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Lange hatten mittelständische und Kleinunternehmen (kurz: KMU) den digitalen Wandel gescheut. 2018 liegt der Digitalisierungsindex für den Mittelstand bereits bei 54 von 100 Indexpunkten - Tendenz steigend.

Kleine und mittelständische Unternehmen tragen den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt: Sie erwirtschaften mehr als jeden zweiten Euro und sind damit zentraler Baustein der deutschen Wirtschaft. Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Mittelständler den Trend zur Digitalisierung nicht verschlafen und ihre Geschäftsprozesse zeitnah entsprechend optimieren. Glücklicherweise hat schon fast die Hälfe der mittelgroßen Unternehmen die Digitalisierung in der Geschäftsstrategie verankert; etwas mehr als ein Drittel der mittelständischen Unternehmen arbeitet an der Umsetzung einzelner Digitalisierungsprojekte. Nur 8 Prozent halten die digitale Umgestaltung derzeit noch nicht für erforderlich.

Dem Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (hier als PDF-Download) zufolge hat der Digitalisierungsgrad des Mittelstandes im Jahr 2017 54 von möglichen 100 Punkten erhalten; im Jahr zuvor waren es noch zwei Indexpunkte weniger. 19 Prozent der mittelständischen Unternehmen gelten inzwischen sogar als hoch digitalisiert und liegen mit 78 Indexpunkten weit über dem Indexdurchschnitt. Die meisten dieser Firmen gehören zur Informations- und Kommunikationstechnologiebranche. Auch viele wissensintensive Dienstleister, Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie der Handel sind überdurchschnittlich digitalisiert. 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen weisen gegenwärtig einen durchschnittlichen Digitalisierungsgrad auf. Verbesserungspotenzial gibt es vor allem im Gesundheitssektor - er ist mit 37 Indexpunkten bislang am wenigsten digitalisiert.

Insgesamt steht der Mittelstand dem Thema Digitalisierung aber positiv gegenüber: 86 Prozent der Firmen halten die Umstellung für sehr wichtig. Die Ergebnisse des Monitoring-Reports zeigen auch, dass 65 Prozent der Mittelständler der Digitalisierung einen großen Einfluss auf den Geschäftserfolg zuschreiben.

Digitalisierung zahlt sich aus

Tatsächlich zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie "Digitale Dividende im Mittelstand" einen direkten Zusammenhang zwischen digitaler Umstrukturierung und Geschäftserfolg auf. 38 Prozent der rund 1.000 befragten Unternehmen gaben an, von einer digitalen Dividende zu profitieren. Firmen, die bereits einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht haben, erzielen einen Gewinn von durchschnittlich 19,8 Prozent - das ist deutlich mehr als bei anderen Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben und die einen geringeren Digitalisierungsgrad aufweisen. Zum Vergleich: Firmen, die mit der digitalen Umstellung gerade erst begonnen haben, sind im Mittelwert um 3 Prozent gewachsen und haben ihren Gewinn um 2 Prozent gesteigert. Immer mehr mittelständische Unternehmen sehen die Umstrukturierung hin zu digitalen Prozessen deshalb als Maßnahme an, mit der sich mehr Wachstum und höherer Umsatz generieren lassen.

Für viele der Mittelständler ist die Digitalisierung auch ein Projekt zur Effizienzsteigerung. Nicht immer ist es erforderlich, ganze Geschäftsprozesse zu digitalisieren; mitunter lassen sich schon durch die Umwandlung einzelner, bisher analoger Geschäftsgänge in digital nutzbare Formate erhebliche Effizienzgewinne erzielen. Ein Beispiel dafür ist die digitale Buchhaltung, mit der inzwischen viele Unternehmen ihren Buchhaltungspflichten - sei es die einfache oder doppelte Buchführung - nachkommen. Die Vorgehensweise bei der doppelten Buchführung lässt sich leicht erläutern - die meisten mittelständischen Unternehmen sind dazu verpflichtet -, trotzdem passieren bei der Umsetzung immer wieder folgenschwere, weil kostspielige Fehler. Immer mehr Unternehmen setzen aus diesem Grund bei der Buchführung auf Software-Lösungen, mit denen sich einwandfreie Ergebnisse erzielen lassen.

Im Durchschnitt wenden Mittelständler pro Jahr rund 81 Arbeitstage für administrative Aufgaben auf. Werden diese automatisiert, arbeitet das Unternehmen insgesamt wirtschaftlicher, denn mit dem Einsatz von Software-Lösungen lassen sich der Zeitaufwand sowie Material- und Personalkosten reduzieren. Die Umstellung rechnet sich also, denn die freigesetzten Kapazitäten stehen dann für andere Aufgaben zur Verfügung.

Nicht immer stehen die Steigerung von Effizienz und Gewinn im Vordergrund, viele Unternehmen versprechen sich von einer Digitalisierung vor allem mehr Agilität und Kundennähe bzw. ein besseres Kundenerlebnis. Rund 60 Prozent der mittelgroßen Unternehmen nutzen die Digitalisierung zum Beispiel, um eine bessere Kundenansprache und/oder einen besseren Service zu ermöglichen.

Gute Wirtschaftslage

Nicht nur hinsichtlich des digitalen Wandels sind deutsche Unternehmen derzeit positiv gestimmt. Generell hat sich die Konjunktur in der deutschen Wirtschaft in den vergangen Monaten positiv entwickelt. Das aktuelle Konjunkturbarometer zeigt nach dem starken Jahresbeginn auch ein deutliches Sommerhoch an. Die Mehrheit der Unternehmen in der Region ist mit ihrer derzeitigen Auftragslage zufrieden. Unternehmen aus dem Industrie- und dem Dienstleistungssektor halten im Landkreis Esslingen ihr hohes Niveau, der Handel ist nach einem besonders starken Jahresbeginn nur leicht abgefallen. Grund für die gute Geschäftslage ist die steigende Nachfrage. Industriebetriebe erreichen momentan sogar eine Kapazitätsauslastung von 91 Prozent.

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