Reinhold Maier (FDP, links) war Regierungschef von Württemberg-(Nord-)Baden und 1952 erster Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Sein Nachfolger wurde der Oberschwabe Gebhard Müller (CDU, zweiter von rechts). Leo Wohleb (CDU, rechts) agierte von Freiburg aus als erbitterter Gegner des Südweststaats. Neben Maier ist Edmund Kaufmann zu sehen (CDU, dann FDP). Foto: picture-alliance / Adolf Castagne

Ein kurzer Streifzug durch die Landesgeschichte zeigt: Baden-Württemberg ist politisch vielschichtiger, als es lange schien. Für die CDU war es ein Auf- und ein Abstieg.

Baden-Württemberg weist in der Reihe seiner Ministerpräsidenten zwei Besonderheiten auf: In der Geschichte der Bundesrepublik gelang es FDP und Grünen nur im Südwesten, einen Regierungschef zu stellen – die peinliche Episode des Thomas Kemmerich, der sich 2020 in Thüringen für die FDP mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ und binnen kurzer Frist wieder abtreten musste, sei hier ausgespart. Geformt und geprägt wurde der Baden-Württemberg jedoch durch die 58-jährige Machtausübung von Ministerpräsidenten der CDU. Zwar regiert Winfried Kretschmann das Land inzwischen so lange, wie noch kein Ministerpräsident vor ihm, doch als führende Partei vermochte er die Grünen nicht zu etablieren. Tonangebend in den Institutionen und Behörden, in Verbänden und Vereinen sind noch immer die Christdemokraten samt deren Helfer. Dort werkeln die Feinmechaniker der Macht, die meist unterhalb des Radars der Öffentlichkeit die Dinge regeln. Die Gesellschaft als Ganzes ist der CDU jedoch längst entglitten. Die Partei prägt keine Debatten, sondern hechelt Stimmungen hinterher.

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