Schon jetzt mehr als „nur“ Lernort. Foto: oh - oh

Das Team und das Konzept stehen. Jetzt fehlt nur noch die Genehmigung des Kultusministeriums. Die Waisenhofschule würde gerne Sommerschule werden.

EsslingenAn mehr als 40 Standorten in Baden-Württemberg gibt es sie bereits: Sommerschulen, in denen Kinder mit Förderbedarf in der Regel in der letzten Ferienwoche aufs neue Schuljahr vorbereitet werden. Jetzt hat mit der Waisenhofschule, eine Grundschule in der Innenstadt, auch die erste allgemeinbildende Schule in Esslingen beim Kultusministerium den Antrag gestellt, am Ende der Sommerferien eine Woche lang eine Sommerschule für etwa 25 Kinder anbieten zu dürfen. Dabei will die Schule im Herzen der Innenstadt, an der auch zwei internationale Vorbereitungsklassen verortet sind, neben den eigenen Jungen und Mädchen auch Kinder aus den Grundschulen Mettingen, der Pliensauschule und der Katharinenschule in der östlichen Innenstadt mit einbeziehen. Schwerpunkt soll die sprachliche Förderung sein. „Das macht an den betroffenen Schulen mit ihrem Einzugsgebiet auch absolut Sinn“, sagt Bernd Berroth, Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung im Rathaus.

Bei den Sommerschulen steht aber nicht nur der Lernstoff im Vordergrund. „Die Kinder sollen unter der Einbeziehung aller fünf Sinne lernen“, beschreibt Schulleiterin Eva Quantius-Kohl den Ansatz, den ihre Schule gerne verfolgen würde. Dabei weiß sie mit Stephanie Lipp, Ann-Kathrin Esser und Lydia Braxator ein engagiertes Lehrerinnenteam hinter sich, das sofort von der Idee begeistert war. Mit der Kindersportschule KiSS Esslingen, dem Trommellehrer Uwe Kühner und Mitarbeitern aus der Jugendarbeit der katholischen Kirche hat die Schule Kooperationspartner an der Hand, die gerne für Bewegung, Akustik und Leichtigkeit in der Sommerschule sorgen würden. Die Initialzündung, auch in Esslingen eine oder mehrere Sommerschulen einzurichten, kam von der SPD-Gemeinderatsfraktion. Die städtische Schulverwaltung griff sie umgehend auf und brachte sie in die Schulleiterrunde ein. Die Zollberg-Realschule und die Katharinenschule hatten ebenfalls Interesse. Doch vom Kultusministerium habe man als Signal bekommen, dass derzeit am ehesten eine Grundschule genehmigungsfähig sei, so Berroth. Und da die Waisenhofschule bereits ein festes Lehrerinnenteam stellen konnte, hat sie jetzt den Antrag gestellt.

Nachtreffen im Herbst

Schule und Stadt hoffen sehr, dass sie Ende der Osterferien die Genehmigung bekommen. Dann könnten die Kinder, die für das Programm in Frage kommen, eine Woche lang den Tag an der Waisenhofschule verbringen, Schulhaus und Schulhof, gegebenenfalls auch die Schelztorturnhalle nutzen. Ein Caterer bringt sogar ein Mittagessen vorbei. Unter dem thematischen Schwerpunkt „Unsere fünf Sinne“ und ausgehend von einer Sprachstandsdiagnostik wollen die Lehrerinnen eine gezielte Sprachförderung und Mathematikunterricht auf unterschiedlichen Niveaus und mit unterschiedlichen Inhalten anbieten. Das Gleiche gilt für den Deutsch- und Sachunterricht. „Mit allen Sinnen“ – das heißt aber auch: Die Kinder setzen sich an den Trommeln, in einem Bewegungsparcours und bei Wahrnehmungsspielen, aber auch bei der Herstellung eigener Materialien mit ihren fünf Sinnen auseinander. Was sie gelernt haben, halten sie in einem Tagebuch fest. Sie sollen Sicherheit im Präsentieren und Dokumentieren gewinnen.

Die Ferien-Arbeit an der Sommerschule soll aber auch nachhaltig sein. Es ist geplant, mit den jeweiligen Lehrkräften regelmäßig Gespräche über den Werdegang der einzelnen Kinder zu führen. Und es ist ein Nachtreffen im Herbst vorgesehen.

Genehmigt das Kultusministerium die Sommerschule, wird den Lehrerinnen die verlorene Ferienwoche inklusive Vor- und Nachbereitungszeit auf ihre Unterrichtsstunden im kommenden Schuljahr angerechnet. Zudem gibt es einen Sachkostenbeitrag in Höhe von bis zu 5000 Euro. Die Räume stellt die Stadt zur Verfügung.

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