Nach dem Melken dürfen die Kühe auf die Wiese. Foto: oh - oh

Schülerin Josephin Oßwald hat im Rahmen der EZ-Aktion „Zeitung in der Schule“ eine Reportage zum Bauernhof der Familie Fetzer geschrieben. Das Ergebnis gibt es hier im Artikel.

AichwaldEs ist sechs Uhr morgens, der Tag auf dem Neuwieshof beginnt. Der Hahn kräht, die Kühe im Stall und auf der davor liegenden Wiese muhen. Es riecht nach Stroh, Heu und Kuhfladen. Im Stall brennt Licht, das heißt, es ist nun Zeit für den alltäglichen Melkdurchlauf der Milchkühe. Landwirtschaftsmeister Traugott Fetzer betreibt zusammen mit seiner Frau Beate und ihren vier Kindern den Hof nun schon in der fünften beziehungsweise sechsten Generation. Anscheinend liegt das Bauernsein den Fetzers im Blut.

Auf dem Neuwieshof leben nicht nur Milchkühe, die etwa alle ein bis zwei Jahre kalben sollten, sondern auch Hühner, Schweine, Bullen, Hasen, Ziegen und Schafe. Es kommen also jede Menge Tiere etwas außerhalb von Krummhardt zusammen. Vor mehr als 30 Jahren hat Landwirt Traugott Fetzer den mitten in Krummhardt gelegenen elterlichen Hof übernommen. Damals standen zehn bis zwanzig Kühe im Stall. Bald hat er ihn jedoch außerhalb des Dorfes auf mehr als 40 Milchkühe erweitert.

Aus der Ferne hört man schon das Brummen der Melkmaschine. Sobald die ersten vier Kühe ihren Platz zwischen Metallstangen und einem Eimer mit trockenem Brot gefunden haben, geht es schon los. Zuerst tippt der Melker die Nummer der Kuh in ein Display ein. Damit wird die Milchmenge jeder einzelnen Kuh gespeichert. Landwirt Fetzer melkt die Kühe mit der Hand vor. Manche Kühe mögen dies, andere wiederum möchten am Liebsten in Ruhe gelassen werden. „Jede Kuh ist unterschiedlich. Schau, die Kuh fühlt sich schon wieder ganz anders an als die davor“, erzählt der mit Arbeitskleidung, grünen Gummistiefeln und einem gelben Schurz bekleidete Landwirt. Und er hat Recht, denn ganz besonders beim Vormelken kann man das deutlich spüren. Es gibt Zitzen, die schon prall gefüllt sind und andere, bei denen man ein paar Mal drücken muss, bis etwas Milch herauskommt.

Doch nicht nur das Euter der Kühe unterscheidet sich, sondern auch ihr Aussehen. Die einen sind braun, die anderen sind schwarz-weiß-gefleckt und wieder andere haben einen vollständig schwarz bedeckten Körper. Nach dem Vormelken werden die vier Zitzen am Euter mit einer Wasser-Essig-Mischung desinfiziert und gleich danach mit einem Tuch oder Holzwolle getrocknet und gleichzeitig gesäubert, sodass die Milch auch wirklich klar und nicht verschmutzt aus dem Euter in die Melkmaschine fließen kann. Als nächstes legt Traugott Fetzer die Zitzbecher an die zu melkenden Zitzen. Das sieht allerdings leichter aus, als es in Wirklichkeit ist. Wenn das geschafft ist, wird die frische 39 Grad warme Milch vom Euter der Kuh durch die Zitzbecher und mehrere Rohre in den großen Milchtank geleitet. Traugott Fetzer berichtet, dass sie die frische Milch entweder für 80 Cent pro Liter im eigenen Hoflädle verkaufen, oder zweitägig um drei Uhr morgens der Milchwagen der Firma „Landliebe“ die Milch abholt. Dort wird sie dann mit dem Siegel „ohne Gentechnik“ versehen. Im Hoflädle bietet Familie Fetzer unter anderem Fleisch und Wurst aus eigener Produktion, Gemüse, Obst, Eier, Mehl, Bauernhofeis, Müsli und Schaffelle an.

Zurück zum Melkstand: Damit das Melken für die Kuh möglichst angenehm ist, ändert sich das Vakuum in den Melkbechern ständig und ist mal größer und mal kleiner, sodass es sich für die Kuh anfühlt, als würde ein Kalb am Euter saugen. An seinem eigenem Finger kann man diese Vakuumänderung erfühlen: Erst wird der Finger angesaugt, als würde ein Tintenfisch daran hängen, dann wird er wieder losgelassen, sodass er danach rot ist. Wie der menschliche Finger werden auch die Zitzen der Kühe strapaziert. Deshalb wird nach dem Melken jede einzelne Zitze mit einer Fettcreme eingeschmiert. Auch Kühe brauchen ein bisschen Beauty.

Ist eine Kuh fertig gemolken, kommt meist ganz von selbst die Nächste angelaufen. „Aber manche brauchen auch höchstpersönlich eine extra Einladung von mir, die nenne ich immer Kirchenkühe“, sagt Traugott Fetzer und lacht. Nach etwa zwei Stunden ist die letzte Kuh gemolken, die Melkmaschine mit Wasser durchgespült und der Boden mit einem Schlauch abgespritzt. Insgesamt sind etwa 520 Liter Milch zusammen gekommen. Denn jede Kuh gibt pro Melkgang zwischen 15 und 20 Liter Milch.

Nun heißt es, die frisch gemolkenen Kühe auf eine der nahegelegenen saftig-grünen Weiden zu bringen. Dort grasen sie bis abends, dann werden sie erneut gemolken. Nachdem die Kühe versorgt sind, bekommen die Schweine endlich ihr Futter, das aus Weizen, Stroh und etwas Soja besteht. Zusätzlich bekommen sie die Kuhmilch vom Vorabend und die restlichen trockenen Brote. Als Traugott Fetzer ihnen das Futter gibt, wird es auf ein Mal ganz laut im Stall, denn alle Schweine grunzen und hüpfen herum, damit auch ja jedes Einzelne ein Stück Brot abbekommt.

Nach den Schweinen werden zwei Lämmer, die in den letzten Tagen geboren wurden, mit Milchfläschchen gefüttert. Doch als Beate Fetzer zu den Schafen kommt, stellt sie mit Erstaunen fest, dass die beiden Lämmer sie schon vor dem Zaun begrüßen. Beate Fetzer hilft ihnen wieder auf die andere Seite des Zauns und füttert die aufgeregten und hungrigen Tierbabys. Nachdem alle Tiere fürs Erste versorgt sind, wird es ruhiger auf dem Hof. Jetzt haben die Landwirte endlich Zeit, im Bauernhaus direkt neben dem Stall, selbst zu frühstücken. Nach dem Frühstück warten allerdings auch schon die nächsten Aufgaben auf Landwirt Traugott Fetzer, dem natürlich wieder die ganze Familie hilft.

Diese Reportage hat die Schülerin Josephin Oßwald im Rahmen des EZ-Projekts Zeitung in der Schule geschrieben.

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