Die Zulassungszahlen bei Motorrädern steigen stetig an. (Symbolbild) Foto: dpa/Oliver Berg

Für den baden-württembergischen Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein haben die Ausmaße von Motorradlärm einen kritischen Punkt erreicht. „Es geht so nicht weiter“, sagt Marwein.

Karlsruhe - Motorradlärm am Wochenende hat aus Sicht des Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Thomas Marwein, ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr hinnehmbar ist. „Es geht so nicht weiter“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Ob im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb oder im Odenwald: „Sobald das Wetter schön ist, sind beliebte Biker-Strecken voll und die Bewohner haben keine Ruhe mehr.“

Wer direkt an der Straße wohne, leide nicht selten unter Lärm von bis zu 100 Dezibel. „Das entspricht einem Presslufthammer. Da kann man nicht mehr auf der Terrasse sitzen. Es ist wirklich schlimm, wie die Leute in den Dörfern darunter leiden.“

Marwein: „Mit der Ruhe ist es dann vorbei.“

Die drastische Verschärfung der Lage führt Marwein zum einen auf deutlich gestiegene Zulassungszahlen bei den Motorrädern in den letzten Jahren zurück, zum anderen auf immer lautere Maschinen. Verstärkt werde das Problem durch die Fahrweise einzelner und dadurch, dass viele im Pulk dort unterwegs sind, wo andere sich ausruhen wollen. „Das hört man kilometerweit. Ob Anwohner oder Wanderer - das nervt. Mit der Ruhe ist es dann vorbei.“

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Der Lärmschutzbeauftragte forderte die Hersteller auf, leisere Maschinen zu bauen. Er kann sich auch Prämien für E-Motorräder vorstellen. „Es braucht Änderungen am Fahrzeug und am Fahrstil“, betonte er. Uneinsichtige Biker müssten durch mehr Kontrollen und hohe Bußgelder zur Räson gebracht werden. Fahrverbote nach dem „Tiroler Modell“, wo auf einigen beliebten Bergstraßen laute Maschinen von Juni bis Oktober nicht mehr fahren dürfen, wären für Marwein nur der letzte Ausweg.

Mindestens 3,5 bis 4 Millionen Bürger betroffen

Wie viele Menschen unter Motorradlärm leiden, zeigt der Zulauf der vor zwei Jahren auf Anstoß des Landes gegründeten „Initiative Motorradlärm“: Was mit gut zwei Dutzend Orten begann, ist heute ein Zusammenschluss von rund 160 Städten, Dörfern und Kreisen. „Sie repräsentieren zwischen 3,5 bis 4 Millionen Bürger“, so Marwein.

Für mehr Rücksicht wirbt auch eine Kampagne des ADAC, die an diesem Freitag zum Auftakt der Motorradsaison in Forbach (Kreis Rastatt) startet. Mit mehr als 200 großflächigen Schildern wollen der Autoclub, das Innenministerium Baden-Württemberg und die Aktion „Gib acht im Verkehr“ Motorradfahrer dazu bringen, verstärkt an Anwohner und Erholungssuchende zu denken, die unter dem Lärm der teils überlauten Maschinen leiden.

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