Ende des Jahres sollen belastbare Aussagen zur Wirtschaftlichkeit einer Trasse von Ostfilderns Stadtteil Nellingen nach Esslingen vorliegen. Erste Zwischenergebnisse sind positiv. Wie geht es nun weiter?
Es gab eine Zeit, da ratterte die Straßenbahn der Linie Esslingen–Nellingen–Denkendorf (END) von den Fildern hinunter ins Neckartal. Doch im Februar 1978 war Schluss. Seither übernehmen Linienbusse den öffentlichen Nahverkehr auf dieser Strecke. Seit langem schon wird über eine Wiederbelebung der Schienenverbindung diskutiert – und die Debatte über die Verlängerung der Stadtbahnlinie U 7 nimmt langsam Fahrt auf: Wie Landrat Heinz Eininger in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Esslinger Kreistages informierte, stimmen die ersten Zwischenergebnisse einer Machbarkeitsstudie optimistisch. Dennoch ist man von einer schnellen Realisierung weit entfernt.
Die verkehrlichen Wirkungen der Direktverbindung von Ostfildern-Nellingen nach Esslingen samt der Anbindung von Denkendorf sind demnach „als hoch einzuschätzen und lassen Baukosten zu, die einen notwendigen Nutzen-Kosten-Indikator größer 1,0 als möglich erscheinen lassen“, sagte Eininger. Er verkündete zugleich eine schlechte Nachricht: „Die Variante mit einer Anbindung von Neuhausen lässt hingegen kein verkehrliches Potenzial erwarten, die eine weitergehende Untersuchung rechtfertigt.“
Der Esslinger Kreistag hatte vor einem Jahr beschlossen, eine direkte Schienenverbindung von den Fildern ins Neckartal untersuchen zu lassen. Die 60 000 Euro teure Machbarkeitsstudie, deren Kosten sich der Kreis, die Städte Esslingen und Ostfildern sowie die Gemeinde Denkendorf teilen, soll aufzeigen, ob und welche Trassenvarianten sich wirtschaftlich rechnen. Laut Eininger wurde das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart (VWI) im November vergangenen Jahres mit dieser Aufgabe betraut.
Bauliche Herausforderungen
Die Experten teilten dem Kreis nun ihre erste Einschätzung mit – und gaben eine klare Empfehlung ab: Um eine aussagekräftige Kostenabschätzung zu erhalten, reiche eine überschlägige, vereinfachte Bewertung nicht aus. Vielmehr sollte eine tiefer gehende Untersuchung in Form eines Infrastruktur-Gutachtens erfolgen. Denn die Streckenführung beinhalte aufgrund der Topografie und der städtebaulichen Rahmenbedingungen „mehrere infrastrukturtechnische und bauliche Herausforderungen“, führte Eininger aus. Hierzu würden unter anderem Tunnelbauwerke in Nellingen und Zollberg, eine Brücke über die B 10, die städtebauliche Integration der U-7-Endhaltestelle am Esslinger Bahnhof in den geplanten Neckaruferpark und die Integration der Stadtbahntrasse in die geplante Neugestaltung des Nürk-Areals in der Pliensauvorstadt gehören.
Mit Ergebnissen des Infrastruktur-Gutachtens ist nach Angaben des Landrates erst Ende des Jahres zu rechnen. „In Verbindung mit den Ergebnissen der derzeit noch laufenden Machbarkeitsstudie soll im Anschluss eine Empfehlung stehen, ob in das nachfolgende Verfahren der standardisierten Bewertung eingestiegen werden soll“, informierte Eininger über den nächsten Schritt.
Erst bei einem Kosten-Nutzen-Faktor von höher als 1,0 könnte es Zuschüsse von Bund und Land für eine U-7-Verlängerung geben. Die Chancen auf einen hohen Wert stehen gar nicht schlecht, denn seit dem 1. Juli 2022 gelten neue Bewertungskriterien. Unter anderem werden nun auch Barrierefreiheit, der Klimaschutz und Energiespareffekte berücksichtigt.