Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist seit zehn Jahren im Amt. Foto: oh

Die Corona-Pandemie fordert den 72-jährigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann heraus. Im Wahlkampf setzt der Landesvater auf ökologische Themen und klassische Inhalte der Grünen.

Nürtingen - Als erster und bislang einziger grüner Ministerpräsident im Land kandidiert Winfried Kretschmann bei der Landtagswahl am 14. März für seine dritte Amtszeit. „Wir haben in den letzten zehn Jahren mit der grün-schwarzen Landes­regierung viel bewegt“, ist der Grünen-Politiker überzeugt. Auch in den nächsten fünf Jahren möchte der 72-Jährige Baden-Württemberg regieren.

Derzeit ist er als Ministerpräsident mit den Folgen der Corona-Pandemie besonders gefordert. Die Lockdowns mit seinen Kolleginnen und Kollegen und mit Bundeskanzlerin Merkel durchzusetzen, das fordert in diesen Tagen Rückgrat. Und Kretsch­mann räumt ein, dass in dieser schwierigen Zeit auch Fehler gemacht werden: „Man weiß nicht, wie sich die Lage entwickelt.“ Den Menschen auch unpopuläre politische Entscheidungen zu vermitteln, fordert den Landesvater gerade jetzt besonders heraus.

Seit 1980 im Landtag vertreten

Dazu kommt die heiße Phase des Wahlkampfs. Da seine Frau Gerlinde Kretsch­mann an Brustkrebs erkrankt ist, kündigte der Regierungschef jüngst an, in den nächsten Wochen kürzer zu treten, um ihr beizu­stehen. Die beliebte und weltoffene „First Lady“ unterstützt ihren Mann gerade bei den Repräsentationsaufgaben im Land. Verheiratet sind beide seit 1975. Sie haben drei heute erwachsene Kinder und leben in Sigmaringen.

Nach dem Studium hat Kretschmann in Esslingen am Theodor-Heuss-Gymnasium seine erste Stelle als Lehrer für Biologie, Chemie und Ethik angetreten. Zunächst wohnte er mit seiner Familie in Leinfelden-Echterdingen. Seit 1980 war Kretsch­mann für die Grünen im Landtag vertreten, allerdings mit Unterbrechungen. Seitdem ist Nürtingen der Wahlkreis des Landesvaters. „Schöne Landschaft und innovative Wirtschaft“ machen für ihn den Reiz dieses Wahlkreises aus. 2011 wurde der langjährige Fraktionschef der Grünen im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt, damals in einer Koalition mit der SPD.

Klassische grüne Themen haben hohen Stellenwert

In seinem Wahlprogramm haben die klassischen grünen Themen hohen Stellenwert: „Bei den regenerativen Energien müssen wir schneller werden.“ Da sieht der Ministerpräsident die grün-schwarze Landesregierung bereits jetzt auf einem guten Weg. Dennoch muss aus seiner Sicht noch viel mehr getan werden, um auch Privatleute zum Umdenken zu bewegen. Da denkt er etwa an den Einbau von Sonnenkollektoren: „Unsere Dächer müssen schwarz werden.“ Kretschmann hat aber auch die baden-württembergische Wirtschaft und deren Bedürfnisse im Blick. Allerdings sieht er die Systeme da im Wandel begriffen. „Wir bringen die ökologische Modernisierung unserer Wirtschaft entschlossen voran.“ Wirtschaft­licher Erfolg und Klimaschutz werden auch künftig aus seiner Sicht untrennbar verbunden sein. „Das Klima und unsere Natur schützen“, ist für Kretschmann die zentrale Aufgabe.

Öffentlicher Nahverkehr als wichtige Aufgabe

Mit Blick auf seinen Nürtinger Wahlkreis sieht er gerade den öffentlichen Nahverkehr als eine wichtige Aufgabe an. Um immer mehr Menschen zum Umstieg vom eigenen privaten Auto auf öffent­liche Verkehrsmittel zu bewegen, gebe es aber noch viel zu tun. Mit dem Ausbau des Schienennetzes sei man da auf einem guten Weg: „Von der Verlängerung der S-Bahn nach Nürtingen wird der ganze Wahlkreis profitieren“, ist der Ministerpräsident überzeugt. Diese Netze gelte es weiter auszubauen. Die ­Grünen hätten in den zehn Jahren seiner Regierungszeit bereits viel erreicht, um den öffentlichen Nahverkehr in Baden-Württemberg auszubauen und auch attraktiver zu machen. Daran wolle er anknüpfen.

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