Dem Kapitän hat die Wachablösung gedroht. Nun hat sich der 29-Jährige vor der Weihnachtspause zurückgekämpft und formuliert für 2026 ambitionierte Ziele.
Atakan Karazor ist persönlich mit einem guten Gefühl in die kurze Weihnachtspause gegangen. Den Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart ärgerte zwar die Nullnummer gegen die TSG Hoffenheim zum Jahresabschluss immens, aber er selbst war mit sich im Reinen. Nun stehen ein paar Tage Entspannung und eine Fernreise nach Japan an. Danach will sich der 29-Jährige den neuen Herausforderungen stellen. „Ich bin froh darüber, was wir insgesamt herausgeholt haben. Wir sind in allen drei Wettbewerben noch gut im Rennen“, sagt der Kapitän.
In der Fußball-Bundesliga Tabellensechster, im DFB-Pokal als Titelverteidiger im Viertelfinale, in der Europa League mit guten Chancen auf die direkte Achtelfinalteilnahme – und Karazor hat daran mehr Anteil, als es im vergangenen September und Oktober schien. Von Wachablösung war schon die Rede, da der junge Chema dem erfahrenen Profi im Zentrum den Rang ablief.
Sebastian Hoeneß zeigt Vertrauen
Karazor ist jedoch ruhig geblieben, hat die schwierigen Momente auf der Ersatzbank überwunden und auf Sebastian Hoeneß vertraut. Der Trainer hat seinen Dauerrenner stets geschützt und gestützt sowie ihm auch in einer schwächeren Saisonphase Einsätze gegönnt. Nicht nur aus Gründen der Belastungssteuerung in den vielen englischen Wochen. In 13 von 15 Ligaspielen war der 1,91 Meter große Deutsch-Türke am Ball sowie in vier von sechs Europa-League-Partien und in allen drei DFB-Pokalbegegnungen.
Gar nicht so wenig in einer strapaziösen Saison. „Ich habe meine Zeit gebraucht, um wieder voll da zu sein. Ich bin aber überzeugt von meinen Fähigkeiten“, sagt der alte Anführer mit neuem Selbstbewusstsein. Zuletzt hat Karazor drei Partien über die komplette Distanz bestritten: in der Liga bei Werder Bremen (4:0) und gegen die Hoffenheimer (0:0) sowie im Europacup gegen Maccabi Tel Aviv (4:1). Zuvor kam er gegen den FC Bayern (0:5) nur eine Minute zum Zug.
Die Teilzeitarbeit ist noch immer ungewohnt, da Karazor neben Angelo Stiller lange als unersetzlich für das Stuttgarter Spiel galt. Eine Doppelsechs, die passt und zu den besten in Deutschland zählt. Bis aus Spanien José Maria Andrés Baixauli kam, genannt Chema. Das 20-jährige Mittelfeldtalent fand schneller als erwartet seinen Platz im Team und auf dem Rasen – mit guter Technik und strategischem Gespür, mit starkem Kopfballspiel und präzisen Pässen.
Im Landesduell gegen die Hoffenheimer setzte Hoeneß jedoch wieder auf Karazor, nachdem gerade in den Begegnungen mit den Spitzenmannschaften Chema ein paar Mal den Vorzug erhalten hatte. „Wenn ich sehe, wie wir drei das Mittelfeld im Griff hatten, dann war das sehr gut“, sagt der Kapitän jetzt. Stiller spielte neben ihm und vor ihm agierte Nikolas Nartey. So begegnete das weiß-rote Mittelfeldtrio den lauf- und kampfstarken Gästen aus dem Kraichgau – und übernahm nach anfänglichen Schwierigkeiten die Spielkontrolle.
In Leverkusen geht es weiter
So soll es bleiben, wenn es am 10. Januar in der Bundesliga beim Dritten Bayer Leverkusen für den VfB weitergeht. „In 2026 werden wir wieder viele Spiele haben. Da wird jeder Einzelne benötigt und zu seinen Einsätzen kommen“, sagt Karazor, der an seine guten Leistungen anknüpfen will. Dazu hegt er mit der Mannschaft große Ambitionen.
Der Pokalsieg im vergangenen Mai lässt grüßen. Die zauberhafte Nacht von Berlin soll sich möglichst wiederholen. „Ich würde die Trophäe gerne ein zweites Mal hochhalten“, sagt Karazor. Aber er denkt beim Blick auf die ehrgeizigen Ziele auch an seinen Mitspieler. „Ich würde gerne Jamie seinen Traum erfüllen.“ Jamie Leweling hatte im Pokalrausch auf dem Stuttgarter Schlossplatz eine erneute Feier mit den Fans an gleicher Stelle in Aussicht gestellt – diesmal nach dem Gewinn der Europa League.
https://www.youtube.com/watch?v=vXdrYXUn_dsDer Finalort Istanbul wäre für Karazor, der vor einigen Wochen in der türkischen Nationalmannschaft debütiert hat, dann etwas Besonderes. Und träumen sei natürlich erlaubt, meint der Defensivspezialist. Als Führungsspieler will er jedoch den Blick für die Realität nicht verlieren und seine Teamkollegen auf die nahe Zukunft einschwören. „Die Mannschaft hat es mir als Kapitän im abgelaufenen Jahr leicht gemacht. Sie war immer da. Deshalb bin ich stolz auf das, was wir erreicht haben“, sagt Karazor.