Experten gehen davon aus, dass spätestens im dritten Quartal 2022 alle Apotheken und Ärzte mit E-Rezepten arbeiten. Foto: Pixabay

Die Digitalisierung schreitet auch in Deutschland immer weiter voran und macht vorm Medizinbereich nicht Halt.


Viele Menschen sind sich aber unsicher, welche Folgen das haben kann und was sich für sie in der Praxis ändert. Zur Beruhigung: Die meisten Neuerungen sind einfach zu verstehen und bringen sogar immense Vorteile mit sich, für Patientinnen und Patienten. Dieser Ratgeber erklärt alles, was es zu E-Rezept und Co. zu wissen gibt. 

Das elektronische Rezept – mit dem E-Rezept gegen Papierkrieg

Sie kennen es: Wenn Sie bei Ihrem Arzt waren und ein Medikament benötigen, erhalten Sie es bislang noch in Papierform. Der rosafarbene Schein wird dann zur Apotheke getragen und dort gegen das Medikament eingetauscht. Nun aber soll damit Schluss sein, stattdessen soll das E-Rezept in Praxen Einzug halten

Und was versteckt sich dahinter? Wie funktioniert das E-Rezept und worauf müssen Sie achten? Die wichtigsten Fakten im Schnellcheck: 

  • Das E-Rezept ersetzt das Papierrezept vollständig
  • Es ist in digitaler Form als rechtliche Urkunde gültig
  • Es soll die Abgabe von Medikamenten sicherer machen

So wird das elektronische Rezept funktionieren

Sie sind sich unsicher, weil Sie mit Computern und Elektronik noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt haben und befürchten, künftig nicht mehr an Ihre Medikamente zu kommen?

Diese Sorgen sind unbegründet, denn zunächst einmal ändert sich für Sie nicht viel!

Sie suchen bei Beschwerden weiterhin Ihren Arzt auf und wenn Sie ein Medikament benötigen, bekommen Sie es verordnet. Die Verordnung wird im hausinternen Praxisverwaltungssystem erstellt. Der erste Unterschied für Sie ist, dass das Rezept nicht mehr klassisch ausgedruckt und unterschrieben werden muss. Der Arzt kann stattdessen direkt digital seine Unterschrift setzen. 

Der QR-Code als neues Rezept

Wie aber kommen Sie nun an Ihr Medikament, wenn Sie kein Rezept bekommen? Sie erhalten anstelle des Rezepts einen QR-Code, der direkt an Ihr Smartphone übermittelt wird. Sie besitzen kein solches Gerät und wollen auch keins anschaffen?

Auch dann müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn Ihr Arzt kann Ihnen den QR-Code auf ein Papier ausdrucken. Wenn Sie damit nun zur Apotheke gehen, können die Angestellten Ihren Code einlesen und wissen, welches Medikament der Arzt Ihnen verordnet hat. 

Mit der App digital bestellen

Wenn Sie Ihr Medikament direkt digital bestellen möchten, zum Beispiel bei einer Online-Apotheke, können Sie es digital dorthin weiterleiten und sparen sich den Versand per Post. Hierfür ist eine spezielle App erforderlich, bei der Sie sich mit Ihrer Gesundheitskarte und einer Pin-Nummer, die Ihnen von der Krankenkasse mitgeteilt wird, anmelden müssen. 

Eine der häufigsten Sorgen besteht darin, dass die Apotheke nicht in der Lage sein wird, den QR-Code zu verarbeiten Diese Sorge ist unbegründet, denn alle Apotheken werden flächendeckend über das gleiche System verfügen. Apothekerin und Apotheker scannen den Code von Ihrem Smartphone oder vom Zettel und wissen innerhalb von Sekunden, welches Medikament Sie benötigen. 

Rezepte für Angehörige einlösen – geht das denn noch?

