ein typisches Naked Bike (Zweizylinder, 46,92 PS, 5400 Euro) mit modernen Elementen und Komponenten ist, habe man die DS (in der Adventure-Version für 5700 Euro) an die großen Reiseenduro-Vorbilder japanischer und deutscher Machart angelehnt.

Grundsätzlich lässt der Markenname keine Rückschlüsse auf den Standort zu. Hajo Ullrich, Motorradtrainer vom Auto Club Europa (ACE), bringt die österreichische Marke Brixton ins Spiel. Deren Bikes werden in der Alpenrepublik entworfen, aber in China produziert. Aktuelles Topmodell ist die 500 Crossfire (48 PS, 5800 Euro) im Look einer unverkleideten Maschine (Naked Bike).

Eine Maschine, die auf den angesagten Retro-Look setzt, ist die X-Ride 650 (40 PS; 6000 Euro) von Mash. Der französische Hersteller geht einen ähnlichen Weg wie Brixton: Geplant wird in der Heimat, produziert aber in China. „Die X-Ride 650 steht fast genauso da, wie ich vor mehr als 40 Jahren die Yamaha XT 500 kennen und lieben gelernt habe“, sagt Ullrich. Die Enduro sei geradezu die Wiedergeburt des Yamaha-Klassikers und setze auf bewährt antiquierte Technik.

Aber auch etablierte Hersteller haben einiges im Köcher. „Die Honda CB 500 etwa ist ein klassische Brot- und Butter-Motorrad für alle Zwecke, und das nicht nur für Einsteiger“, sagt Lenzen. Diese Maschine (48 PS, ab 6075 Euro) gibt es als Naked Bike, als Enduro oder auch in einer sportlichen Variante mit Verkleidung.

„Sportlichen Charakter weist auch die Kawasaki Z 400 auf, die 45 PS leistet und für knapp 5600 Euro zu bekommen ist“, so der Experte. Wie die genannten Hondas setzt auch die Kawasaki auf einen Zweizylinder-Motor. Aber auch wer es reduziert mag, deshalb aber nicht weniger sportlich unterwegs sein will, wird fündig in diesem Preis-Segment. Etwa bei KTM. Die 390 Duke sei ein leichter, betont sportlicher Einzylinder mit 44 PS, mit dem man wegen des geringen Gewichts auf der Landstraße so manch größere Maschine das Fürchten lehren könne, sagt Lenzen. Preis für die Duke: etwa 5450 Euro.

Apropos auf das Nötigste reduziert: Das gilt auch für Royal Enfield. Die ehemals englische Motorradmarke ist heute in indischer Hand. Über Jahrzehnte baute man nur Einzylinder-Bikes bis höchstens 500 ccm. Vor drei Jahren aber überraschte Royal Enfield mit der Interceptor 650 und der Continental GT 650. Das sind zwei technisch identische Modelle (48 PS), konstruiert nach alter englischer Parallel Twin-Lehre – also als Reihenzweizylinder. Mit den 650er-Modellen erfülle die Marke heute die Erwartungen an europäische Qualitätsstandards, so Ullrich. Das sieht auch Lenzen so, der nicht nur das klassische Design, sondern auch die gediegene Ausführung lobt. Preis: ab 6500 Euro.

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