Ob eine klappernde Mühle am rauschenden Bach oder ein Bierkutscher: Es stimmt jedes Detail. Quelle: Unbekannt

Rolf Fingerle ist fast 90 Jahre alt. Statt vor dem Fernseher zu sitzen, geht er aber in seine Werkstatt im Keller und stellt mit großer Fingerfertigkeit kleine Kunstwerke aus Holz her.

KöngenBeim Planwagen stimmt jedes Detail. Schaufel, Axt und Spitzhacke hängen an der Seite des Wagens, drunter baumelt ein Werkzeugkasten, und der Kutscher lässt die Peitsche fliegen, während sein Beifahrer das Gewehr schussbereit hält. Nur eben alles als Holzminiatur. Hergestellt hat die Rolf Fingerle und zwar komplett ohne Vorlage, sondern nur aus der Erinnerung. „Ich habe ein gutes Gedächtnis“, betont er. Beim Gehen fühlt der sich mit seinen bald 90 Jahren zwar am Rollator etwas sicherer, doch an der Stichsäge oder an der Drehmaschine können ihm die jungen Kerle nicht das Wasser reichen.

Das ganze Haus in Köngen gleicht einem kleinen Museum und ist geschmückt mit den kunstvollen Handarbeiten. Zu den Kutschen, Heu-, Bier- oder Streitwagen samt Pferden, die auf Regalen, Schränken und Tischen stehen, kommen Häuschen, Osterhäschen, Weihnachts- und Schneemänner, Rentiere, Bäumchen, Herzchen und sogar Möbelstücke. Vom Spielzeug, mit dem die Enkelkinder seinerzeit bedacht wurde, ganz zu schweigen. „Das ist ein Hobby für mich. Da habe ich eine Freude dran, wenn wieder etwas fertig wird.“

Dabei ist Eisen eigentlich das Element des Rolf Fingerle. Direkt nach dem Krieg ging er als Bursche in die Lehre zum Werkzeugmacher, schaffte dann erst im Gesenkbau und später als Maschinenschlosser. Noch heute erinnert er sich gut daran, wie streng es seinerzeit in der Lehre zugegangen war, „aber deswegen kann ich heute so viel“. Schon in der Jugend hatte er zudem sein Talent fürs Bearbeiten von Holz entdeckt und der jüngeren Schwester ein Puppenbett gebaut.

Die Fingerfertigkeiten des Herrn Fingerle haben sich herumgesprochen. Pferde, Wagen und Dekorationen kommen bestens an, und Rolf Fingerle macht Verwandten, Nachbarn oder auch seinen Ärzten gern eine Freude und verschenkt seine Basteleien. Es kommt ja ständig was nach. Wann immer der Witwer kann, arbeitet er in seiner Werkstatt im Keller. Das halte ihn körperlich und geistig fit, und „vor den Fernseher hinhocken will ich mich nicht den ganzen Tag“. Konturen auf Holz aufzeichnen, aussägen, die Teile bearbeiten, montieren und bemalen: Gut eine Woche brauche er, bis ein großer Wagen samt der Pferde – deren Form ist inspiriert vom Stuttgarter Rössle – fertig ist. „Das ist ein Saug’schäft“, sagt er, während er eines der kleinen Wagenräder in der Hand dreht. Doch die Lust geht ihm noch lang nicht aus, und die Kreativität schon gar nicht.

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