Sie gehen oft für Ihre Eltern zur Apotheke und holen deren Medikamente ab? Auch das soll künftig kein Problem darstellen, denn zwischen der digitalen und der analogen Welt soll es keine Unterschiede geben. Sie können also ohne Bedenken den Rezeptcode Ihres Vaters, Ihrer Mutter oder einer vertrauten Person annehmen und für ihn oder sie zur Apotheke gehen. Bislang ist lediglich noch nicht klar, wie die App diese Weitergabe des Codes ermöglichen soll. Möglicherweise muss dafür das Smartphone mit dem QR-Code kurzfristig an den abholenden Helfer ausgeliehen werden. 


Welche Vorzüge haben Patienten vom E-Rezept?

Viele medizinische Fachangestellte waren anfangs nicht begeistert von den Neuerungen, denn die Arbeit mit dem rosafarbenen Rezepten hatte sich eingependelt. Doch wie immer müssen sich Veränderungen eben erst einmal etablieren, bevor sie flächendeckend akzeptiert werden. Für Sie als Patient gibt es durchaus Vorteile, wenn Ihnen Ihre Ärztin künftig nur noch einen QR-Code mitteilen wird. 

  • Durch die Speicherung von Medikamentendaten können Wechselwirkungen durch das Apothekenpersonal schneller erkannt werden
  • Rezepte können sofort an Online-Apotheken übermittelt werden ohne den Versand per Post
  • Rezepte sind fälschungssicher und persönlicher, sie können schwerer entwendet werden

Wann kommt das E-Rezept in Deutschland?

Erste Testphasen gab es bereits 2021, doch noch immer ist das E-Rezept in Deutschland nicht flächendeckend verfügbar. Das liegt daran, dass die Einrichtung von Software und der Anschluss aller Apotheken an das System etwas Zeit in Anspruch nimmt. Experten gehen aber davon aus, dass spätestens im dritten Quartal 2022 alle Apotheken und Ärzte mit E-Rezepten arbeiten. 

Sie haben jetzt allerdings schon die Möglichkeit, sich auf die Neuerung vorzubereiten. Beispielsweise durch die Anschaffung eines NFC-fähigen Smartphones oder durch die Beantragung der individuellen PIN durch Ihre Krankenkasse. Eine ABDA-Umfrage hat gezeigt, dass bislang erst rund 37 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger überhaupt mitbekommen haben, dass es künftig elektronische Rezepte geben soll. 

Digitale Hilfe bei psychischen Erkrankungen

Depressionen sind ein schwerwiegendes Problem und viele Menschen wissen nicht, dass sie auch digital auf Hilfe setzen können. Dabei hat eine Forschergruppe aus Europa festgestellt, dass spezielle Lernprogramme für Depressionen ebenso hilfreich sein können, wie die Psychotherapie bei einem Arzt. 

Problematisch ist, dass die digitale Hilfsoption bislang kaum in den Köpfen der Bevölkerung angekommen ist. Ärzte verschreiben noch immer Psychotherapien bei niedergelassenen Ärzten, Patienten quälen sich noch immer durch monatelange Wartelisten, in der Hoffnung irgendwann Hilfe zu finden. 

Dank digitaler Selbsthilfeprogramme könnte die Zeit zumindest überbrückt werden, leichte und mittelschwere Depressionen lassen sich damit sogar oft beheben. Die Welt der Psychologie steht vor mehreren Problemen.

  • Immer mehr Patienten mit seelischen Problemen
  • Immer weniger Kostenübernahme oder kürzere Übernahme der Kosten
  • Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Psychologen


Dank digitaler Alternativen kann Menschen mit psychischen Problemen geholfen werden, auch wenn gerade kein lokaler Therapieplatz zur Verfügung steht. Selbst wenn es nicht möglich ist, den menschlichen Kontakt in Gänze zu ersetzen, kann die digitale Hilfe eine wertvolle Alternative darstellen. 

