Endlich sehen, was man nie sehen wollte: Papst Franziskus bei einem Treffen zum Thema sexueller Missbrauch. Foto: dpa

Der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche wurzelt tief in dieser Institution und der von ihr vertretenen Sexualmoral. Die Aufdeckung der Skandale stürzt die Kirche in eine Krise, die aber Perspektiven für dringend nötige Reformen öffnen könnte.

Esslingen/Rom - So richtig über den Weg getraut haben ihnen die halbwegs freien und kritischen Geister schon damals nicht, als die katholische Sexualmoral und der Klerus noch im Lichte des alleinseligmachenden kirchlichen Monopols über die Seelen Europas leuchteten – trotz aller inneren Spaltungen und äußeren Machtkämpfe um die römische Kirche. Dass die Geistlichkeit ihre Autorität missbrauchten zum Zweck begieriger Körperlichkeit, dass der heilige Schein ins sexuelle Sein mündet, rügt etwa ein Gedicht der berühmten mittelalterlichen Sammlung „Carmina burana“. Anklage gegen den Typus des lüsternen Priesters erheben rhetorisch effektvoll federnde lateinische Reimverse, deren Prosaübersetzung lautet: „Nicht vom Geist der Keuschheit erfüllt, sondern unrein, innerlich und äußerlich, singst du die Messe für das Heil der Seelen, ein Befleckter! Voller Schmutz, voller Fehler streckst du die Hände zum Altar hin.“

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