Bei der Habila in Markgröningen werden Menschen mit Behinderungen gefördert, gepflegt und beschäftigt. Foto: Werner Kuhnle

In Markgröningen (Kreis Ludwigsburg) waren 75 Patienten ohne Allgemeinmediziner. Für die Betroffenen mit schweren und mehrfachen Behinderungen endet ein monatelange Odyssee.

Die Lage war zum Verzweifeln: Neun Monate lang waren 75 schwerstbehinderte Menschen in Markgröningen ohne hausärztliche Versorgung, obwohl sie stark auf Medikamente, Hilfsmittel und Blutabnahmen angewiesen sind. Habila, der Träger einer Eingliederungshilfe, hatte im Namen der Betroffenen Alarm geschlagen und auf den Missstand aufmerksam gemacht. Nun ist offenbar eine Lösung gefunden.

Nachdem ein Mediziner zum Jahreswechsel seine Sprechstunden auf dem Habila-Gelände aus gesundheitlichen Gründen einstellen musste, herrschte in Markgröningen ein akuter Hausarztmangel. Übergangsweise hatte sich ein Arzt aus Neckarsulm (Kreis Heilbronn) bereit erklärt, Rezepte für die Betroffenen auszustellen. Doch für jede Behandlung, die ansonsten ein Hausarzt übernommen hätte, mussten die Patienten mit teils mehreren Behinderungen monatelang immer wieder zum Notdienst gefahren werden.

Viele Absagen in den vergangenen Monaten

Die Suche nach einem neuen Hausarzt für die Klienten gestaltete sich äußerst schwierig. Arzu Aksoy, Standortleiterin für die Soziale Teilhabe und Pflege der Habila im Kreis Ludwigsburg, führte erfolglos unzählige Telefonate und persönliche Gespräche und verschickte zahlreiche Mails. Doch erst die Medienberichte zur dramatischen Situation in Markgröningen haben ein positives Ergebnis gebracht, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Habila.

Die Bubeck-Praxen mit Stammsitz in Vaihingen/Enz betreuen seit Monatsbeginn die 75 Menschen mit Behinderung. Dieser Übereinkunft sind ausgiebige Gespräche vorausgegangen. Der Praxisverbund habe aus ethischen Gründen und aus einer sozialen Verantwortung heraus angeboten, die hausärztliche Versorgung künftig zu übernehmen, heißt es in der Mitteilung.

Die Klienten der Habila sind oft mehrfach behindert, in ihrer Kommunikation eingeschränkt oder haben nicht nur physische, sondern auch psychische Probleme. Das macht ihre Behandlung aufwendiger, fachlich komplexer und zeitintensiver als die anderer Patienten.

Weitere Betroffene noch ohne Versorgung

Thomas Jaskolka, Bereichsmanager der Habila für Soziale Teilhabe und Pflege, ist froh, dass nun eine „hervorragende Lösung“ gefunden ist. Das entbinde die Kommunen und den Landkreis allerdings nicht von der Verpflichtung, sich eigene Gedanken über zukunftsträchtige Modelle zu machen, findet er. Der Träger werde weiterhin darauf drängen, die hausärztliche Versorgung für alle Menschen mit einer Behinderung flächendeckend sicherzustellen.

Auch Claudia Lychacz, die Kommunale Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung beim Landratsamt Ludwigsburg, hatte in einem Pressegespräch im vergangenen August darauf hingewiesen, dass es über Markgröningen hinaus weitere Menschen mit Behinderung gebe, die der Hausarztmangel besonders treffe. In der Öffentlichkeit sei diese Problematik aber noch nicht angekommen.