Hilfe für Gehörlose bei der Übersetzung von Beipackzetteln

Im ersten Moment mögen Sie sich fragen, welche Probleme gehörlose Menschen haben, wenn es um das Lesen eines Beipackzettels geht. Problematisch ist die Tatsache, dass viele, von Geburt an taube Menschen, ausschließlich in Gebärdensprache lesen und sprechen können. Die deutsche Schriftsprache kann von gehörlosen Menschen nicht gelesen werden und so sind Beipackzettel von Medikamenten eine kaum zu überwindende Hürde. 

Hier möchte der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim nun Abhilfe schaffen, indem ein Avatar für Gebärdensprache kreiert wird Dieser soll dabei helfen, Medikamente zu erklären, die Einnahme zu erläutern und Hinweise auf Nebenwirkungen zu geben. Auf diese Weise wird es auch für Gehörlose einfacher, sich genauer über die verordneten Medikamente zu informieren. 

Avatar sorgt für Aufklärung

Doch der geplante Avatar soll noch weitere Features mit sich bringen, so zum Beispiel ein Lexikon für medizinische Fachbegriffe. Wer kennt es nicht? Sie möchten eigentlich nur eine kleine Information von Ihrem Arzt haben und dann nennt er Ihnen einen Begriff, den Sie nicht kennen!

Sie tippen das Wort in eine Suchmaschine und schon wissen Sie, was er gemeint hat. Für Gehörlose abermals ein Problem, denn sie können oft nicht in ihrer Sprache suchen. Diese Aufgabe soll künftig der Avatar übernehmen, der vom Deutschen Gehörlosenbund mit Freude begrüßt wird. 

Der Bund kritisiert aber gleichzeitig, dass Gehörlose oftmals nur schlechte Angebote vorfinden, um sich bei medizinischen Fragen Informationen zu beschaffen. Daher empfiehlt der Bund, bei der Umsetzung des geplanten Avatars gehörlose Menschen mit in die Planung zu integrieren. Theoretische Übersetzungen sind oft gut gemeint, funktionieren aber nicht. Betroffene können selbst am besten schildern, welche Übersetzungen im Wortjargon der Gebärdensprache überhaupt verständlich sind. 

Achtung Herzanfall – so können Sie sich helfen lassen

Es ist einer der schwersten Momente, wenn man als Ersthelfer bei einem Herz-Kreislaufstillstand Hilfe leisten muss. Die Angst etwas falsch zu machen, mehr zu schaden als zu nutzen und der Schockmoment haben schon so manchen Betroffenen ziemlich aus dem Konzept gebraucht. Selbst wenn es da vor Jahren mal einen Erste Hilfe Kurs gab, sind viele Fakten einfach in Vergessenheit geraten. Abwarten ist aber der größte Fehler, der im Ernstfall gemacht werden kann. 

Da die Deutsche Herzstiftung weiß, dass es bei einem Ernstfall auf Sekunden ankommt, hat sie eine neue App entwickelt, die im Notfall wertvolle Hilfe leisten soll. Das Ziel dahinter ist, dass im Ernstfall jederzeit auch durch den Laien reanimiert werden kann. 

Wie funktioniert die Herz-App?

Durch simple Fragen, die Ersthelferin mit Ja und Nein beantworten können, leitet die App durchs Menü. Beim Auffinden eines bewusstlosen Menschen gibt es außerdem Anleitungen, welche Maßnahmen jetzt direkt nötig sind. Zuerst den Krankenwagen rufen? Zuerst beatmen? Wie viele Herzdrücke sind bei der Massage nötig? All diese Fragen koordiniert die App der Deutschen Herzstiftung und hilft so dabei, Ängste zu beseitigen und wertvolle Hilfe zu leisten. 

An erster Stelle steht natürlich das Hinzurufen eines Notarztes, daher kann die App direkt selbst einen Notruf absetzen. Bis zu dessen Eintreffen führt das kostenlose Programm nun durch die Notsituation. Hierbei wurde besonders auf Effizienz und Schnelligkeit geachtet. Es wird in simpler, einfacher Sprache gesprochen und durch die kritische Situation geleitet. Genutzt werden kann der mobile Helfer nicht nur auf dem Smartphone, sondern auch auf dem Computer. 

