In der Mongolei wird es im Winter knackig kalt. Warme Kleidung aus Schafwolle, Yak-, Kaschmir- und Kamelhaar ist deshalb beliebt. Auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt gibt es dafür nun einen neuen Stand.
Sarantuya Boigor verkauft zum ersten Mal Feines aus Wolle auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Und eigentlich hätte ihr Stand eine Jurte werden sollen, berichtet sie. Denn die Stuttgarterin hat ganz besondere Kleidung aus ihrer Heimat in der Mongolei mitgebracht. Diese mongolische Kleidung eignet sich für Babys, Kinder und Erwachsene.
Leider ließ sich die Idee mit der Jurte, die immerhin einen Durchmesser von sechs Meter hat und entsprechend viel Platz auf dem Esslinger Marktplatz beanspruchen würde, nicht verwirklichen, bedauert die Stuttgarterin. Aber in der Verkaufshütte, die sie stattdessen anmieten konnte, hat es sich Sarantuya Boigor nun ebenfalls gemütlich gemacht. In ihrer Heimat, der Mongolei, leben noch immer die Familien, die traditionell als Nomaden mit ihren Herden zusammenleben, in solchen zeltartigen Jurten.
Als die erste Tochter geboren wurde, entdeckte sie ihr Interesse für Kleidung aus Naturfasern
„Meine Familie ist die beste Kundschaft“, sagt Sarantuya Boigor lächelnd und berichtet, dass sie ihre drei Kinder von klein an in mongolische Strickwaren gekleidet habe. Mit der Geburt der ersten Tochter, die heute 14 Jahre alt ist, habe alles begonnen und so habe sich ihr Interesse an dieser Kleidung nach und nach entwickelt, die sie im weiteren Familienkreis in der Heimat einkauft.
Wenn man ein Paar Socken aus Schafwolle von Sarantuya Boigor in die Hand nimmt, fällt auf, wie weich und gleichzeitig dick und dicht diese sind. Gleichzeitig sieht man ein feines Maschenbild, was darauf hinweist, dass hier ein dünnes Garn verarbeitet wurde.
In der Mongolei herrscht bei Schnee eisige Kälte
„Die Tiere in meiner Heimat leben viele Monate im Jahr im Schnee und bei eisiger Kälte, deshalb müssen diese Tierhaare entsprechend fein und wärmend sein“, erklärt die Fachfrau, die in der mongolischen Provinz Gobi-Altai nahe der Wüste Gobi im Südwesten des Landes an der chinesischen Grenze gelegen, aufgewachsen ist. Teile ihrer Familie leben nach ihren Worten noch als Viehbauern in der weiten Steppenlandschaft und wechseln nur in der kalten Jahreszeit auf einen geschützteren Winterplatz.
Das gelte ganz besonders für die Kamele und Yaks, die einzige Rinderart, die über ein mehrschichtiges und besonders dichtes Haarkleid verfügt, denn anders als die Schafe und Ziegen, die im Winter in Ställen gehalten würden, lebten diese Tiere in der Mongolei das ganze Jahr über im Freien bei Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius.
Besondere Kleidung auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt
Je nach Faser eigneten sich die Materialien für unterschiedliche Zwecke. Die seidigen Fasern der Kaschmirziege gelten als besonders edel und Sarantuya Boigor bietet sie vor allem als fein gestrickte Wolltücher im Ajourmuster an. Während Kaschmir auch in Sachen Pflege am meisten Aufmerksamkeit und einen behutsamen Umgang fordert, sei Kamelhaar deutlich weniger empfindlich, aber ebenso sehr weich, erklärt die Fachfrau und zeigt auf ihre Auslage, in der sich Mützen, Handschuhe und vor allem wärmende Westen zu moderaten Preisen finden wie beispielsweise dicke Socken für 15 Euro und Handschuhe für 25 Euro.
Alle Produkte sind ungefärbt und in warmen Naturfarben von wollweiß bis dunkelbraun zu haben. Bevor Sarantuya Boigor im Jahr 2011 nach Deutschland kam, studierte sie in der Mongolei Philosophie und arbeitete als Lehrerin. Inzwischen hat sie hier eine Ausbildung zur Waldorferzieherin absolviert und arbeitet in Stuttgart in der Waldorfkita auf der Gänsheide, den ihr Partner Jan Tangermann leitet.
Gemeinsam hat sich das Paar den Traum von der eigenen Jurte auf ihrem Stückle in Stuttgarter-Gablenberg verwirklicht und vermietet die ungewöhnliche Unterkunft, die mit einem Holzofen beheizt wird, auch über das Portal Airbnb. Die Konstruktion aus einer scherenartigen Holzkonstruktion, die dank verschiedener Tücher aus Wollfilz und Baumwolle zum Zelt wird, hatten Sarantuya Boigors Brüder in Einzelteilen verpackt nach Deutschland verfrachten lassen.