Abnehmen per App - auch das ist möglich

Abnehmgruppen, Diätpläne auf Papier und wöchentliches Wiegen? Das alles sind Relikte der Vergangenheit, dank Digitalisierung. Mittlerweile können Sie von zu Hause aus nicht nur gemeinsam mit anderen Menschen digitalen Austausch pflegen und miteinander abspecken, sondern auch noch das Fitnessstudio ins eigene Wohnzimmer bringen. 

Immer mehr Krankenkassen bieten moderne digitale Abnehmprogramme an, die Sie auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung begleiten. Auch fremde Hersteller bieten Kalorientabellen, interaktive Apps und Foren, Kalorientracker und Planer für bestimmte Abnehmmethoden an. 

Möchten Sie parallel dazu noch Sport treiben, finden Sie Schrittzähler und Fitnessapps direkt für Ihr Handy. Aber kann all das den Personal Coach ersetzen? Kann eine digitale Ernährungsberatung wirklich so gut funktionieren wie eine, die vor Ort stattfindet?

Digital genauso hilfreich wie analog möglich


Die gute Nachricht ist: Ja! Es ist auch auf digitalem Weg genauso effektiv möglich, sich beim Abnehmen unterstützen zu lassen und durch den gemeinsamen Kontakt zu gleichgesinnten Menschen die Motivation aufrecht zu erhalten. 


Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich mit der modernen Welt auseinanderzusetzen. Ist diese nicht vorhanden, klappt es auch nicht mit der virtuellen Abnahme. Die Hemmschwelle ist oft aus dem Grund so groß, da vieles über Jahrzehnte hinweg analog funktioniert hatte und plötzlich reformiert wird.

Warum Sie vor digitaler Medizin keine Angst haben müssen

Es ist verständlich und keine Seltenheit, dass Menschen vor Neuerungen Angst haben. Wenn es dann noch solche sensiblen Bereiche wie die Medizin betrifft, ist die Angst nur noch größer. Doch sie ist glücklicherweise auch überflüssig, stattdessen bietet die digitale Medizin in vielen Bereichen Vorteile: 

  • Bessere Versorgung durch die Möglichkeit der Telemedizin
  • Schnelle Medikamenten Verordnungen durch E-Rezepte
  • Mehr Informationsquellen und Austauschmöglichkeiten mit Arzt und Krankenversicherung


Die Digitalisierung zielt darauf ab, einzelne Arbeitsschritte zu erleichtern und für mehr Effizienz im medizinischen Bereich zu sorgen. 

Denken Sie an die letzte Situation als Sie bei Ihrem Arzt ein Rezept abholen wollten. Sie hatten keinen Termin, brauchten nur ein Folgerezept für ein längst bekanntes Produkt. Eine halbe Stunde mussten Sie im Wartezimmer warten, bis Ihr Mediziner das Dokument unterzeichnet hatte, denn er war gerade in einer Behandlung. 

Mit einem elektronischen Rezept müssen Sie die Arztpraxis bei der Bestellung eines Folgerezepts nicht mehr aufsuchen, sondern können Ihr Rezept per Anruf direkt ordern. Es dauert nur wenige Sekunden, bis das Dokument auf Ihr Handy transferiert wurde und Sie in der Apotheke nach dessen Verfügbarkeit fragen können. 


Angst vor einem Ausschluss von Senioren

Für Senioren ist die Situation besonders schlimm, wenn jahrzehntealte Gewohnheiten plötzlich geändert werden und die 80-jährige Bluthochdruckpatientin beim Arzt auf einmal nach ihrem Smartphone gefragt wird. Keine Sorge, es wird keinen Zwang geben, für Medikamentenverordnungen künftig permanent ein Smartphone mit sich zu führen. 

Durch den ausdruckbaren QR-Code ändert sich nichts für ältere Menschen, außer die Farbe des Rezepts. Anstelle des rosafarbenen Vordrucks gibt es nun eben einen QR Code.